David Oppenheimer
Deutsche Spuren in Vancouver und Umgebung

  • Statue Oppenheimers am Eingang zum Stanley Park © Goethe-Institut Montreal
    Statue Oppenheimers am Eingang zum Stanley Park
  • Der Oppenheimer Park in Vancouver © Goethe-Institut Montreal
    Der Oppenheimer Park in Vancouver

Ein einflussreicher Geschäftsmann

Das „Warehouse Studio“ in Vancouvers „Downtown Eastside“ sieht auf den ersten Blick wenig spektakulär aus. Aber die Geschichte des ältesten Backsteingebäudes Vancouvers ist so spannend wie die Entstehung der Millionen-Metropole selbst. Rockstar Bryan Adams kaufte 1989 dieses halb ausgebrannte und abbruchreife Gebäude und ließ es aufwändig sanieren. Doch 102 Jahre zuvor waren es die deutsch-stämmigen Brüder Oppenheimer, die 1887 den Bau fertig stellen ließen, um ihn für ihren Lebensmittelgroßhandel zu nutzen. Später wurde das Gebäude das erste Rathaus der neuen Stadt Vancouver und 1888 schaffte es einer der Brüder, David Oppenheimer, selbst ganz an die Spitze.

David Oppenheimer wurde 1832 im damals bayerischen Blieskastel geboren. Wie viele Deutsche wanderte er nach Amerika aus, um den Unruhen der deutschen Revolution von 1848/1849 zu entkommen. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern zog es ihn zunächst nach New Orleans und dann, vom Goldfieber gepackt, nach Kalifornien. Dort gründeten die Brüder 1858 die Firma „The Oppenheimer Group“ und versorgten Goldgräber mit Minen-Ausrüstungen. Schließlich lockte sie der Goldrausch im „Fraser River Valley“ weiter in den Norden. Während drei der Brüder das Geschäft im Valley vorantrieben, erkannte David Oppenheimer das Potential für Spekulationen mit Grund und Boden im heutigen Stadtgebiet von Vancouver. 1878 zog er mit seinem Bruder Isaac nach Coal Harbour und Granville, um dort Land zu kaufen.

Sechs Jahre später hatte David Oppenheimer so viel Einfluss, dass er die damalige Regierung Britisch Kolumbiens davon überzeugte, den Hauptumschlagplatz der Eisenbahn von Port Moody nach Coal Harbour zu verlegen. Durch diesen Umzug gewann der Ort, der später Vancouver heißen sollte, stark an wirtschaftlicher Bedeutung. Zufällig gehörte das Land in Coal Harbour David Oppenheimer. Wer die „Canadian Pacific Railway“ für sich gewann, hatte eigentlich schon ausgesorgt. Aber dem ehrgeizigen David Oppenheimer ging es um mehr, denn er wollte nach ganz oben.

Bei der Stadtgründung Vancouvers im Jahre 1886 erhielten David und Isaac jeweils einen Sitz im neuen Stadtrat. Zwei Jahre später wurde David Oppenheimer zum zweiten Bürgermeister der neu gegründeten Stadt Vancouver gewählt. Während seiner Amtszeit errang er große Erfolge, für die ihn die Stadt bis heute in Erinnerung behält. Am Ende der Beach Avenue zum Stanley Park steht seine Büste, in Japantown hinter der Downtown Eastside wurde ein Park nach ihm benannt und im Süden Vancouvers findet man die David Oppenheimer Grundschule. Oppenheim war maßgeblich an der Gründung des Stanley Parks beteiligt und machte sich auch für den Ausbau der Infrastruktur in Vancouver stark, zum Beispiel für den Bau von Straßen, der Kanalisierung, der Stromversorgung und der Erweiterung des Straßenbahnnetzes.

David Oppenheimer trat 1891 zurück – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Doch sein Rivale William Templeton, der im Wahlkampf eine Niederlage gegen ihn erlitten hatte, verbreitete eine andere Version. Angeblich hätten Oppenheimers privatwirtschaftliche Interessen überhandgenommen und er sei deswegen in einem öffentlichen Amt nicht mehr tragbar gewesen. 1897 starb David Oppenheimer an einem Herzinfarkt, den er am Neujahrsabend erlitt – einen Tag vor seinem 64. Geburtstag. William Templeton wurde noch im selben Jahr zum Bürgermeister gewählt und ließ die Oppenheimer Straße sofort in East Cordova umbenennen. David Oppenheimers Leichnam wurde im damaligen Freimaurer-Tempel Ecke Cambie und Cordova aufgebahrt und später nach Brooklyn, NY überführt, wo er auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde. Sein privates Vermächtnis jedoch bleibt: Die „Oppenheimer Group“ gibt es immer noch und sie wird liebevoll „Oppy“ genannt.

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