Künstlerresidenz Marie Reinert: System K

Marie Reinert: Système K
Foto: Rodriguez Ilunga | Goethe-Institut

Marie Reinert spricht über ihre Arbeiten, die während ihrer Residenz in Kinshasa entstanden sind. Die Künstlerin begibt sich in die Tiefen der Welt der Arbeit Kinshasas, wo sie über verschiedene Wege ganz in die Erfahrungen von Körpern eintaucht.

Residenz in Kinshasa

Wie kann man über die Arbeit in der Stadt Kinshasa sprechen? Hauptstadt der Bürokratie und Handelsstadt, in der gigantische Verwaltungsgebäude auf die Ökonomie des Informellen und des Einfallsreichen aufeinandertreffen, wo jeder private oder öffentliche Ort in einen Raum des Austauschs mit der unsichtbaren Ökonomie verwandelt werden kann. Kinshasa, die weitläufige Stadt, eine monströse Stadt voller Dichte, Schönheit und Hässlichkeit.
 
Ich wollte mir diese Körper ansehen, die sich täglich austauschen, erschaffen, transformieren und prägen. Ich wollte diesen sich in Bewegung befindlichen Händen und Körpern näher kommen, um einen Film zu schaffen, dessen Schauspieler und Regisseure die Bewohner von Kinshasa sein sollten. Ich ging mit dem Wunsch, dass mein Handy von Hand zu Hand zirkulieren würde, wie ein Staffelstab.

Kisimbi

10 Tage nach meiner Ankunft in Kinshasa treffe ich Junior Mvunzi, Alchemist des Metalls! Ich gebe ihm mein Handy, um einen Griff aus recycelten Materialien anzubringen. Das Hybridgerät heißt jetzt Kisimbi. Es wird in den Straßen von Kinshasa zirkulieren. Jede Person wird die Kamera wie einen Staffelstab übernehmen, um die Handgriffe seiner Arbeit zu filmen und sie dann an eine andere Person weiterzugeben.

Système K

Im Gästehaus der Académie des Beaux-Arts von Kinshasa wird ein Team gebildet, es nennt sich System K, der Name des Projekts.
Chris Shongo, Jerry Lelo, Francis Longwa, Magloire Mpaka, Olikas Ngongo und Margot Oto gehen mit Kisimbi in die Straßen von Kinshasa, um das Gerät zu überbringen. Ihre Rolle ist wichtig: Sie öffnen Türen, erklären das Projekt, schlagen Stadtteile vor, die es zu erkunden gilt. Jede Nacht kommen sie eilig aus der Stadt zurück. Hersteller von Backsteinen, Mechaniker, Friseure, Telefonverkäufer, Werbeagenten, Straßenhändler, Foufou-Köchinnen und viele andere ... so viele Hände haben Kisimbi gehalten, haben ihre Aktionen während der Arbeit gefilmt, und die dazu beigetragen haben, dass System K realisiert werden konnte. 

Der Projektionskoffer

Während der Dreharbeiten der Filme beschäftigt sich Junior Mvunzi mit der Verwandlung meines Reisekoffers in einen Videoprojektionskoffer. Angetrieben von einer Autobatterie können wir auf die Straßen von Kinshasa gehen, um den Bewohnerinnen und Bewohnern Filme zu zeigen. Dieser Koffer ist völlig autonom und funktioniert trotz der Launen der Stromausfälle, in Kinshasa „Entlastung“ (délestage) genannt. Der Koffer war einen Abend lang in den Straßen der Stadt ausgestellt. 

Vorstellung der Arbeit

Wir zeigen unsere Arbeit im Multimediaraum der Académie des Beaux-Arts Kinshasa und nutzen die 16 verfügbaren Monitore. Eine Performance von LovaLova findet im Raum statt, um allen Mitwirkenden des Projekts zu danken. Die Worte des Sängers vermischen sich mit dem Trubel der Installation und den Visionen der fragmentierten Stadt.