Von der Filmrevue, über Operetten- und Musicalfilme bis hin zum populären Schlagerfilm – Musikfilme erfreuten sich in der DDR großer Beliebtheit. In einer von staatlicher Kontrolle und Zensur geprägten Gesellschaft bot der Musikfilm eine Möglichkeit, auf subtile Weise gesellschaftskritische Themen aufzugreifen und gleichzeitig das Publikum zu unterhalten.
Viele der frühen DEFA-Musikfilme orientierten sich an klassischen Opern oder Balletten und integrierten Elemente dieser Kunstformen in die filmische Handlung. Dadurch wurde der Musikfilm zu einem Medium, das die Abgrenzung zur sogenannten Hochkultur aufweichte. Auf besonders eindrückliche Weise zeigt dies Der fliegende Holländer (Joachim Herz, 1964), als erste konsequent filmische Opernadaption. In den 1960er Jahren, als sich Revue-, Show- und Musikfilmformate in der internationalen Unterhaltungsindustrie etabliert hatten, blühte in der DDR vor allem das Genre der Revue- und Schlagerfilme auf. Als der einzige von der DEFA produzierte Revuefilm im engeren Sinne gilt Revue um Mitternacht (Gottfried Kolditz, 1962), der aus einer Reihe aufwändiger Musik- und Tanzszenen besteht, die mit der Filmhandlung verwoben sind. Schlagerfilme hingegen griffen stärker auf bereits vorproduzierte Musikstücke zurück, die als eigenständige Sequenzen in die Narration eingebunden wurden. Ab den 1970er Jahren orientierten sich immer mehr Musikfilme an jugendlicher Popkultur. Schon bald bildeten sie einen festen Bestandteil der ostdeutschen Jugendkultur. Zu einer Zeit, in der der Pop- und Rockmusik im Westen der Bundesrepublik Deutschland bereits populär waren, gab es in der DDR kaum Möglichkeiten, sich mit dieser Musik auseinanderzusetzen. Der Musikfilm bot daher eine Plattform, um junge Menschen mit moderner Musik und einem jugendlichen Lebensgefühl zu erreichen. Die DEFA-Blockbuster Die Legende von Paul und Paula (Heiner Carow, 1973) und Solo Sunny (Konrad Wolf, 1980) prägten mit ihren eingängigen Soundtracks die ostdeutsche Popkultur nachhaltig. Sie trafen den Zeitgeist sowohl mit ihren Sounds als auch den Texten.
Nicht zuletzt war der Musikfilm der DDR ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der sich in der Produktionsstrategie der DEFA, der Deutschen Film AG, niederschlug. Viele Filme waren an den Kinokassen äußerst erfolgreich und verhalfen der DEFA auch zu internationaler Anerkennung. Darüber hinaus trugen die Filme auch zur Entwicklung der Musikindustrie in der DDR bei, indem sie den Verkauf von Schallplatten und Kassetten ankurbelten.