Fortbildungsprojekt für junge Theaterregisseur*innen

PDE © PDE 2018

Das Goethe-Institut Chile präsentiert gemeinsam mit der Stiftung Fundación Teatro a Mil ein in Chile einmaliges Fortbildungsprojekt: „Programa de Dirección Escénica“ (kurz PDE). Es richtet sich an junge Theaterregisseur*innen in Chile, Uruguay und Peru, die am Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn stehen. Das Projekt definiert sich als experimenteller Raum für Theaterregie und bietet neben zahlreichen von chilenischen Regisseur*innen geleiteten Workshops und einem mehrwöchigen Aufenthalt in Deutschland vor allen Dingen die Möglichkeit zur begleiteten Entwicklung und Realisierung eines eigenen Bühnenprojekts.
 
Das primäre Ziel des Projekts ist es, neben der Stärkung des Kulturaustauschs zwischen Deutschland, Chile. Peru und Uruguay eine qualitativ hochwertige und kostenlose Fortbildungsmöglichkeit für Theaterabsolvent*innen zu schaffen und somit sechs bis sieben junge Künstler*innen zu unterstützen, die in der Zukunft mit innovativen szenischen Produktionen die lateinamerikanische Theaterszene bereichern werden.
 
Das Fortbildungsprojekt für junge Theaterregisseur*innen wird durch das chilenische Kulturministerium unterstützt und basiert auf der engen Zusammenarbeit mit den Theaterfakultäten der chilenischen Universitäten Universidad Católica, Universidad de Chile und Universidad Finis Terrae.
 

Das Fortbildungsprojekt für junge Theaterregisseur*innen setzt sich aus drei Programmphasen zusammen.
 
Im ersten Abschnitt des insgesamt zwölfmonatigen Projekts absolvieren die sechs/sieben Teilnehmer*innen mehrere Deutschkurse am Goethe-Institut in Santiago de Chile, wobei ein Minimum von drei Sprachkursen als zwingende Bedingung für die Teilnahme am weiteren Programm erfüllt werden muss.

Im zweiten Programmabschnitt verbringt die Gruppe der chilenischen, peruanischen und urugayischen Jungregisseur*innen einen mehrwöchigen Aufenthalt in Deutschland, in dessen Rahmen sie zum einen die aktuellen Tendenzen und Entwicklungen der deutschen Theaterszene und zum anderen die akademische Ausbildung im Bereich Theaterregie in Deutschland kennenlernt. Die Residenz in Deutschland findet traditionell im Juni statt. Neben Besuchen von Festivals wie beispielsweise dem Theater der Welt und Performing Arts Festival in Berlin beinhaltet sie einen intensiven Aufenthalt an der Theaterakademie August Everding in München, wo die chilenischen Jungregisseur*innen aktiv am Unterricht teilnehmen.

PDE Fotos Berlin © Goethe-Institut Chile / FITAM Dritter und letzter Bestandteils des Fortbildungsprojekts ist die konstante Arbeit in Eigenregie an den jeweiligen Bühnenprojekten, wobei die Teilnehmer*innen von namhaften chilenischen Regisseur*innen in Form von zahlreichen Workshops und Monitorings begleitet werden. Nach einer Dauer von zwölf Monaten findet das Fortbildungsprojekt seinen Höhepunkt und gleichzeitigen Abschluss im Theaterfestival Santiago a Mil, in dessen Rahmen die Teilnehmer*innen ihre Projekte in Form von Work-in-Progress Präsentationen dem Publikum vorstellen und parallel an den Veranstaltungen des Lab Escénico teilnehmen.

2017 ging das Fortbildungsprojekt für junge Theaterregisseur*innen in die erste Runde, seit 2019 wurde das Programm ebenso für Bewerber*innen aus Peru und Uruguay geöffnet und startet ab 2020 mittlerweile schon in die vierte Runde.
 

 
PDE_Web © Goethe-Institut Chile
Im Januar startet wieder ein neuer Durchlauf des PDE. Die Bewerbungsphasen laufen schon auf Hochtouren und wir sind gespannt auf die neuen PDEler. Hierzu bald mehr.
 
Die von der Fundación Teatro a Mil und dem Goethe-Institut organisierte Initiative entfernte sich davon, lediglich nationale Künstler*innen mit einzubeziehen, sodass auch Schaffende aus Peru und Uruguay eingeladen wurden. So starteten sechs Ausgewählte aus Chile, Peru und Uruguay als die dritte Generation von „PDElern“.
 
Nach Ende der Bewerbungsphase im Dezember 2018 wurden also sechs Teilnehmende für das PDE ausgewählt: zwei Chilenen, zwei Uruguayer*innen und zwei Peruanerinnen, welche ihren Aufenthalt in München antraten und an diversen Workshops mit bedeutsamen Persönlichkeiten der Theaterwelt teilnehmen konnten.
 
Im Januar 2019 nahmen die jungen Künstler*innen im Rahmen des internationalen Festivals Santiago a Mil an den Aktivitäten von Lab Escénico und Platea 19 teil. Parallel dazu bietet das Goethe-Institut den „PDElern“ Deutschkurse, damit sie ihren Aufenthalt in Deutschland bestmöglich wahrnehmen und nutzen können.


FLORENCIA CABALLERO

Florecia Caballero © Goethe-Institut Chile Florencia Caballero ist Regisseurin, Dramaturgin und Schauspielerin aus Uruguay.
„Mir ist es sehr wichtig, Rahmen zu schaffen, welche auch mit der Ausbildung im Zusammenhang von Projekten zu tun haben. In Uruguay gibt es keine auf die Regie spezialisierten Kurse. Im kommenden Jahr wird endlich ein Kurs auf Universitätsniveau eröffnet. Jede Möglichkeit, die es in diesem Bereich gibt, leistet einen Beitrag. Das ist mir schon mal mit einem anderen Projekt passiert, welches auch durch eine Fortbildung entstand und sich schließlich in ein professionelles Stück gewandelt hat. Was ich mir vom PDE erhoffe, ist, einen Raum zu haben, um Ideen auszutauschen.
Ich möchte an einem Projekt arbeiten, welches sich „Verano“ („Sommer“) nennt. Das Stück behandelt die Art und Weise, wie wir uns innerhalb von Peergroups, zwischen Freunden und Paaren verknüpfen und wie diese Verbindungen sich in die sozialen Netze unseres Lebens einflechten. Diese sind eigentlich immer dem System untergeordnet. Wir denken zwar, unsere Verbindungen seien autonom, aber das sind sie nicht. Sie agieren immer, um diese zutiefst ungerechten und ungleichen sozialen Strukturen, in denen wir leben, zu stärken, und treten dabei als vollkommen naturalisierte Mechanismen auf.“


FEDERICO PUIG

Federico Puig © Goethe-Institut Chile Federico Puig ist ein uruguayischer Schauspieler, der kurz nachdem er in das Schauspiel einstieg, merkte, dass sein Interesse mehr bei der Regie liegt, sodass er eine Ausbildung in der Regie und in der Dramaturgie begann. Zudem ist er Kognitionspsychologe und arbeitet in einem Forschungslabor.„Ich denke, vor allem der Austausch mit Kolleg*innen ist etwas sehr positives am PDE; das Denken aus anderen Perspektiven, also von Menschen, die ihren Beruf in anderen Städten und in anderen Realitäten ausüben. Dieser Austausch von Erfahrungen kommt der Entwicklung meiner Ideen zugute. Außerdem denke ich, dass dieses Projekt einen schönen Rahmen schafft, um mich mehr zu vertiefen und weiterzuarbeiten.
Mein Projekt trägt bisher noch einen vorläufigen Titel. Ich weiß noch nicht, ob es „Nosotros los buenos“ („Wir, die Guten“) oder „Nosotros lo bueno“ („Wir, das Gute“) heißen wird. Im Wesentlichen möchte ich mit mikropolitischen Diskursen arbeiten, um zu analysieren, oder von ihnen ausgehend zu verstehen, warum die Gesellschaft zweigeteilt ist: da sind wir, die wir uns als die Guten, die Gebildeten, die mit Zugang zu guten Dienstleistungen betrachten, und die Anderen, welche wir eigentlich gar nicht kennen, denen wir aber einen Großteil der gesellschaftlichen Probleme zuschreiben.“  


NICOLÁS LANGE

Nicolás Lange © Goethe-Institut Chile Nicolás Lange studierte Theaterwissenschaften an de Universidad de Chile, begann danach aber, sich mehr der Forschung, der Performanz und der Poesie zu widmen. Eines seiner letzten Projekte, „Yo salvo la muerte“ („Ich rette den Tod“), gewann 2018 den Gabriela Mistral-Preis.
„Die Möglichkeit der Teilnahme an diesem Projekt ist super, weil sie mir den besten Impuls bietet, mein poetisches Stück in ein Theaterstück zu übersetzen. Ich weiß, dass mir das viel bringen wird und das ist, was ich anstrebe. Außerdem ist es immer gut, eine Einrichtung zu haben, die dir den Eintritt zu einem Medium verschafft, mit dem du sowohl die Möglichkeit zum Reisen sowie lateinamerikanische Kolleg*innen bekommst, weil ich denke, dass das Projekt schon viel über Lateinamerika spricht und über die lateinamerikanische Feminisierung, welche mich interessiert.
Mein Projekt handelt von den Frauen mit AIDS in den wichtigen Städten Chiles, so wie Antofagasta, Puerto Montt, Santiago und Valparaíso. Das sind Städte, die als „Anker“ für dieses Projekt fungieren. Das Projekt arbeitet mit dem Text „Yo salvo la muerte“ („Ich rette den Tod“), welchen ich 2017 geschrieben habe. Er wird ans Theater angepasst werden und vereint Theater, Poesie und Performance dieser Frauen.
Ich hoffe, dass das Projekt wie eine Bombe funktioniert. Es muss eine Bombe in der Stadt sein. Ich habe davon gesprochen: dass es dieses Jahr kein Theaterstück gibt wie jener Projektor mit dem Satz von Raúl Zurita und dem Gesicht von Catrillanca. Das ist eine Bombe. Das Projekt appelliert also an diese Art von Praktiken, welche etwas innerhalb der Stadt mobilisieren können und ich möchte nicht, dass es wie ein Theaterstück wird, dass eingesperrt und nur für ein bestimmtes Publikum spezialisiert ist. Es soll durch dieses feminine Zeugnis eine Auswirkung auf die Bevölkerung oder die Straße haben.“


CLAUDIA TANGOA

Claudia Tangoa © Goethe-Institut Chile Claudia Tangoa ist eine peruanische Regisseurin und Dramaturgin, die sich in letzter Zeit dazu entschied, die Grenzen von Realität und Fiktion zu erforschen.
„Ich schätze mich sehr glücklich, hier zu sein; es interessiert mich, Menschen aus meiner Generation kennenzulernen, die auf anderen Sprachen arbeiten. Ich hoffe, einen gemeinsamen Prozess zu erleben, bei dem wir uns gegenseitig Feedback geben können.
Die Möglichkeit, neue Lehrende sowie neue Erlebnisse zu haben und diese Art von internationalen Festivals kennenzulernen, die Firmen aus der ganzen Welt beherbergen, das wird mir sehr viel bringen. Das ist super, weil es sehr schwierig ist, auf dem neusten Stand zu bleiben, in dem Sinne, das Neueste, an dem gearbeitet wird, konsumieren zu können, weil man zum Ort des Geschehens müsste, von hier kann man im Internet schauen, aber das ist nicht das gleiche. Also die Möglichkeit zu haben, hier zu sein, der Aufenthalt in Deutschland, das wird meinen mentalen Horizont aus den darstellenden Künsten erweitern.
Ich werde jetzt an einem Thema arbeiten, welches mit der Repression von nicht heteronormativen sexuellen Räumen zu tun hat. Der Prozess wird eine komplette Inszenierung umfassen, sowohl den Text als auch das, was auf der Bühne passiert.“


MIRELLA QUISPE

Mirella Quispe © Goethe-Institut Chile Mirella Quispe ist eine peruanische Künstlerin, ausgebildet in Literatur und Schauspiel. Produktion, Dramaturgie und Regie als etwas Vereintes hat sie vor allem in der Arbeit an unabhängigen Theaterprojekten kennengelernt.
„Ganz viele Erwartungen habe ich an das PDE Projekt, weil in Peru gibt es keine “Schule” für Regie, wir lernen durchs Machen, aber wir haben kein Modell. Viel kommt an, aber nur bei Festivals und davon gibt es nicht viele. Das Festival hier öffnete mir die Türen zu neuen Angeboten, neuen Darstellungen und Inszenierungen mit mehr Risiko als ich in meinem Land sehen kann. Es ist ein ganz neuer Blick und es ist das erste Mal, dass ich zu einem Festival außerhalb fahre, was auch ein Mehrwert ist, denn außerhalb der Inszenierung oder der Dinge, die ich auf der Bühne sehe, ist es die Kultur, die mich auf andere Weise lesen lässt, was die Künstler*innen mir auf der Bühne zeigen.            
Und natürlich von Menschen mit viel mehr Erfahrung zu lernen, aus Ländern, wo das Theater einen ganz anderen Entwicklungsstand hat, so wie in Santiago. Ich versuche, so viel wie möglich durch diese Erfahrung zu lernen. Ich kam her mit der Einstellung eines Schwammes. Das PDE wird meine Schule sein.


CARLOS SOTO MOLINA

Carlos Soto Molina © Goethe-Institut Chile Carlos Soto Molina ist in Schauspiel ausgebildet und studierte einige Jahre lang Philosophie. Er ist in der Regie, Dramaturgie und am Lehrkörper in der Region Biobío tätig.
„Ich bin sehr glücklich, ausgewählt worden zu sein. Ich glaube, dass diese Art von Ausbildung super ist; sie erlaubt uns, durch das Beobachten zu verstehen, was die westliche Kultur uns gegeben und genommen hat. Die sprachliche Ausbildung ist auch bereichernd, weil es eben super wichtig ist, die Sprache zu lernen, aber genauso wichtig ist auch die Arbeit mit den Künstler*innen, sie zu beobachten, ihre Körper zu sehen, zu sehen, wie sie leben. Durch den Prozess wird ein Verständnis von Disziplin, unseren Identitäten, und Menschen, die von anderen Orten und Realitäten ausgehend den gleichen Beruf ausüben, erlangt.
Um mein Projekt zu entwickeln, möchte ich zunächst viel forschen und Zweifel ausräumen, die nicht nur dieses Projekt umkreisten, sondern auch eine Forschung, an der ich mit meiner Theatergruppe „La Facha Pobre“ arbeite, über die Identität in Aussagen. Es ist ein auf Aussagen basierendes Projekt, welches politische Ziele hat, die sind aber sehr stark mit den Menschen verbunden. Es geht darum, Aussagen von Menschen aus den Regionen zu bekommen, um zu zeigen, wie das Patriarchat in den Körpern verankert ist. Gerade in diesem historischen Moment, den wir in unserem Land erleben, wo die Frauen im Feminismus jenen Diskurs erkennen, der dem Patriarchat und dem Kapitalismus komplett entgegensteht.
Aber es soll auch angegangen werden, wie ein das Überdenken dessen erreicht werden kann, welchen Raum das Theater hat, um eine Stimme Lateinamerikas zu schaffen. Dabei muss bedacht werden, dass ein großer Teil der Theatergeschichte seinen Ursprung im Patriarchat, im westlichen Denken und in der Kolonisierung hat.“
Ich nehme am PDE mit einem Projekt teil, welches ich vor 1 ½ oder 2 Jahren geschrieben habe und jetzt fertigstellte. Es heißt “Paraíso” (“Paradies”) und befasst sich mit der Geschlechtergewalt aufgrund des physischen Auftretens von Personen. Dabei wird auch das Thema psychologische Gewalt mit eingeschlossen. Ich versuche, mich dieser Phase zu nähern, bevor ich mich dem Thema Gewalt zuwende, das eher physisch und stark ist. Heutzutage gibt es in Peru eine Art nationale Aktivität, weil wir 10 Tage im Jahr nahmen und 5 Frauen bereits ermordet wurden, sodass diese Arbeit aus meiner Sicht ein wenig ein „Notfalltheater“ ist.“
 

Constanza G. Blanco Jessen

Constanza Blanco © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad de Chile mit zusätzlichen Masterabschlüssen in Theaterwissenschaften und Drehbuch der Universidad Autónoma de Barcelona und der Escola de Cinema de Barcelona. Sie widmet sich vor allem der Schauspielerei und ihrer Arbeit als Drehbuchautorin für audiovisuelle Projekte. Aktuell ist Constanza Doktorandin der Theaterwissenschaften an der Universidad Autónoma de Barcelona und arbeitet als Regisseurin an dem Stück Ars Dramática.


 

Daniela Castillo Toro

Daniela Castillo © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad de Chile. Sie arbeitet als Dozentin für Theater, Schauspielerin und Regisseurin. Als Schauspielerin spielte sie bereits unter der Regie von Cristián Plana und Omar Morán, zudem entwickelte sie verschiedene szenische Forschungsarbeiten in Chile und im Ausland. Das Stück Youtube: una historia de la humanidad war ihre erste professionelle Regiearbeit, die im Rahmen verschiedener Festivals gezeigt wurde. Aktuell arbeitet sie als Regisseurin mit Homo documentalis an ihrem zweiten eigenen Stück.

 

Isabel Fonseca Alomar

Isabel Fonseca © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad Mayor, die sich in ihrer kreativen Arbeit vor allem dem Schreiben von Theaterstücken und der Regiearbeit widmet. Ihre künstlerische Suche fokussiert sich auf die Entwicklung von Inszenierungen, die von einem bestimmten Raum in der Realität ausgehen, wie sich ihren bisherigen site-specific Arbeiten México und EAO: OCUPACIÓN zeigt. Auch ihr aktuelles Regieprojekt, Territorios de poder, ist ein site-specific.



 

Nelson Valenzuela

Nelson Valenzuela © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolvent der Universidad Mayor, der in seiner künstlerischen Arbeit Themen rund um die Pop-Welt, die modernen Kommunikationsmedien und den Einfluss des Kapitalismus, wie auch die Menschen, die diese Szenarien bewohnen, aufgreift. Um ebendiese Themen auf die Bühne zu bringen, entwickelt er mittels kollektiver Schreibprozesse mit den Schauspielern seiner Theatergruppe neue Theaterstücke, wie zum Beispiel sein aktuelles Regieprojekt Casting K. Perry.

 


Mariana Hausdorf Andrade

Mariana Hausdorf © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad Católica mit zusätzlichem Masterabschluss in Lateinamerikastudien und aktuell Dozentin für Geschichte. In den letzten Jahren widmete sie sich verstärkt der szenischen Forschung im Rahmen von Projekten, die sich mit Geschichte, Geschichtsschreibung und Theaterarchiven auseinandersetzen. Ebenso war sie als Schauspielerin, Regieassistentin und Co-Regisseurin an zahlreichen Theaterstücken beteiligt. Ihre aktuelle eigene Regiearbeit trägt den Titel Las impostoras.

 

Valentina Parada Gallo

Valentina Parada © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad Católica. Seit 2015 gibt sie als Teil des Teatro Aplicado verschiedene Theaterkurse in den Randbezirken Santiagos. Seit 2014 engagiert sie sich in einer Vielzahl von Projekten als Schauspielerin und betreibt parallel hierzu szenische Forschung. Aktuell entwickelt sie als Regisseurin mit ihrem Künstlerkollektiv das Stück MILEVA: pregunta colectiva acerca de la trascendencia a partir del reconocimiento social de los cuerpos.
 

Ignacia González

Ignacia González © Schauspielabsolventin der Universidad Católica. Im Jahr 2014 gründete Ignacia die Theatergruppe Teatro Persona, mit der sie sich der Entwicklung szenischer Projekte widmet, die den Grenzbereich der auditiven und visuellen Wahrnehmung des*der Zuschauers*in fokussieren. 2015 führte sie die Regie von La Fábrica de Vidrio, einem site-specific in einer ehemaligen Glas- und Keramikfabrik in Santiago. 2016 war sie Co-Regisseurin des Stücks Telepatía, la nostalgia del cuerpo, das im Teatro del Puente in Santiago gezeigt wurde. Als Schauspielerin arbeitete sie unter anderem bereits mit Manuela Infante im Stück Una Odisea, mit TEATROPAN im Stück Romeo y Julieta und mit Compagnie Off in Les Girafes y Les Roues de Coleurs. Seit Abschluss ihres Studiums engagiert sie sich ebenso als Dozentin an den Theaterfakultäten der Universidad Católica und Universidad de Chile.
Ihr Stück Percebir en la oscuridad hat es zum Ziel, die Zuschauer*innen zu einer neuartigen Begegnung mit der Dunkelheit zu führen. In Anbetracht der offensichtlichen Dominanz des Sehsinns in der Entwicklung unserer moralischen, ästhetischen, politischen und ökonomischen Kategorien, scheint es, als hätte sich die Welt dem Mandat der Bilder unterworfen. Aber bedeutet sehen auch automatisch kennen? Wären wir bereit dazu, auf Licht zu verzichten? Falls eines Tages alle Lichter der Stadt erlöschen, welche Effekte hätte das auf uns Menschen? In diesem Projekt wird die Bühne versteckt, um uns daran zu erinnern, dass unsere Normalität außer Kontrolle geraten kann. Die Inszenierung greift auf die Erlebnisse einer blinden Person zurück und der „blinde Blick“ wird zum Leitfaden einer anderen Art des Wahrnehmens und des Denkens. Eine multidisziplinäre und hybride Inszenierung als Provokation unserer antrainierten Wahrnehmung der Welt.

 

Sebastián Squella

Sebastian Squella © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolvent der Universidad ARCIS. Als Theaterpädagoge und Leiter der Theatergruppe Fénix e Ilusiones engagiert sich Sebastián Squella seit vielen Jahren im Bereich Gefängnistheater und unterrichtet im Bereich Schauspiel und Regie an der alternativen Theaterschule Escuela Latinoamericana de Teatro Popular (ELATEP). Bisher realisierte Sebastián Squella als Regisseur fünf professionelle Inszenierungen. Im August 2016 erhielt im Rahmen des XV Festival de Directores Emergentes den Eugenio–Guzmán-Preis für die beste Regiearbeit für das Stück Pinochet. La obra censurada en dictadura. Seine künstlerischen Arbeiten gemeinsam mit der Theatergruppe Teatro Perro Muerto beschäftigen sich primär mit der politischen Dimension des Theaters, wobei die aktuellen sozialen Phänomene als zentrale Säule des Theaters verstanden werden.
Sein PDE Projekt Representar ist ein sehr dynamisches Stück voller Humor, das versucht, die verschiedenen Sichtweisen und Meinungen des aktuellen jungen Chiles darzustellen. Es handelt von der Krise der Demokratie und stellt das System der politischen Repräsentation in Frage. Gibt es womöglich eine Verbindung zwischen den leeren Wahlurnen und den leeren Theatersälen – wer repräsentiert hier wen? Inwiefern ist das Theater von der Krise der Demokratie betroffen, sofern es als repräsentative Kunst verstanden wird?

 

Ébana Garín

Ébana Garín © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad de Chile. Ébana engagiert sich in zahlreichen künstlerischen Projekten verschiedener Art als Schauspielerin/ Performerin, Theaterregisseurin, Trapezkünstlerin, Tänzerin und audiovisuelle Künstlerin sowohl in Chile als auch im Ausland. Sie arbeitete im Rahmen diverser Inszenierungsprojekte bereits mit einer Vielzahl chilenischer Theatergruppen wie Compañía De Paso, Teatro del Silencio, Caracolito, Teatro La King Kong, Acción Residente, La Laura Palmer und Cuerpo Indisciplinado. Ebenso konzipierte sie Dokumentationen für die Sendung Cámara en Mano und arbeitete als Regieassistentin für den Film En la gama de los grises und die Fernsehserie Happy Together. 2012 gründete sie gemeinsam mit Camila Karl die Theatergruppe Cuerpo Indisciplinado, mit der sie verschiedene Projekte entwickelte, die sich im Grenzbereich von Theater, Bildender Kunst, Film und Performance bewegen. Für das Stück La Fábrica verbrachte Ébana Garín mit der Gruppe Cuerpo Indisciplinado eine Residency am Watermill Center in New York und wurde hierfür durch das chilenische Kulturministerium und die Stiftung Fundación Teatro a Mil unterstützt.
Ihr PDE Projekt Los Diez ist ein interdisziplinäres Stück, das sich in den Grenzbereichen zwischen Musik, Theater und Performance bewegt. Als site-specific wird Los Diez im real existierenden Ort La Casa de los Diez realisiert, ein in Santiago einzigartiges Haus, das Ende der Kolonialzeit erbaut und 1924 zum Schaffungsraum der sogenannten Gruppe Los Diez ernannt wurde. Seit 1997 steht das Haus unter Denkmalschutz. An diesem Ort konzipierte und realisierte die erste Gruppe der chilenischen Avantgarde ihre künstlerischen Projekte und träumte den Traum einer gerechteren chilenischen Politik und Gesellschaft sowie einer besseren Bildung. Viele Jahre später erhielten fünf der zehn Gruppenmitglieder den Premio Nacional de Arte, die bedeutendste Auszeichnung Chiles im Kunstbereich.
Ein Jahrhundert später betritt nun eine neue Gruppe von Künstler*innen dieses historische Haus und stellt sich die Frage: Warum verschwanden die Los Diez und was ist der Grund, dass letztlich jede ästhetische oder ideologische Revolution in der Verbürgerlichung sogenannter Ideale endet? Das Stück basiert auf der Geschichte, den Träumen und Werken der Gruppe Los Diez, um sich auf diese Weise selbst in Frage zu stellen.

 

Sergio Gilabert

Sergio Gilabert © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolvent der Universidad de Chile mit zusätzlichem Graduate Diploma in Street Arts Creation der Universidad de Lleida in Spanien.
Während seines Studiums war Sergio als Schauspieler Teil verschiedener Theatergruppen, besonders hervorzuheben sind hierbei sein Engagement am Teatro Nacional Chileno und Teatro del Sonido von Martín Erazo und Cristóbal Carvajal. Gemeinsam mit Millaray Lobos García arbeitete er an dem Theaterprojekt Academia Nómade, in dessen Rahmen eine Residenz am Théâtre National de Bretagne in Rennes, Frankreich realisiert wurde. Als Regisseur hat Sergio zwei Inszenierungen mit der Gruppe LaRenton Familea konzipiert: “Die Stärkste“ von August Strindberg und “Das internationale Jahr gegen das Vergessen“– ein kollektives Kunstprojekt, das als Teil des Protest-Marathons „1800 Stunden für die Bildung“ im Rahmen der massiven studentischen Protestbewegung in Chile im Jahr 2011 entstand. Aktuell fokussiert sich Sergios Regiearbeit primär auf die Bereiche öffentlicher Raum und Hörspiel.
Mit seinem PDE Projekt Paparazzi präsentiert Sergio eine Straßeninszenierung, die den*die Zuschauer*in dazu einlädt, dem Schicksal Amadeo Fortunas zu folgen, ein junger Reisender, der an seinen Heimatort zurückkehrt und dort einer gewaltvollen und entmenschlichten Realität gegenübergestellt wird. Die Stadt hat sich verändert, die Farben sind nicht mehr so, wie sie einmal waren und die Straßen scheinen voller Polizist*innen und Verbrecher*innen zu sein, die mit ihren Waffen Angst und Schrecken verbreiten. Das Publikum wird Zeuge und Komplize der Abenteuer, auf die sich Amadeo Fortuna einlassen muss, um sich letztlich vor allen Dingen seiner eigenen Geschichte zu vergewissern. Der*die Zuschauer*in wird im Rahmen dieser Inszenierung selbst zum*zur Performer*in. Ausgestattet mit Kopfhörern, verfolgt er*sie die Live-Übertragung einer Radiosendung, die ihn*sie zu den dunklen Geheimnissen der Stadt und vielleicht letztlich auch zum Glück Amadeos führen wird.

 

Samantha Manzur

Samantha Manzur © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolventin der Universidad Católica mit zusätzlichem Master of Arts in Performance Practice and Research der University of London. Samantha Manzur war als Schauspielerin bereits an einer Vielzahl von Inszenierungen beteiligt, unter anderem Sindicato, Skylight, La Soga und dem Nationalen Dramaturgie-Festival. Ebenso war sie Mitglied der Theatergruppen ANTIMÉTODO und Limitada. Parellel hierzu engagiert sie sich als Dozentin an der Universidad Católica. Ihre szenischen Projekte bewegen sich im Bereich der Theater-Performance, wobei sie sich insbesondere auf die Performativität des Archivs und der Dokumentation sowie deren Auswirkungen auf die Schauspielkunst konzentriert. Samantha Manzur war 2014 Teil des Internationalen Kongresses IFTR (International Federation for Theatre Research) der University of Warwick in England und 2015 der University of Hyderabad in Indien.
Samanthas Stück Cuerpo Pretérito setzt sich mit einem der größten Klassiker des chilenischen Theaters, La Negra Ester, auseinander, indem das Stück originales Video- und Fotografiematerial sowie Berichte der ehemaligen Schauspieler*innen des Theaterstücks verwendet. Das Ziel ist es hierbei, eine Inszenierung zu schaffen, die als museale Erfahrung konzipiert ist, wofür die originalen Schauspieler*innen des Stücks La Negra Ester in digitaler Form in einen Dialog mit den aktuellen Schauspieler*innen gebracht werden. Der soziopolitische Kontext des Original-Stücks ist der chilenische Bürgerkrieg und der Beginn der Demokratie. Auf karnevaleske Art und Weise wird mit chilenischen Archetypen gespielt. Cuerpo Pretérito versucht, die eigentliche Handlung des Schauspiels in einen musealen Raum zu führen, so dass es dem*der Zuschauer*in ermöglicht wird, die Kunst des Theaters auf eine neue Art und Weise zu erleben.

 

Ignacio Tolorza

Ignacio Tolorza © Goethe-Institut Chile Schauspielabsolvent der Universidad Finis Terrae. Ignacio Tolorza war als Schauspieler bereits Teil einer Vielzahl von Inszenierungen, unter anderem bei Nacional unter der Regie von Raúl Osorio und Patronato 999 mts. unter der Regie von Antônio Araújo für das Teatro da Vertigem und arbeitete gemeinsam mit Trinidad Piriz an Ithaca. Er ist verantwortlich für die künstlerische Leitung des Colectivo Teatral Momentos (CTM), mit welchem er bereits zwei Inszenierungen realisierte: SÉ-NAME und Desdémona. Ebenso arbeitete er als Schauspieler in El Purgatorio des CTMs und in El Gaurén des Teatro Serendipia und ist Teil des Projekts Hogar von Karen Bauer und Teatro Serendipia.
Sein Projekt La silla widmet sich den Fragen: Wie verstehen wir das Konzept des „Objekts“ in unserem Alltag? Können ein Baum, ein Stuhl und ein Körper als „Objekt“ betrachtet werden? Ist der Mensch ein „Objekt“ des Universums? Wie machen wir die gegenseitig abhängige Beziehung zwischen Mensch und Stuhl verständlich? Das Stück La silla ist eine inszenierte Betrachtung des „Objektes“ und seiner konzeptuellen Grundprinzipien. Es präsentiert sich als in Szene gesetzter Vorwand, der es uns erlaubt, die Problematisierung zeitgenössischer politisch-philosophischer Fragestellungen aufzunehmen: „Außerhalb des Kopfes existiert nichts Soziales“, erklärt Ferraris, und zeigt die Unvereinbarkeiten zwischen dem Mensch und seiner natürlichen, sozialen und technischen Umwelt auf. La Silla präsentiert sich als eine in verschiedene Szenen gegliederte Darstellung, welche den*die Zuschauer*in in die Inszenierung miteinbindet und ihn*sie zu einer Findung der Realität anregt mittels der Errichtung oder Vernichtung verschiedener gegenwärtiger Dichotomien: Körper-Geist, Subjekt-Objekt, natürlich-künstlich und Individuum-Gesellschaft.
 

RÜCKBLICK ZUM DEUTSCHLANDAUFENTHALT

5 © Goethe-Institut Chile Die Generationen des Fortbildungsprojekts für junge Theaterregisseur*innen berichten über die Erfahrungen und Reflexionen der Residenzen, die in Deutschland stattgefunden haben.