Rainer Werner Fassbinder wäre 70 geworden

Rainer Werner Fassbinder – wichtigster Vertreter des Neuen Deutschen Films und erfolgreichster deutscher Nachkriegsregisseur. Eine Figur und ihr Werk, die heute nicht mehr aus der deutschen Filmkultur wegzudenken sind. Trotz seines frühen Tods im Alter von 37 Jahren, in denen er 44 Filme drehte, hat Fassbinder als Schauspieler, Regisseur, Filmautor, Produzent und Theaterleiter Großes hinterlassen. In diesem Jahr wäre er 70 Jahre alt geworden und somit wurde und wird ihm zu Ehren in den Städten Deutschlands sein Jubiläum gefeiert.
 

Rainer Werner Fassbinder © Rainer Werner Fassbinder Foundation
In München etwa fanden vom 1. Mai bis zum 7. Juni die „Fassbindertage“ statt. Es wurden zahlreiche seiner Filme gezeigt, Vorträge gehalten, besondere Stadtführungen angeboten sowie Theaterinszenierungen und Liederabende realisiert. Und natürlich durfte der neue Dokumentarfilm über Fassbinder von Annekatrin Hendel nicht fehlen.

Im Berliner Martin-Gropius-Haus erinnert das Deutsche Filmmuseum Frankfurt am Main an das enfant terrible der westdeutschen Film- und Theaterszene. Bei der Ausstellung „ Fassbinder – JETZT“ kann man vom 6. Mai bis zum 23. August Aufnahmen seiner Filme und Sets sehen oder auch Werke jüngerer Künstler bewundern, die von Fassbinder inspiriert wurden. Parallel dazu bot das Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen vom 1. bis 17. Mai einen „Focus-Fassbinder“ an, mit einem Symposium, Filmvorführungen sowie Aufführungen nach Fassbinder-Werken an verschiedenen Berliner Theatern.

Neben den genannten Würdigungen zum Siebzigsten, sind zudem zwei neue Bücher erschienen: Zum einen ein Ost-West-Dialog über Fassbinder zwischen Antje Vollmer und Hans-Peter Wenzel, mit dem Titel „Hinter den Bildern der Welt“ und zum anderen ein Bildband mit Werkfotos, zusammengestellt von Juliane Lorenz, seiner ehemaligen Cutterin und Mitarbeitern, die jetzt die Fassbinder Foundation leitet.

Auch wir in Santiago haben Fassbinder zu Ehren Veranstaltungen organisiert. So zeigte etwa die Cinemateca des Goethe-Instituts gemeinsam mit Sala Radicales (Monjitas 580) im Februar 2015 eine Filmreihe mit seinen bedeutendsten Filmen. Im Mai 2015 wurde eine weitere Filmreihe im Centro de Extensión de la Universidad Católica präsentiert. Diese umfasste unter anderem einige Premieren für Chile, wie z.B. „Ali im Paradies“, eine Dokumentation über den Hauptdarsteller von „Angst essen Seelen auf“, der lange Zeit mit Fassbinder liiert war, oder die Verfilmung von Berthold Brechts Theaterstück „Baal“ von Volker Schlöndorff, in dem Fassbinder die Hauptrolle übernahm.

Ende September werden wir im Rahmen des FIDOCS-Festivals den neuen Dokumentarfilm über Fassbinder von Annekatrin Hendel zeigen. Die Filmvorführung wird eine Premiere für Chile sein. In Deutschland lief der Film Ende April 2015 in den Kinos.