Gastronomie und Identität Die ivorische Gastronomie im Fokus: Essen heißt feiern

Gastronomie in Côte d'Ivoire
© Ivorian Food

Die ivorische Küche kann viel mehr, als nur den Hunger stillen. Ivorisch zu essen bedeutet, in einer festlichen, herzlichen, geselligen Atmosphäre einen wahren Genussmoment zu erleben. Die Mahlzeiten sind bunt, abwechslungsreich, schmackhaft, würzig, manchmal süß oder scharf und nicht zuletzt sehr nahrhaft. Auch ihren Kennern und langjährigen Liebhabern kann die ivorische Küche immer neue Sinnesfreuden bieten! Die Ivorer essen gern und sind stolz auf ihre so vielfältige kulinarische Kultur.

Geschichte-Exkurs: Von kultureller Vielfalt zu kulinarischem Reichtum!

Die Elfenbeinküste verfügt über eine sehr reiche Kultur. Die großen Besiedlungswellen aus dem Norden (die Senufo und die Malinke), dem Osten (die Akan) und dem Westen (die Kru) sowie die postkolonialen Migrationen haben das heutige ivorische Volk geprägt. Die vielfältige kulturelle Landschaft der Côte d’Ivoire spiegelt sich in ihrer Gastronomie wider und bereichert sie.

In den Gegenden, wo traditionell bestimmte Nutzpflanzen angebaut wurden, werden manche Zutaten auch heute noch stärker konsumiert als anderswo. Die Akan-Völker zum Beispiel feiern am Jahresanfang die Yams. Die Yams ist eine sehr beliebte Wurzelknolle, die mit Tomate, Zwiebel oder auch gebratenem oder gedämpftem Fisch gegessen wird. Im Südwesten, in Grabo, feiert man im Januar das Fest der Reisernte. Im Nordosten, in Yézimala, wird im Juli das Mais-Fest gefeiert.

Jede große ethnische Gruppe des Landes hat wenigstens eine lokale Spezialität, ein regionales Rezept, das im ganzen Land und auf der ganzen Welt Anklang gefunden hat, wie zum Beispiel Attiéké aus Maniok-Grieß. Attiéké wurde sogar zu einem nationalen Symbol: Die Regierung hat dafür am 3. August 2016 bei der Afrikanischen Organisation für geistiges Eigentum eine international geschützte Herkunftsbezeichnung beantragt.
Attiéké Abodjama © Ivorian Food Im Lauf der Zeit, beeinflusst von verschiedenen westafrikanischen Kulturen, haben sich die regionalen Speisen mit neuen Aromen bereichert. In den Familien werden die Grundrezepte abgewandelt, jedoch nicht verfälscht. Sogenannte ivorische Rezepte sind hier und da auch unter anderen Namen und mit einigen Variationen bei der Zubereitung zu finden.

Alloco zum Beispiel ist ein typisches Gericht der Elfenbeinküste. Es verdankt seinen Namen dem Wort loko aus der Sprache des Bété-Volks im Westen der Côte d’Ivoire und besteht aus Kochbananen, einem wichtigen Nahrungsmittel für die Bewohner der Regenwaldzone im Süden des Landes. Dasselbe Gericht, frittierte Kochbanane, heißt in Ghana Kelewele und in Benin Dodo.
Alloco © Ivorian Food

Die Küche der Straße: Street Food ist ein Muss.

Die Buden und mobilen Stände an den Straßen werden immer zahlreicher. Ein einfacher Tisch, ein Hocker, ein Herd und ein paar Zutaten, mehr brauchen die guten Frauen meist nicht.

Sie verkaufen frische Säfte in kleinen, von Hand versiegelten Beuteln für Kinder, gebratenen oder gekochten Mais, gedämpfte Banane, süße oder salzige Krapfen, süßes Brot, Erdnüsse, Kochbananenchips, Karamellbonbons, Joghurt, eben alles, was den Magen erfreut! Diese Frauen findet man am Nachmittag vor Schulen, Universitäten, Baustellen, Verwaltungsgebäuden, einfach überall! Die Zubereitung geht meist schnell, und die Speisen sind preisgünstig und dazu richtig lecker – Naschereien, goodies, die nach einem langen Arbeitstag die Laune heben. Gbofloto (süße Krapfen aus Mehl), Tratra (Krapfen mit Vanillegeschmack), Gnonmi (Krapfen aus Hirse), Boul-boul (Krapfen aus Maniok mit Kokosraspeln), Claclo (würzige Krapfen aus sehr reifen Kochbananen) … das sind nur einige wichtige Namen, die man sich merken sollte.

Die Männer hingegen schmoren Hühner-, Schaf- oder Rindfleisch, genannt Choukouya. Sie verkaufen geschmorten Fisch mit heißen Attiéké-Knödeln oder auch dick belegte Sandwiches, sogenannte pains condiments. In ihren Imbisstuben servieren sie einfache und günstige Gerichte, und zwar Tag und Nacht!

The ivorian way of eating: Die Küche ist allgegenwärtig.

Ja, Tag und Nacht, ganz egal wo, kann man etwas Köstliches zum Essen finden! Die Ivorer essen gern in festlicher Atmosphäre, deshalb sind Maquis weit verbreitet. Maquis sind ganz einfache Restaurants und gleichzeitig Treffpunkte, Orte der Geselligkeit, oft unter freiem Himmel. Dort isst man Gegrilltes oder lokale Gerichte wie das berühmte Kédjénou, ein Ragout aus Hähnchenfleisch mit Gemüse.
Gegrillter Fisch © Ivorian Food Neben Maquis gibt es auch Allocodromes, wo vor allem Alloco verkauft wird, und Garbadromes, die (zu günstigen Preisen) Garba anbieten: Couscous aus Maniok mit gebratenem Thunfisch, frischen Chilis und gewürfelten Zwiebeln und Tomaten. Garba ist typisch für die Elfenbeinküste. Mit diesem Gericht stärken sich die Arbeiter für einen harten Arbeitstag.

Es gibt natürlich auch konventionelle Restaurants, in denen man viele ebenso raffinierte wie reichhaltige Eintopfgerichte findet. Dazu bestellt man eine warme oder kalte Vorspeise und bunte, schmackhafte Salate aus lokalen Saisonfrüchten wie Ananas, Papaya und Mango. Man bekommt aber auch typisch europäische Gerichte. Aus sozio-historischen Gründen der Migration sind in der Côte d’Ivoire zudem vietnamesische Restaurants, die Frühlingsrollen (genannt nems) verkaufen, und libanesische Restaurants, die auf Schawarma spezialisiert sind, weit verbreitet.

Den Ivorern fehlt es nie an Humor. Viele Speisen tragen recht einfallsreiche Namen, die an bekannte Ivorer erinnern. Das Brot „Godio“ (Brot vom Vortag) trägt den Namen eines berühmten Brotverkäufers, der altes Brot verkaufte.

Blissi Tébil ist ein ivorischer Sänger. Der Legende nach befand er sich im Hungerstreik, um für bessere Konditionen und Vergütungen für Künstler zu protestieren, als man ihn dabei erwischte, wie er gebratene Bananen aß. Seither tragen die gebratenen Bananen seinen Namen. So was nennt man Personifizierung der Küche!

Schlusswort:

Die ivorische Küche ist reichhaltig und die gastronomische Kultur stark. Sie wird mit zahlreichen Festivals geehrt, es gibt immer eine besondere Gelegenheit, um Foutou, Placali, Alloco, Yams etc. zu feiern. Die ivorische Gastronomie ist das Ergebnis der kulturellen Vielfalt. Sie wurde durch Einflüsse aus anderen Teilen der Region Westafrika bereichert. Und schließlich ist die ivorische Küche auch ein Exportschlager: ihre Liebhaber verbreiten sie wie Botschafter von Afrika bis nach Europa und Amerika!