Leipzig im Herbst

Sprache Deutsch
Untertitel Englisch, Koreanisch
Genre Dokumentarfilm
Land DDR
Jahr 1989
Regie Andreas Voigt, Gerd Kroske
Produktion DEFA-Studio für Dokumentarfilme
Länge 53 Minuten
FSK Film 0 Jahre
FSK Trailer 0 Jahre

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Eine ganz andere Dimension als die Atomproteste in Westdeutschland hatten 1989 die Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten der DDR. Schon vor der großen Feier zum 40-jährigen Staatsjubiläum hatte es Proteste der Bevölkerung gegeben. Zum einen protestierten sie gegen Manipulationen bei den Kommunalwahlen im Mai 1989, zum anderen forderten sie Reise- und Versammlungsfreiheit. Am 4. September 1989 fand die erste „Montagsdemo“ in Leipzig statt. Von zunächst 1.200 Teilnehmenden wuchs die Zahl bis November auf rund 200.000.

Der Dokumentarfilm LEIPZIG IM HERBST von Andreas Voigt und Gerd Kroske wurde vom 16. Oktober 1989 bis zum 7. November 1989 gedreht. Er zeigt die Massendemonstrationen und interviewt die Teilnehmer*innen. Deutlich wird ihre große Unzufriedenheit mit den Zuständen in der DDR. Sie fordern Veränderungen. Kontrastiert werden ihre Aussagen mit Interviews mit Volkspolizisten und Staatsfunktionären. Es gab einige Filme zu dieser Phase des gesellschaftlichen Umbruchs und der folgenden Auflösung der DDR als Staat. Aber dieser Film ist in alter DEFA-Tradition mit professionellem 35-mm-Material in Schwarz-Weiß gedreht. Dafür mussten abends zahlreiche Schweinwerfer aufgebaut werden. Trotzdem geben die Menschen sehr ehrliche Antworten und lassen sich durch die Drehsituation nicht beeinflussen. Die Bilder des Kameramanns Sebastian Richter dokumentieren diese historische Situation kurz vor der Maueröffnung und der deutschen Wiedervereinigung und machen den Film zu einem wichtigen Zeitdokument.

Zugleich wird deutlich, dass die Sicherheitskräfte durchaus zu einer blutigen Niederschlagung der Proteste bereit gewesen wären, selbst wenn einige von ihnen mit den Forderungen der Demonstrierenden sympathisierten. Doch der entsprechende Einsatzbefehl blieb aus. „Es war eine wahnsinnig spannende Zeit für Dokumentarfilme, weil sich unser Leben und das Land quasi über Nacht verändert hatten“, sagte Andreas Voigt 2015 bei DOK Leipzig, wo LEIPZIG IM HERBST Ende November 1989 das Festival eröffnete. In „Letztes Jahr Titanic“ (1991) dokumentierten Andreas Voigt und sein Kameramann Sebastian Richter das folgende Jahr in Leipzig. „Glaube, Liebe, Hoffnung“ (1994) begleitete Leipziger Jugendliche aus dem rechten und linken Milieu. Einige seiner damaligen Protagonisten besuchen die beiden 2015 für das Filmprojekt „Alles andere zeigt die Zeit“. So ist eine richtige Leipzig-Chronik entstanden.



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