Frederick Glackmeyer
Deutsche Spuren in Québec City und Umgebung

Frederick Glackmeyer, erster Berufsmusiker Kanadas

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-1783) überließen die Landgrafschaft Hessen-Kassen, das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel, das Kurfürstentum Hannover, Sachsen-Anhalt und andere Regionen auf heutigem deutschen Territorium den Briten im Rahmen der sogenannten Subsidienverträge mietweise Soldaten.

Musiker in Quebec City Musiker in Quebec City | © Goethe-Institut Montreal Bis zu 30.000 deutsche Söldner bekämpften unter britischem Kommando die amerikanischen Unabhängigkeitstruppen. So vermied die britische Kolonialmacht, dass sich Briten gegen ihre ehemaligen Landsleute schlugen. Viele dieser deutschen Söldner waren in der Provinz Quebec stationiert und verbrachten dort sieben Jahre. Etwa 1.300 von den ca. 10.000 auf kanadischem Boden stationierten Söldnern ließen sich später in der Provinz Quebec nieder. Diese Immigration von qualifizierten Arbeitskräften hatte positive Auswirkungen auf das damalige Kanada, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. Vor allem im frankophonen Teil hatte die Bevölkerung ein relativ geringes Bildungsniveau, nachdem viele Kaufleute und Intellektuelle infolge der Niederlage der Franzosen im Jahr 1760 das Land verlassen hatten. Unter den deutschen Söldnern befanden sich unter anderem Handwerker, Kaufleute, Ärzte und Musiker, die das Leben in ihrer neuen Heimat prägten.

Einer dieser in Quebec zurückgebliebenen ehemaligen Söldner war Frederick Glackmeyer, der 1759 in Hannover geboren wurde. Am 25. September 1784 heiratete er in der Stadt Quebec Marie-Anne O’Neil, wurde Vater von 16 Kindern und starb am 13. Januar 1836 in Quebec. Man erfährt nicht viel über die Zeit vor seiner Heirat in Quebec. Im Jahr 1777 wird er als musikalischer Leiter eines deutschen Truppenkontingents unter dem Befehl von Oberstleutnant Johann Gustav von Ehrenkrock angeworben. Unklar ist, wann er in der Provinz Quebec ankam. Der Generalmajor Friedrich Adolph Riedesel bietet ihm 1783 bei seiner Freistellung eine Stelle als Pianist in der deutschen Heimat an, aber Glackmeyer beschließt in Quebec zu bleiben.
 
Wohnhaus von Frederick Glackmeyer Wohnhaus von Frederick Glackmeyer | © Goethe-Institut Montreal In der Stadt Quebec ernährte Glackmeyer seine vielköpfige Familie als Musiker und Musiklehrer für diverse Instrumente. Im Wohnhaus der Familie gab er nicht nur Musikkurse, sondern er betrieb auch Handel mit aus England importierten Instrumenten. 1784 unterrichtete er Klavier, Gitarre, Geige und Flöte, im Jahr 1825 auch Bratsche und Cello. Außerdem reparierte und stimmte er ab 1785 diverse Musikinstrumente und verkaufte Kopien von Partituren. Seine Annoncen erscheinen in den lokalen Zeitungen, zum Beispiel in der „Gazette de Québec“, im „Québec Mercury“ oder im Québec Herald“. Glackmeyer war auch bei Musikveranstaltungen wie Konzerten oder Tanzabenden als Sänger und Musiker aktiv. Zudem komponierte er Musikstücke zu festlichen Anlässen und zu Ehren von besonderen Persönlichkeiten oder Würdenträgern. Der Name Glackmeyer wird sogar in den Schriften der Nonnen des Ursulinenordens als der erste Musiklehrer in Quebec erwähnt. Die häufigen Umzüge der Familie bezeugen jedoch, dass Glackmeyer trotz seines vielfältigen Engagements und seiner Tätigkeiten als Musiker, Lehrer und Händler nicht ohne finanzielle Probleme lebte. Hinzu kamen ab 1822 familiäre Sorgen und eine angegriffene Gesundheit. Zu allem Unglück musste Glackmeyer in dieser Zeit erleben, wie die vom ihm gegründete „Société harmonique de Québec“ (oder auch: „Quebec Harmonic Society“) ihre Aktivitäten einstellte, deren Vizepräsident er im November 1820 geworden war. In diesem Ensemble spielten neben professionellen Musikern auch Amateure. Später wurde die „Société harmonique“ wieder aktiv und war wie in den Anfangsjahren durch ihre Konzerte und Orchester maßgeblich am kulturellen Leben in Quebec beteiligt.

Trotz seiner weit gestreuten musikalischen Aktivitäten war Glackmeyer gewiss kein Musikgenie und auch nicht der perfekte Lehrer für alle Instrumente. Er war wohl eher ein Musiker mit solider Ausbildung, dem es bei seinen musikalischen und kommerziellen Aktivitäten vor allem darum ging, seine Familie zu ernähren, seinen Kindern eine gute Ausbildung und sich selbst ein gewisses Ansehen in der Gesellschaft zu sichern. So wurde er vom an die Briten ausgeliehenen Söldner zum ersten Berufsmusiker in Kanada.