Sprachkurse in den 1970er Jahren „Die Kongolesen sind begabt für Fremdsprachen“

Deutsch-Unterricht für Groß und Klein in Kinshasa 1979
Deutsch-Unterricht für Groß und Klein in Kinshasa 1979 | Foto: Inge Petridi

Sie war von 1976 bis 1991 Deutschlehrerin am Goethe-Institut in Kinshasa: Inge Petridi. Im Interview erzählt sie von wissbegierigen Kursteilnehmenden, dem abrupten Ende des Goethe-Instituts und ihrer Liebe zu Lingala.

1976 begannst du, am Goethe-Institut in Kinshasa Deutsch zu unterrichten. Welche Dinge konnten die Kursteilnehmenden besonders gut?

Die Kongolesen in der Hauptstadt haben den Vorteil, zweisprachig aufzuwachsen. Somit sind die meisten begabt für Fremdsprachen. Davon haben wir Kursleiter profitiert, denn die Deutschlerner brachten den halben Erfolg mit in den Unterricht. 

  • Goethe-Institut in der Avenue de l'Equateur, ca. 1984 Foto: Inge Petridi
    Goethe-Institut in der Avenue de l'Equateur, ca. 1984
  • Buchgeschenke für die Klassenbesten, 1979 Foto: Inge Petridi
    Buchgeschenke für die Klassenbesten, 1979
  • Im Kursraum, 1982 Foto: Inge Petridi
    Im Kursraum, 1982
  • Intensivkurs für Anfänger – für Groß und Klein, 1979 Foto: Inge Petridi
    Intensivkurs für Anfänger – für Groß und Klein, 1979
  • Vor der Villa in der Avenue Tombalbaye, ca. 1979 Foto: Inge Petridi
    Vor der Villa in der Avenue Tombalbaye, ca. 1979
  • Institutsleiter Herr Mühlschlegel, Streichquartett und Inge Petridi vor dem Institutsbus, ca. 1988 Foto: Inge Petridi
    Institutsleiter Herr Mühlschlegel, Streichquartett und Inge Petridi vor dem Institutsbus, ca. 1988
  • Der letzte Kurs vor der Schließung 1991 Foto: Inge Petridi
    Der letzte Kurs vor der Schließung 1991

Zeitweise hattet ihr über 200 Kursteilnehmende. Woher kam das große Interesse an Deutsch?

Ja, vielleicht lag es daran, dass das Institut Ende der siebziger Jahre sehr viele Stipendien vergeben durfte. Die Arbeitsmöglichkeiten vor Ort waren auch schon damals nicht vielversprechend und viele Stipendiaten erhofften sich mit guten Sprachkenntnissen höhere Berufschancen auf dem deutschsprachigen Arbeitsmarkt.
 
Wo war damals das Goethe-Institut untergebracht?
 
Das Goethe-Institut befand sich zum Zeitpunkt meiner Ankunft noch im Boulevard Du 30 Juin. Danach bezog das Institut im Jahr 1979 eine Villa in der Avenue Tombalbaye. Der letzte Umzug fand dann 1981 statt, in die Avenue de L’Equateur / Ecke Avenue De La Paix, wo jetzt das Centre Wallonie Bruxelles untergebracht ist.
 
Was sind deine besten Erinnerungen an diese Zeit?
 
Meine Kursteilnehmer, voller Wissbegierde, motiviert und fleißig, halfen uns Kollegen, die uns gesetzten Ziele zu erreichen. Auch die abwechslungsreichen Kulturveranstaltungen des Instituts gaben mir die Möglichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen. Alle meine Kolleginnen und Kollegen, die dafür sorgten, dass der Institutsbetrieb auch in schwierigen Zeiten nicht aus den Fugen geriet, bleiben mir positiv in Erinnerung. Nicht zu vergessen, alle Institutsleiter, welche es bei jedem Leiterwechsel schafften, neue Ideen umzusetzen. 
Inge Petridi mit Herrn Muanza, dem damaligen Hausmeister, ca. 1984 Inge Petridi mit Herrn Muanza, dem damaligen Hausmeister, ca. 1984 | Foto: Inge Petridi
Wann bist du nach Kinshasa gekommen und warum?
 
Das war im April 1974, zusammen mit meinem Mann. Wir waren fünf Monate nach der Enteignung der Kaffeeplantage „Apodo“ (Isiro, Haut-Uele) neu in der Hauptstadt und beide auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
 
Was hat euch damals in den Kongo geführt?
 
Auf Wunsch eines Onkels meines Mannes sind wir im März 1971nach Kinshasa und ein paar Tage später weiter nach Isiro, Universitäts- und Hauptstadt der Provinz Haut-Uele, geflogen. Eine abenteuerliche Fahrt in einem Landrover brachte uns nach vielen Stunden zur familieneigenen Kaffeeplantage „Apodo“, 156 Kilometer östlich von Isiro gelegen. Nach drei Ertragsjahren unter der Führung meines Mannes wurde die Kaffeeplantage am 30.11.1973 verstaatlicht.
 
Wie kam es dann zum Ende deines Einsatzes?
 
Aufgrund der schwierigen politischen Lage im Lande im damaligen Zaïre wurde uns in einem Schreiben der Deutschen Botschaft Kinshasa nahegelegt, das Land bis auf weiteres zu verlassen. Die Evakuierung über den Zairefluss nach Brazzaville wurde von der Botschaft organisiert und fand Ende September 1991 statt. Das Goethe-Institut Kinshasa stellte somit seine Tätigkeit ein. Die endgültige Schließung und Auflösung des Instituts geschah 1992. Ich bekam die dienstliche Anweisung und freute mich, nach einem Jahr meinen Mann, Freunde und Kollegen wiederzusehen. Bis zur Schlüsselübergabe hatten wir 14 Tage Zeit für die Räumung: Der Buchbestand der Bibliothek und die Einrichtungsgegenstände wurden aussortiert, teils vor Ort verschenkt teils an andere Institute in Afrika versandt. Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Kollegen und meines Mannes hätten wir das alles nicht in so kurzer Zeit geschafft.
 
Wie ging es danach für dich weiter?
 
Am 15.11.1991 setzte ich meine Tätigkeit als Lehrkraft am Goethe-Institut Athen fort, und dort bin ich bis heute. Seit 2011 bin ich im Ruhestand, aber ich arbeite noch ein paar Stunden pro Woche auf Honorarbasis, zum Beispiel mache ich Lehrer- und Lernerberatung in der Bibliothek des Goethe-Instituts Athen und ich schreibe kleinere Beiträge für unsere Website.
 
Was hat dir in Kinshasa oder im Kongo besonders gefallen?
 
Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen im Kongo, insbesondere in der Provinz haben mein Heimweh zu Beginn vertrieben. Anfangs hatte ich Sprachschwierigkeiten, denn in der Provinz sprach man nur die einheimischen Sprachen wie Lingala und Swahili. Auf Lingala konnte ich mich sukzessive im Alltag verständigen. Diese Fremdsprache hat mich bis heute nicht ganz verlassen: Ich liebe Smalltalk auf Lingala!
 
Inge Petridi heute Inge Petridi heute | Foto: privat Inge Petridi, 69, lebte von 1971 bis 1991 in der DR Kongo. Zuerst war sie auf einer Kaffeeplantage in der Provinz Haut-Uele tätig, bevor sie ab 1976 am Goethe-Institut Deutsch unterrichtete.