Baron Mackensen
Deutsche Spuren in Vancouver und Umgebung

Baron von Mackensen – (k)ein Spion des Kaisers

In Port Kells (Surrey, Britisch Kolumbien/BC) steht an der Ecke der 96. Avenue und der 192. Straße ein wahrhaft geschichtsträchtiges Haus. 2005 wurde es in ein Pub umgewandelt. Wer heute dort sein Bierchen schlürft, sollte einen Blick auf die Bilder an den Wänden werfen, denn diese Kneipe war einst das Anwesen eines deutschen Barons.

Karl Mackensen von Astfeld, auch Carl von Mackensen genannt, wurde 1878 in Straßburg geboren, das damals zu Deutschland gehörte. Carl war der Neffe des prominenten preußischen Generalfeldmarschalls August von Mackensen. Die militärische Karriere Carls reichte allerdings nur bis zum zweiten Leutnant in der Landwehr-Kavallerie. 1904 schied er aus der Armee aus und machte sich auf nach Kanada.

Er ließ sich in der Gemeinde Port Kells nieder und brachte es als Geflügelzüchter mit seiner „Black, White and Red Poultry Farm“ zu einigem Wohlstand. 1910 kaufte Carl sich ein Farmhaus und verwandelte es in ein kleines „Castle“, wie es die Nachbarn bald nannten. Er hatte an seinen „Palast“, in dem es 16 Zimmer gab, einen mittelalterlichen Turm anbauen lassen. Das Familienwappen schmückte das Fensterglas des Turms und an den Wänden hingen alte Gemälde, Schwerter, Pistolen und Musketen aus Europa. In Port Kells wurde Carl für seine Großzügigkeit geschätzt. Zu Weihnachten lud er die gesamte Gemeinde zur Bescherung am Heiligabend ein und bewirtete sie mit Speisen und Getränken.

Doch in den Jahren 1910 bis 1914 reiste Carl viel zwischen Nordamerika und Deutschland und sorgte damit in der Gemeinde von Port Kells für Misstrauen. Seltsam schien es, dass der Neffe eines Generalfeldmarschalls nun Geflügel züchtete, seine Gemeinde zur Weihnachtszeit beschenkte und häufig über die USA in seine alte Heimat reiste. Er wurde verdächtigt, ein Spion zu sein und Landsleute in die USA zu schleusen, um ihnen die Internierung in Kanada zu ersparen. Als Carl dann nach Ausbruch des ersten Weltkrieges auch noch die Flagge des Kaisers an seinem Turm hisste, ließen die kanadischen Behörden ihn 1915 verhaften und internieren.

„Baron’s Manor Pub” „Baron’s Manor Pub” | © Goethe-Institut Montreal Sein gesamtes Vermögen in Surrey wurde mit der Begründung „Canadian Custodian of Enemy Property“ beschlagnahmt und sein Haus in Port Kells galt nunmehr als das „Spy House“. Man erfand wilde Geschichten: von der Existenz eines Tunnels zwischen Haus und Fraser Fluss, von der Nutzung des Turms als Richtfunkanlage und von geheimen Gängen durch Wandschränke hindurch zu unbekannten Räumen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wurde Carl von Mackensen sofort und ohne Angabe von Gründen nach Deutschland deportiert. Mehrfach versuchte er, sein Eigentum zurückzuerlangen – ohne Erfolg. Der Baron, einst die schillerndste Persönlichkeit in der Gemeinde Port Kells, starb schließlich vereinsamt 1967 in Deutschland.

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