Das „Sister Cities Artist Exchange Program" der Stadt Toronto
Bunter Austausch

Justus Becker / Alex BACON Lazich
© Justus Becker / Alex BACON Lazich

Im Herbst 2019 besuchte der Frankfurter Straßenkünstler Justus Becker als Gast des Goethe-Instituts die Stadt Toronto, um an einem in situ Kunstwerk zu arbeiten, und der Torontoer Künstler Alex Lazich wurde im Gegenzug nach Frankfurt eingeladen, um gerade rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2020 sein Kunstwerk fertig zu stellen.

„Diversity is our Strength“

Das Kunstwerk, das Bacon für Frankfurt entworfen hat, basiert auf dem Motto der Stadt Toronto "Diversity is our Strength" und dem europäischen Motto "United in Diversity". Bacon hat zwei Wappentiere abgebildet, die für die beiden Partnerstädte stehen – Adler  für Frankfurt, der Waschbär für Toronto. Bei der Gestaltung des Kunstwerks musste sich der Künstler aus Toronto an der Farbgebung und dem Design der U-Bahn-Station orientieren. Aus diesem Grund wurde das Gemälde in Schwarz-Weiß gestaltet und umgesetzt. Sehen Sie hier das Interview:
 
 

Alexander Lazich

Der Künstler Alexander Lazich, Künstlername Bacon, hat sich mit seinem unverwechselbaren Graffitistil und seinen lebendigen Wandbildern weltweit einen Namen gemacht. Er lernte in den 90er Jahren auf der Straße von den Pionieren der ursprünglichen Graffiti-Szene Torontos und unterrichtet heute seinerseits junge Künstlerinnen und Künstler.

International ist er für seine farbenfrohen Werke bekannt. Bacon betrachtet Street Art als eine Kunstform, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

In seiner Arbeit dekonstruiert er traditionelle Graffiti-Sprühtechniken in einem abstrakten Stil, der sich mit den für Graffiti typischen typografischen Elementen vermischt. Die Verwendung einer ausgereiften Farbpalette und die Vermischung von Realismus mit stilisierten Graffiti-Schriften verleihen seinen Werken einen einzigartigen Look.

Einem breiteren Publikum wurde er 2016 mit Machu Pichu bekannt - seinem Beitrag zum StreetARToronto-Wandbildprojekt New Seven Wonders of the World.

Die Projekte von StART sind für Straßen und öffentliche Räume konzipiert. Das Programm begann 2012 als Teil des Graffiti-Managementplans der Stadt, um Vandalismus zu reduzieren und „wildes Graffiti durch lebendige, farbenfrohe, gemeinschaftsbezogene Straßenkunst zu ersetzen“. Seither sind Kunstwerke unter anderem auf Fahrbahnen, auf Ampeln, in Unterführungen und in Unternehmen entstanden.

Bereits im Jahr 2019, anlässlich des 30. Jahrestages der Städtepartnerschaft, schuf der Frankfurter Justus Becker ein abstraktes und doch detailliertes Gemälde an der Seitenwand eines Gebäudes in der Charles Street 20 East, Ecke Yonge Street, das ein Gesicht und die sich in einer Brille spiegelnden Skylines von Frankfurter (linkes Glas) und Torontos (rechtes Glas) zeigt. 
 
  • Mural von  Justus Becker © Nicole Visual Bass

  • Das Graffiti von Alex Lazich in der U-Bahnstation Messe in Frankfurt am Main © Goethe-Institut



Wir haben Justus Becker nach der Fertigstellung seines Murals getroffen, um über das Werk und seine Arbeit zu sprechen. 

Wie lange hat der Schaffensprozess gedauert?

Ich wollte an einem Tag die Grundierung und an einem anderen Tag die Zeichnung machen, aber es war zu regnerisch, um in den beiden Tagen fertig zu werden. Am Ende dauerte es fünf Tage, aber am letzten Tag hatte ich nur noch den unteren Teil fertigzustellen.

Zur Einweihung erwarteten wir sowohl den Oberbürgermeister von Toronto, John Tory, als auch den Oberbürgermeister von Frankfurt, Peter Feldmann, der das Band durchschneiden sollte.

Siehst Du in Bezug auf die Street Art-Szene Parallelen zwischen Toronto und Frankfurt?
Michael Thompson, Justus Becker, Peter Feldmann
Michael Thompson, Justus Becker, Peter Feldmann am Ort des Geschehens | © Jutta Brendemühl

Ich denke die Unterschiede überwiegen. Zwar haben beide Städte großartige Künstler, die wirklich gute Arbeit leisten. Aber wenn man sich die staatliche Unterstützung ansieht, die Street Art-Künstler erhalten, stößt man schnell auf Unterschiede. Toronto hat zum Beispiel dieses großartige Projekt, das StreetART Toronto, das so viele Künstler und Kunstprojekte unterstützt. So etwas gibt es in Frankfurt nicht. Man muss der Fairness halber allerdings sagen, dass Frankfurt sehr viel kleiner ist, so dass eine Kulturförderung dieser Art und dieses Umfangs vermutlich einfach nicht möglich ist.

Es könnte aber zum Denkanstoß für ähnliche Förderungs-Projekte werden.

Der Mangel an finanzieller Förderung verhindert nicht, dass Kunst geschaffen wird, aber es ist viel schwieriger, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und natürlich entsteht so letztlich weniger Kunst. Wir werden sehen - vielleicht wird das hiesige Modell Peter Feldmann zu einem ähnlichen Projekt inspirieren. 
 
 

Justus Becker

Der Street Art-Künstler Justus Becker alias COR war schon in jungen Jahren in der Szene aktiv. Sein Markenzeichen sind fotorealistische Gesichter, was sich auch in finanzieller Hinsicht bewährt hat: COR gehört zu den wenigen Street Art-Künstlern, die mittlerweile ihren Lebensunterhalt mit ihrer Kunst bestreiten können. 

Er verfremdet seine fotorealistischen Motive mit abstrakten Farben und Formen, um Bedeutung und manchmal auch Kontext hinzuzufügen. Im Jahre 2016 zum Beispiel Zeit machte sein gemeinsam mit dem Künstler Oguz Sen geschaffenes Wandgemälde von Alan Kurdi Furore, dem kleinen syrischen Jungen, der bei dem Versuch ums Leben kam, aus seinem Land zu fliehen – womit Justus Beckers Stimme sich zu dem internationalen Aufschrei angesichts der humanitären Katastrophe im Mittelmeer gesellte.

Bis heute steht die Schaffung überlebensgroßer Wandgemälde im Mittelpunkt seines Schaffens, wobei trotz seiner Teilnahme an Gruppen- und Einzelausstellungen auf der ganzen Welt „die Straße seine wichtigste Galerie bleibt“.

 

StArt

StreetARToronto (StART) ist 2012 als integraler Bestandteil des Graffiti-Programms der Stadt Toronto angelaufen. Es umfasst eine Reihe innovativer Programme, die speziell im Rahmen des Managementplans für Straßen und öffentliche Räume entwickelt wurden und dazu beigetragen hat, lebendige, farbenfrohe und gemeinschaftsbezogene Straßenkunst in Toronto zu platzieren.

StART unterstützt die Entwicklung von Streetart und Wandgemälden als ein ortsbildendes Instrument, welches die Förderung des Gemeinschaftsgefühls, der Integration und des Engagements im sozialen Raum zum Ziel hat. Das Programm soll den Vierteln Farbe und Vitalität verleihen und es wurden bereits mehrere Straßenzüge der Stadt durch leuchtende Farben und Kunstwerke verändert. Das „Underpass Program“ transformiert Unterführungen und Brücken (viele in der Nähe des Don River und entlang der Waterfront), um die Bereich ansprechender zu gestalten und gleichzeitig Talent und Kreativität von Künstlern, Kunstorganisationen und der Stadt Toronto als Ganzes zu präsentieren.

Der Städteaustausch 2019-2020 Frankfurt-Toronto mit den Künstlern Justus Becker und Alex Lazich ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Toronto und der Stadt Frankfurt, unterstützt vom Goethe-Institut Toronto.

Erfahren Sie hier mehr über StART

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