Nicolás Molina und Antonio Luco | Farbe | 66 Min. | 2016
Los Castores

Los Castores
© Panchito Films

Derek und Giorgia, ein junges Biologenpaar, ziehen nach Feuerland, um ihre Diplomarbeit zu schreiben. Beladen mit Fallen und einer Videokamera untersuchen sie, wie man eine Biberplage stoppen kann, die das Gebiet verwüstet. Die einsamen Forscher beobachten die Bieber, während sie Kälte und Hunger ausgesetzt sind, und erforschen die Verbindung zwischen Natur und Mensch.

Der Film Los Castores (beaverland) befasst sich mit dem wenig bekannten Umweltkonflikt, durch zwei Wissenschaftler, welche inmitten der atemberaubenden Landschaft Patagoniens nach Lösungen eines speziellen Problems suchen.

MEHR BIBER ALS EINWOHNER

Die Kamera folgt einem Biologenpaar, Derek und Giorgia, die in Feuerland im chilenischen Patagonien ankommen, um eine verheerende Plage kanadischer Biber zu untersuchen, die das Ökosystem der Region zerstört. Ihre Präsenz in der Gegend ist ungewöhnlich und geht auf das Jahr 1946 zurück, als 50 Biberarten auf der Insel eingeführt wurden, um das Pelzgeschäft anzukurbeln. Sieben Jahrzehnte dauerte es, bis schließlich diese Tiere sich soweit vermehrten, dass sie Anzahl 200.000 die Einwohnerzahl übertraf.

Das größte Problem ist, dass die Biber die Geographie von Feuerland verändert haben und heute die Flora und Fauna des Ortes bedrohen. Neben dem Fällen von Bäumen haben ihre Dämme den Lauf der Flüsse verändert, Wälder überschwemmt und die Harmonie anderer Arten bedroht.

„Von Anfang an fanden wir es eine sehr interessante Geschichte. Es handelt sich um eine ökologische Katastrophe, die außerhalb des Gebiets völlig ignoriert wird, und die es uns ermöglicht, das Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu untersuchen. Protagonisten sind Wissenschaftler, aber auch Abenteurer und Jäger, die ihre Arbeit in einem Gebiet mit imposanten Landschaften verrichten. Auch die Biber haben uns aufgefallen: Diese süßen kleinen Tiere, von denen in Chile wenig bekannt ist, stehen im Zentrum einer Umweltkrise“, sagen Molina und Luco.

Der Dokumentarfilm behandelt diesen komplexen und unbekannten Konflikt durch diese beiden Biologen, die Biber lieben, aber ihrerseits nach Lösungen suchen, um ihre zerstörerische Kraft einzudämmen. Auf dem Weg dorthin interagieren sie mit Einheimischen, die die Art hassen.

„Dies ist weder eine Umweltdokumentation im herkömmlichen Sinne noch ein Film über die Natur. Es ist eine Reise durch einen einzigartigen, magischen Ort, der von seltsamen Menschen und von Bibern bewohnt wird“, sagen die Direktoren.

„Es geht in einen ganz besonderen ökologischen Konflikt, in dem es nicht einfach ist, Stellung zu beziehen. Anstatt das Problem anzuprangern, stellen wir uns die Frage, wie wir als Spezies mit dem Ökosystem umgehen: Sind wir Menschen so anders als Biber? Wir bauen beide, passen die Umgebung an die Bedürfnisse unserer Gemeinschaft an und zerstören damit die Umwelt. Wir finden diesen Vergleich attraktiv und lustig. Das Biberproblem hat etwas Lustiges an sich, einen Humor, der sich in der Tragödie verbirgt“, sagen Molina und Luco.
 
DIE ATMOSPHÄRE VON TIERRA DEL FUEGO

Sechs Wochen in der Region Magallanes fanden die Hauptdreharbeiten statt, meist in sehr abgelegenen Gebieten Feuerlands. „Wegen des Regens, des Windes und der langen Spaziergänge war es eine schwierige Erfahrung, ein Abenteuer für das ganze Team, und es hat sich gelohnt. Tierra del Fuego hat eine unglaubliche Atmosphäre, ein Licht, das sich bewegt“, betonen die Direktoren. „Die Aufnahme von Bildern von Bibern war eine weitere Herausforderung. Sie zu beobachten erfordert Geduld und Opfer. Es sind nachtaktive Tiere, die wir nur bei Sonnenauf- oder -untergang aufnehmen konnten. Wir standen sehr früh auf und bestanden immer wieder darauf, sie durch den Bau eines Damms zu fangen“, erinnern sie sich.

NOTWENDIGE FRAGEN ZUR REFLEXION

„Mit diesem Film werden sie unterhalten, und sie werden eine der letzten Ecken des Planeten kennenlernen, wo ein stiller Krieg geführt wird, in dem der Biber der Feind von Ranchern, Parkrangern und Hirten ist. Und wo zwei junge Biologen versuchen, die Biber und ihren unerbittlichen Fortschritt zu verstehen und dabei Rezepte zum Kochen zu üben“, betonen Antonio Luco und Nicolás Molina.

„Hoffentlich wird der Film die Menschen motivieren, sich selbst Fragen zu stellen, die sehr kontingent sind. Nach dem, was in Chiloé geschah, ist dies ein wichtiger Moment, um über zentrale Themen des Films nachzudenken: unser Verhältnis zur Umwelt, zur Ernährung und auch zum Territorium. Magallanes ist weit weg, und leider erscheinen die regionalen Konflikte für die große Mehrheit der Chilenen, die sich im zentralen Tal ansammeln, abstrakt. Aber Feuerland ist ein Chile, das man sehen und auch verstehen muss, dass der Biber es für immer verändert“, betonen sie.
 
Nicolás Molina (1985) und Antonio Luco (1986) schlossen ihr Hochschulstudium 2009 als Regisseure an der katholischen Universität Chile ab. Ihre ersten Kurzfilme waren in vielen Festivals erfolgreich. “Beaverland” ist ihr erste Spielfilm.
 
 


 
• Dieser Film kann als DVD ausgeliehen werden.

• Wir bedanken uns herzlich bei Francisco Hervé für seine Unterstützung.