Ja, man kann mit weniger als 600 Euro einen Film machen, und der kann auch toll werden. Axel Ranisch, ein Schüler Rosa von Praunheims, macht es mit „Dicke Mädchen“ vor, holt seine Oma vor die Kamera, dreht in ihrer Wohnung, lässt improvisieren, schnell drehen und sich nicht von professionell ausgeleuchteten Sets oder Filmförderanträgen irritieren.
Das Resultat ist roh und berührend und gibt den Startschuss für eine ganze Bewegung deutscher Filmschaffender, die mal mehr, mal weniger streng ihren eigenen Manifesten gehorchen. „German Mumblecore“, eine eigentlich unpassende Beschreibung der Welle, wurde im Jahre 2012 mit dem Film
Dicke Mädchen geboren.
Plattenbau, Berlin: Edeltraut ist alt und hat Demenz. Ihr Sohn Sven kümmert sich um sie. Wenn Sven arbeiten muss, kommt Daniel, ein Pfleger. Sven und Daniel sind in den 40ern, dick und verlieben sich ganz vorsichtig ineinander. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, denn der Rest des Films ist eine Mischung aus Liebe, Charme und Mut. Mut einfach drauf loszudrehen: Mini-DV, super Idee, scheiß auf den Rest. Liebe: Zu einer wunderbar ungewöhnlichen gewöhnlichen Geschichte, zu dicken Männern, die noch nie so schön und hemmungslos im deutschen Film gezeigt wurden. Charme: Ranischs Oma Ruth Bickelhaupt, die hier mit 85 Jahren ihr bezauberndes Film-Debüt gibt und seitdem schönerweise in zahlreichen deutschen Filmproduktionen zu sehen ist.
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