Das Schneider Haus
Deutsche Spuren in Toronto und Umgebung

  • Das Joseph Schneider Haus in der Queen Street © Goethe-Institut Montreal
    Das Joseph Schneider Haus in der Queen Street
  • Das Joseph Schneider Haus in der Queen Street © Goethe-Institut Montreal
    Das Joseph Schneider Haus in der Queen Street

Eines der ältesten Gebäude in Kitchener

Gleich neben dem Victoria Park in der Innenstadt von Kitchener befindet sich eines der besten Museen der Stadt: das Schneider Haus. Es wird auch Joseph Schneider Haus genannt, wurde 1816 erbaut und zählt zu den ältesten Gebäuden in Kitchener.

Zu dem Anwesen, das heute als „lebendes Museum“ das Leben in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Kitchener darstellt, gehören ein Bauernhaus, drei Nebengebäude und ein Garten. Die Museumsmitarbeiter tragen Arbeitskleidung aus dieser Epoche und zeigen häusliche Tätigkeiten wie Kochen und Nähen unter Verwendung authentischer Werkzeuge von 1856.

Joseph und Barbara Schneider, die eigentlichen Besitzer des Hauses, gehörten zu den ersten Siedlern der Region. Die Schneiders waren Angehörige der Mennoniten, einer religiösen Gruppe aus Deutschland und den Niederlanden, die traditionell pazifistisch ausgerichtet ist. Joseph Schneider hatte deutsche Eltern und wurde 1772 in Lancaster County in Pennsylvania geboren. 1798 heiratete er Barbara Eby. Heute befindet sich in Lancaster County die weltweit größte Ansiedlung von Amischen und auch der Anteil von Mennoniten in der Bevölkerung ist hoch. In den folgenden Jahren der Amerikanischen Revolution wollten viele der in Pennsylvania lebenden Mennoniten weiter unter britischer Herrschaft leben. Das Land der heutigen Region Waterloos war damals noch abgeschieden und preisgünstig. Dort konnten die deutschsprachigen Mennoniten ihre Sprache und Religion weiterhin ausüben. 1807 siedelte eine Gruppe von Mennoniten, unter ihnen auch die Schneiders, in das heutige Kitchener über.

Joseph Schneider leistete einen großen Beitrag zur frühen Besiedlung der Region und wird, zusammen mit seinem Schwager Benjamin Eby, als einer der Gründer Kitcheners angesehen. Unter anderem unterstütze er den Bau der ersten Straße in der Region, stellte den ersten Lehrer für die örtliche Schule an und baute das erste Versammlungszentrum für die mennonitische Gemeinde. 1816 baute er nicht nur das Schneider Haus, sondern auch ein Sägewerk an einem Bach, der heute „Schneider Creek" heißt. Die Schneiders spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Gemeinde und ihr Sohn Joseph setzte auch nach ihrem Tod die Arbeit im Sägewerk und auf ihrem Bauernhof fort. Das Schneider Haus ist auf die Darstellung des Lebens dieser zweiten Siedlergeneration in Kitchener ausgerichtet.

Die mennonitischen Geschäfte und Kirchen in den Städten und die Bauernhöfe auf dem Land verweisen darauf, dass Kitchener-Waterloo und die angrenzenden Regionen noch immer von vielen Mennoniten bewohnt werden. In der Nähe von Waterloo liegt beispielsweise der St. Jacob’s Market, einer der größten Bauernmärkte Kanadas, auf dem man von Mennoniten hergestellte Produkte kaufen kann. Das Schneider Haus erinnert an die ersten Mitglieder dieser Gemeinschaft und die Gründung Kitchener-Waterloos.