„Jack“: ein Kind gegen die Welt

Einer der Filme, die das Goethe-Institut Ende August im Rahmen des nächsten Santiago Filmfestivals SANFIC 11 präsentieren wird ist „Jack“ von Edward Berger, der vor wenigen Wochen als Bester Spielfilm Silber beim Deutschen Filmpreis gewonnen hat.
 

Jack © Jens Harant
Schon seit seiner Uraufführung bei der Berlinale 2014 erregt der Film Aufsehen: Er erzählt vom zehnjährigen Jack, der mit seinem kleinen Bruder Manuel in Berlin herumstreift auf der Suche nach ihrer Mutter Sanna, die alleinerziehend ist aber anstatt Verantwortung für die Kinder zu übernehmen, lieber von Party zu Party zieht. Edward Berger erzählte nach der Vorstellung bei der Berlinale, dass ihn die Bekanntschaft eines Jungen in einer ähnlichen Situation dazu inspiriert hatte. Dieser habe eine außerordentliche psychische Widerstandfähigkeit besessen und sei genau wie Jack in Berlin herumgestreift. Berger fügte hinzu, dass solche Kinder leider keine Ausnahme in der deutschen Gesellschaft sind.

Der elfjährige Hauptdarsteller Ivo Pietzcker hatte keinerlei schauspielerische Erfahrung und verblüfft durch seine Leistung. Eines der bleibenden Filmbilder zeigt Jack, wie er nachts durch einen Tunnel geht, seinen kleinen Bruder auf dem Rücken trägt und einen Beutel mit ihren wenigen Habseligkeiten hinter sich her schleift.  In gleicher Weise wird der Film von Ivo Pietzcker getragen, der in jeder Einstellung zu sehen ist; die Kamera filmt auf seiner Augenhöhe und erlaubt uns keinen anderen Blickwinkel. Berger erklärte bei der Pressekonferenz auf der Berlinale, dass er alle Emotionen der Geschichte durch Jacks Gesicht zum Ausdruck bringen wollte. Das ist eine unglaubliche Herausforderung für einen so jungen Schauspieler, aber es ihm vollkommen gelungen. Für den Zuschauer ist es sehr schwierig sich nicht emotional mit diesem Jungen zu verbinden, der in Wahrheit der Mann des Hauses ist, alles für seinen Bruder tut und trotz allem nie den Glauben verliert, am Ende aber der Einzige ist, der der Zukunft realistisch entgegen blickt. Die Erzählung ist intelligent gemacht durch ihre Nüchternheit, sie erlaubt dem Zuschauer sich mit Jack zu identifizieren, nichts ist überflüssig und die Musik wird knapp und genau eingesetzt. Einen Film den man beim SANFIC nicht verpassen sollte und der zu Recht mehrere Preise bekommen hat.