Bildende Kunst im öffentlichen Raum Kulturelle Identität oder einfach nur Dekoration?

Im öffentlichen Raum von Ouagadougou stehen einige Denkmäler, von denen die meisten Auftragsarbeiten der öffentlichen Verwaltung und von privaten Unternehmen sind. Einige davon gehen auf die Initiative gewisser Künstler zurück, vor allem die Graffitis. Haben diese Werke eine Verbindung zur Geschichte oder sind sie ganz einfach ein Versuch der Stadtverschönerung?

Wie man am Beispiel des antiken Ägyptens oder Griechenlands erkennen kann, ist das Konzept von bildender Kunst im öffentlichen Raum schon sehr alt. Daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert. Auch in Burkina Faso haben Arbeiten von Künstlern längst ihren Platz im öffentlichen Raum gefunden. Vom Staat oder von privaten Investoren erworbene Werke gehören seit längerer Zeit zum Erscheinungsbild der Städte.
Gerade die Zeit während der Revolution im August 1987 war für die Umsetzung dieses Konzepts sehr günstig. Es entstanden vor allem mehrere Denkmäler, wie zum Beispiel das Monument zu Ehren afrikanischer Filmemacher; die „Schlacht der Schienen“ bzw. „Kon menem-moogho“, der Platz „Naaba Koom“; auch genannt das Denkmal der Gastfreundschaft und des Willkommens, der Square Princesse Yennenga usw.

Wiederkehrende Themen dieser aus Bronze, Beton oder Eisen hergestellten Werke sind Solidarität, Vergebung, Freundschaft, Politik oder auch historische Ereignisse. Mit ihnen soll außerdem das Andenken an herausragende Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart in Ehren gehalten werden. Gemeinsam ist allen diesen Arbeiten, dass sie sich mit dem Thema Identität beschäftigen. Doch obwohl sie oft von den besonderen Auflagen ihrer Auftraggeber beeinflusst sind, zeugen sie zugleich auch von künstlerischer Kreativität.

„Die Kunst im öffentlichen Raum“, so der Direktor der Abteilung für bildende und angewandte Kunst von Burkina Faso (DAPA)(1) , Prosper Tiendrebéogo, „beschäftigt sich mit der Frage nach Identität und ist gleichzeitig vor allem Ausdruck künstlerischer Kreativität und des Bemühens um Verschönerung des öffentlichen Raums. Allerdings scheinen die Werke hier in Burkina Faso eher eine Suche nach Identität, nach Bestätigung darzustellen“. Diese Arbeiten zeugen demnach von einer künstlerischen Ausdruckskraft. Einige unter ihnen haben einen stark dekorativen Charakter und dienen als Wahrzeichen der Stadt. Typisch für die Stadt Ouagadougou ist zum Beispiel das Denkmal zu Ehren der Afrikanischen Filmemacher oder auch der Platz Naaba Koom. 

Die Wandmalereien oder Graffitis, eine bevorzugte Ausdrucksform vor allem der jüngeren Generation, können als Werke engagierter und fordernder Kunst bezeichnet werden, denn sie sollen nicht nur einfach gefallen. Diese moderne Ausdrucksform wird von der älteren, an konventioneller Kunst orientierten Generation, oft sehr kritisch beurteilt und manchmal sogar gefürchtet. In ihr drücken sich avantgardistische Künstler mit Meißel oder Pinsel aus. Die Volksaufstände vom Oktober 2014 (2)  haben zur Verbreitung solcher Kunstwerke in Ouagadougou sehr viel beigetragen.

Zusammenfassend wäre zu sagen, dass Werke der bildenden Kunst nicht nur gefallen oder zu einer nationalen und kulturellen Identität beitragen sollen, sondern zugleich auch eine besondere Form des künstlerischen Engagements darstellen. 

Geschichtliche Informationen zu einigen der Werke im öffentlichen Raum von Ouagadougou

A-    Das Pantheon der Märtyrer 
Dieses im Stadtviertel Ouaga 2000 am Ende des Boulevard Mouammar Kadhafi errichtete Denkmal wurde zu Ehren der Burkiner konzipiert, die sich im Dienste für ihr Land besonders ausgezeichnet haben. Das zuerst als Gedenkstätte für die Nationalhelden von Burkina Faso benannte Werk wurde am 30. Mai 2015 während der Feierlichkeiten zu Ehren der Opfer des Volksaufstandes von Burkina umbenannt. 

B-      Der Platz bzw. das Denkmal der Afrikanischen Filmemacher 
Mit einer dynamischen Form; wie eine Rakete, startbereit zum Sieg. So beschreibt der Künstler selbst das von ihm geschaffene Werk. Das 1987 neben dem Rathaus im Zentrum von Ouagadougou erbaute Denkmal soll die Werkzeuge der Filmemacher symbolisieren, die mit diesem Denkmal geehrt werden. 

C-     Der Platz „Naaba Koom“ oder das Denkmal der Gastfreundschaft und des Willkommens
Dieser Platz gegenüber dem Bahnhof wird dominiert von diesem sechs Meter hohen Denkmal. Es stellt eine Frau dar, die die Reisenden bei ihrer Ankunft in Ouagadougou mit Wasser empfängt. Der Platz entstand zu Ehren von Naaba Koom, einem der Mossi-Könige(3) , dessen Namen er trägt. Während seiner Regierungszeit erreichte die von der Elfenbeinküste ausgehende Eisenbahnlinie Ouagadougou. Dieses Empfangs-Denkmal wurde 1986
errichtet. 



1) Direction des arts plastiques et appliqués (DAPA) (= Direktion für bildende angewandte Künste) des Ministeriums für Kultur und Tourismus von Burkina Faso. Die DAPA entstand 2012 nach der Umstrukturierung der Generaldirektion für Bühnenkunst, bildende und angewandte Künste. Sie trägt zur Entwicklung auf diesem Gebiet durch die Einführung einer nationalen Politik im Bereich der bildenden und angewandten Künste beitragen. Die Beauftragten für Kulturpolitik wollen diesen Sektor mit verschiedenen Maßnahmen unterstützen, so durch eine Förderung des künstlerischen Schaffens, durch stärkere Strukturierung dieses Bereichs und durch die Professionalisierung seiner Akteure. Ihr Ziel ist außerdem die Förderung der Künste und die Unterstützung bei der Vermarktung von Kunstwerken in und außerhalb von Burkina Faso ganz allgemein. 

2) Der Volksaufstand vom 30. und 31. Oktober 2014 gegen den ehemaligen Präsidenten von Burkina Faso, Blaise Compaoré, der zu dessen Flucht geführt hat. 

3) Die ersten Königreiche der Mossis entstanden ab dem XI. und bis zum XII. Jahrhundert. Das Königreich Ouagadougou war das einflussreichste unter ihnen und stand unter der Herrschaft von Mogho Naba, einem Nachkömmling der Prinzessin Yennenga, Mutter des Volkes der Mossi. Im Französischen verwendet man „Mossi“,  in der Sprache moré (mooré) heißt es „Moossé“ („moose“, pl. von „moaga“).