Udo Maurer | Farbe | 83 Min. | 2007
Über Wasser

Über Wasser
© Lotus-Film

Der Dokumentarfilm Über Wasser des Regisseurs Udo Maurer erzählt in drei Kapiteln von der existentiellen Bedeutung des Elements Wasser für die Menschheitaus in drei unterschiedlichen Teilen unserer Erde. Ein scheinbar banales und selbstverständliches Faktum wird so zu einer spannenden und unmittelbaren Erzählung vom alltäglichen Kampf ums Überleben: Von den Fluten und Überschwemmungen im Mündungsgebiet des Brahmaputra in Bangladesch, über die ehemals florierende Fischerei- und Hafenstadt Aralsk am Aralsee, die heute verloren in der trockenen kasachischen Steppe liegt, bis zum täglichen Kampf aller gegen alle um ein paar Kanister sauberen Wassers in Kibera, dem größten Slum im afrikanischen Nairobi.
Über Wasser ist ein dokumentarisches Lehrstück über ein großes Thema: ein eindringlicher Versuch, die Selbstverständlichkeit und Vertrautheit unseres Alltags mit ein paar Fragen, Ahnungen und Zweifeln zu erschüttern.

An den Peripherien der menschlichen Zivilisation erzählt der Dokumentarfilmer Udo Maurer in „Über Wasser“ Geschichten über den Umgang mit dem „nassen Element“: im überfluteten Bangladesch, wo aus Häusern Boote werden können, in der Steppe Kasachstans, wo Fischerdörfer mitten in der Wüste stehen, und in den dichtbesiedelten Slums von Nairobi, wo Trinkwasser zur Ware und zu einer Frage von Leben und Tod wird.
 
„Über Wasser“ lässt die Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen der betroffenen Menschen ihre Wirkung entfalten. Der Film beginnt in Bangladesch, wo sich das Leben der Bauern im und um das Zuviel an Wasser abspielt, das die Erde erodieren lässt. Hier hat das Wasser eine Art Wassernomaden geschaffen, die sich den Naturgewalten anpassen und in aller Eile das Dach ihres Wellblechhauses in ein Boot umfunktionieren können, um Hab und Gut von ihrem versinkenden Grundstück zu neuen Ufern zu transportieren.
 
Beeindruckende und irritierende Bilder erwarten die Zuseher dann in Kasachstan, wo das Zurückweichen des vormals viertgrößten Binnengewässers der Erde, des Aralsees, eine Stadt – Aralsk – von Fischern ohne Fische und einen monumentalen Schiffsfriedhof in der Wüste hinterlassen hat. Inmitten dieser nahezu surrealen Landschaft begegnet die Kamera einem alten Kapitän, der vom entschwundenen Naturparadies erzählt, und einem Filmvorführer, der den Kontrast zur verwüsteten Stadt in seinem Kino mittels idyllisch jubelnder sowjetischer Propagandafilme herstellt.
 
Warum der Film den Untertitel „Menschen und gelbe Kanister“ trägt, wird im dritten Kapitel klar, wenn Bewohner von Kibera, des größten Slums in Nairobi, das lebensnotwendige Nass in ebendiesen gelben Kanistern nach Hause schleppen. Wasser ist hier zur Ware geworden, und es ist gerade dort am teuersten, wo die Menschen am wenigsten Geld haben. Das vielleicht klarste und beunruhigendste Statement des Films kommt von einem Wasserverkäufer aus Nairobi, der erklärt: „Nicht jeder kann fließendes
Wasser zu Hause haben, denn auch die Finger meiner Hand sind nicht gleich lang...“
 
Udo Maurer dokumentiert in „Über Wasser“ die Probleme, Erlebnisse und Wünsche der Menschen vor Ort. Das gelingt vielleicht auch deshalb so eindringlich, weil der Regisseur den Menschen etwas gegeben hat, was sie von Besuchern aus dem Westen selten erwarten können: viel seiner Zeit. Es erklärt vielleicht auch, warum in allen drei
Episoden gerade auch Frauen ihren Standpunkt einbringen können, ohne einem postkolonialen Blick ausgesetzt zu sein.
 
Während „Über Wasser“ emotionale Nähe zu den ProtagonistInnen, die mit dem und um das Wasser kämpfen, herstellt, wird dem Zuseher und der Zuseherin die Möglichkeit gegeben, sein und ihr Denken grundsätzlich zu reflektieren – und die Frage zu stellen, ob Wasser „Ware“ oder „Menschenrecht“ ist.
 
Udo Maurer wurde 1960 in Bruck/Mur geboren. 1980 begann er sein Studium an der Hochschule für Film & Fernsehen in Wien (Fachrichtung Kamera und Schnitt). 1990 bis 1994 Kameraarbeiten im Bereich Spielfilm, Werbung und Dokumentarfilm in Österreich, den USA und der Türkei. 1998 verantwortlich für die Kamera in Kamerun, Chile und
Italien bei Michael Glawoggers „Frankreich, wir kommen!“. Seit 1994 realisiert er als Regisseur und Kameramann international erfolgreiche TV-Dokumentarfilme, unter anderem für den ORF, Spiegel TV und Discovery-Channel. „Über Wasser“ ist sein
erster Kinodokumentarfilm.


FILMOGRAPHIE

1992 | Maschinenkampf
           Ein Wüstentraum

1993 | Lowrider Randsburg Jagd auf Waljäger

1994 | Alles Walzer Im Reich der Piraten Isle of Man, die TT

1996 | Schnee von Morgen Im Auge des Sturms

1997 | Der weiße Tod Ozon – zwei Männer retten die Welt

1998 | El Niño – the devil´s child
           Beruf: Kopfgeldjäger
           Frankreich wir kommen!!!
(Direction und Camera in Kamerun, Chile und Italien)

1999 | Der Grenzgänger
           Bergbauernwinter

2000  | Der amerikanische Traum

2001 | Glocknersturm

2002 | Österreich heute
           Das Geheimnis von Ardebil

2003 | Richtige Männer

2004 | Operation Menschenliebe

2006 | Über Wasser