Vorlesung von Uwe Westphal
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Das Berlin des 19. Jahrhunderts war ein blühendes Kreativzentrum für Mode und Konfektion. Von der Bauhaus-Architektur bis hin zu populären Musicals - die pulsierende Kunstszene der Stadt regte die Kreativität an und beeinflusste einzigartige Designs, die in ganz Deutschland und weltweit verkauft wurden. Als die Branche in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt erreichte, standen jüdische Modedesigner im Zentrum der Metropole und galten als Trendsetter für moderne neue Stile in Europa.
Doch spätestens nach 1933 sahen sich die zumeist jüdischen Konfektionäre mit Hass und Gewalt konfrontiert. Im „Dritten Reich“ wurden viele Unternehmen „arisiert“, die Inhaber beraubt, vertrieben oder ermordet. Die neuen Besitzer kreierten statt weltgewandter Mode eher biedere Kleidung, die auch für ein völlig verändertes Frauenbild stand. Darüber hinaus profitierten sie von der Judenverfolgung, noch im Konzentrationslager wurden die versierten Kürschner, Modezeichner, Näherinnen und Zuschneider ausgebeutet, die dort entstandene Mode wurde teuer an NS-Größen verkauft. Das war das Ende von mehr als 100 Jahren kreativer Mode und jüdischem Design in der Metropole. Bis heute hat die deutsche Modeindustrie ihre aktive Rolle bei der Beschlagnahmung jüdischer Unternehmen ab 1933 nicht offiziell anerkannt. Einige jüdische Modedesigner, die ursprünglich aus Berlin stammten und denen die Flucht gelang, starteten erfolgreiche Karrieren in den USA.
Jetzt, fast neunzig Jahre später, begleitet der Wissenschaftler Uwe Westphal diese lange übersehene Geschichte und entdeckt den Aufstieg und Fall der jüdischen Modeindustrie in Deutschland.
Uwe Westphals Buch
"Fashion Metropolis Berlin 1836-1939: The Story of the Rise and Destruction of the Jewish Fashion Industry" lässt die modische Vergangenheit Berlins wieder lebendig werden und erinnert gleichzeitig deutlich und schmerzhaft an das große Unrecht, das begangen wurde. Auf der Grundlage seines Buches wird Westphal in seinem Vortrag die jüdische Beteiligung an der Berliner Modeindustrie untersuchen und aufzeigen, wie Nazi-Loyalisten innerhalb der Branche zum Holocaust beitrugen.
Uwe Westphal ist ein in Berlin und London lebender Autor. Er hat für die internationale Schriftstellervereinigung PEN sowie als Journalist und Produzent für PBS und CBS in New York gearbeitet. Er ist Autor von vier Geschichtsbüchern über das Dritte Reich, zahlreichen Essays und Artikeln im Vereinigten Königreich und in Deutschland. Seine Arbeiten wurden auch bei Radio 4 und BBC gesendet.
Dieses Programm wird in Zusammenarbeit mit dem Contemporary Jewish Museum (The CJM) und dem Jewish Family and Children's Services (JFCS) Holocaust Center anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages präsentiert.
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