Sitten und Bräuche in Deutschland

Zu Besuch im Collège moderne de Cocody
Foto: Goethe-Institut Côte d'ivoire © Clémentine Clavreul

Am 1. Oktober war ich, Clementine, Praktikantin am Goethe-Institut, mit Birgit Madsen, die auf der Durchreise in Abidjan und an diesem Tag Freiwillige für „Louer un/e Allemand/e“ war, zu Besuch im Collège Moderne de Cocody. Da sie kein Französisch spricht, war ich für die Übersetzung zuständig, damit sie sich mit den Schülern und Lehrern austauschen konnte. Nachdem wir mit Herrn Kahnt vom Goethe-Institut den Ablauf des Tages besprochen hatten, trafen wir die Deutschlehrerin Frau Yao am Eingang des Gymnasiums. Die Klasse wird nur von männlichen Schülern besucht, Mädchen gibt es nicht. Sie sind ca. 15 Jahre alt. Birgit begann die Stunde und schrieb an die Tafel. Sie erzählte über sich selbst und ihre Familie und stellte ein paar Fragen, um zu sehen, ob die Schüler aufmerksam zuhören. Danach sprach sie mit den Jugendlichen über Hobbies: Wer mag was? Die Schüler zählten eine Reihe von Sportarten auf: American Football, Basketball, Tischtennis…

Dann wurde Französisch gesprochen und weitere Fragen gestellt: Kann man in Deutschland einen Freund „Mein Bruder“ nennen? Was essen Sie zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen? Was ist der größte Unterschied zwischen Deutschland und der Côte d’Ivoire? Gibt es in Deutschland auch Sitten und Bräuche? Birgit sagte mehrmals, dass sie die Ivorer als offener und freundlicher im Vergleich zu den Deutschen wahrnahm.

Eine Frage meinerseits sorgte für Unbehagen: Ob Birgit die deutsche Nationalhymne singen könne? Sie erklärte mir, dass sie Nationalhymnen ungern sänge, sei es die Hymne Dänemarks, woher sie komme, oder die aus Deutschland, wo sie seit Jahren lebt. Den Schülern sagte ich jedoch, dass Birgit schlichtweg nicht gerne singt… Ich habe das Gefühl, dass man in Europa Schwierigkeiten mit der Idee des „Patriotismus“ hat und dass er anders als hier, eher als negativ betrachtet wird.

Nachdem die Schüler am Ende des Unterrichts „O Tannenbaum“ gesungen hatten, machten wir ein paar Fotos. Bis dahin waren alle ruhig gewesen, plötzlich breitete sich jedoch eine helle Begeisterung aus und jeder wollte auf dem Foto sein!

Nachdem wir den Direktor des Gymnasiums begrüßt und das Krankenzimmer und das Sportgelände besichtigt hatten, mussten wir uns schon wieder auf den Rückweg machen. Der Austausch im Rahmen des Programms „Louer un/e Allemand/e“ war meiner Meinung nach sehr bereichernd und wir haben uns mit schönen Erinnerungen auf den Weg zurück zum Goethe-Institut gemacht.



Clémentine
Clémentine hat von Juli bis Oktober 2015 ein Praktikum im Bereich Information und Bibliothek im Goethe-Institut Côte d’Ivoire absolviert.
 

Top