Yambi – Our House is Your House

Orakle Ngoy, Matti Schulz, Chris Shongo, Wilfried Luzele Vuvu (Lova Lova) und Lucile de Witt in Berlin für das Projekt „Yambi – Our House is Your House“, 2019
Orakle Ngoy, Matti Schulz, Chris Shongo, Wilfried Luzele Vuvu (Lova Lova) und Lucile de Witt in Berlin für das Projekt „Yambi – Our House is Your House“, 2019 | Foto: © ACUD

Henrike Naumann, Orakle Ngoy, Matti Schulz, Chris Shongo, Wilfried Luzele Vuvu (Lova Lova) und Lucile de Witt haben mindestens eine und sicher noch viele weitere Dinge gemeinsam: sie lernten sich in Kinshasa kennen, fühlten sich als Künstler*innen verbunden und ersannen das Projekt „Yambi – Our House is Your House“, gefördert im Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts.

Gemeinsam verbrachten die Künstler*innen im August 2019 drei Wochen in Berlin und besetzten als „freundliche Übernahme“ das Kunsthaus ACUD. Es wurde zum Arbeitsraum und kreativem Labor, indem die Künstler*innen verschiedene Räume nutzten und für den ACUD-Club eine musikalische Performance entwickelten, die den Höhepunkt der Übernahme markierte. Weder gab es Choreograph*innen, Regisseur*innen, Kurator*innen oder Dirigent*innen, noch eine vorgegebene formale Agenda, einen theoretischen Rahmen oder vorgegebene Themen. Stattdessen konzentrierten sich die Künstler*innen auf den Moment der Aufführung selbst: auf den Akt des Schaffens, auf die unmittelbare Erfahrung des Austauschs von Ideen, Praktiken und Objekten und natürlich darauf, wie man sie auf der Bühne in etwas Neues verwandelt.

Wie beeinflusst der kulturelle Hintergrund eine*r Künstler*in seine Herangehensweise an die Aufführung? Inwieweit verändern sich diese Ansätze in der Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus unterschiedlichen Kulturkreisen? Welchen Einfluss haben ihr Standort, ihre visuelle und akustische Umgebung und ihre Arbeitsräume? All das waren Fragen, an die sich die Künstler*innen durch ihre Arbeit herangetastet haben.

Um dieses work-in-progress, samt Schwierigkeiten, Entdeckungen, Neugierde, Überraschungen, Höhen und Tiefen mit dem Publikum außerhalb der Räume des ACUDs zu teilen, übernahmen die Künstler*innen auch jegliche Social Media-Kanäle. Dort dokumentierten sie ihre Erfahrungen in Form von Handyvideos, Blogeinträgen und fotografischen Arbeiten.

Ein Begleitprogramm parallel laufender Veranstaltungen, die das Kollektiv während der Residency ausrichtete, gab einem breiten Publikum die Möglichkeit die Künstler*innen persönlich kennen zu lernen. Unter anderem wurde eine Filmreihe im ACUD-Kino veranstaltet, Workshops, informelle Gespräche und Netzwerktreffen organisiert, an denen auch in Berlin lebende Exilkünstler*innen und Aktivist*innen der D. R. Kongo teilnahmen. Musik- und Musikvideosessions liefen im ACUD-Studio und die ACUD-Galerie veranstaltete ein gemeinschaftliches Fufu-Dinner.

Alle diese Veranstaltungen hatten zum Ziel, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund in „unserem Haus,“ dem freundlich übernommenen ACUD, zusammenzubringen und einen Dialog, einen Austausch und hoffentlich eine Erweiterung des künstlerischen Netzwerks zu fördern – mit Yambi als Ausgangspunkt.

Die Residency gipfelte in der Abschlussaufführung im ACUD-Club, die Musik- und Bühnenelemente (in Form von Kostümen) miteinander verband und an die sich eine Party samt kongolesischer Musik anschloss.

Allerdings war dies nicht der Abschluss des Projektes: Wenige Monate nach der Residency-Phase in Berlin wurden die Ergebnisse in Kinshasa präsentiert. Der Kunstraum Double Vision entpuppte sich nun auch zu „unserem Haus“ und beherbergte den Auftritt des Kollektivs Yambi. Welchen weiteren Charakter kann eine Performance einnehmen, an einem anderen Ort, in einer anderen Stadt, mit einem anderen Publikum, mit einigen Monaten Abstand? Hier waren Fragen von Einzigartigkeit vs. Reproduzierbarkeit, von Dynamiken der Improvisation und Inszenierung der gemeinsame Nenner und mündeten ebenso in Veranstaltungen und einer Ausstellung.