Kultur in Dakar Musik als Symbol eines künstlerischen Neubeginns

​Der öffentlich-urbane Raum von Dakar ist endlich wieder zu einem Ort mit einem besonderen Potential für Kreativität geworden. Er zeugt von einer Erneuerung der Szene in fast allen künstlerischen Bereichen und von einem Wiederaufleben von kulturellen Veranstaltungen, wie sie Dakar schon in der Zeit zwischen 1960 und 1990 gekannt hatte.

Die neu entstandene Musikszene ist ein deutliches Zeichen dieser Dynamik. Ihre Akteure sind junge Leute, die sich auf das zwar existierende, aber weitgehend unbekannte und nicht genutzte musikalische Erbe des Landes stützen, die neue Wege gehen und ihre unterschiedlichen, vielseitigen künstlerischen Ideen zum Ausdruck bringen wollen . 

Alibeta betrachtet sich selbst als „summende Biene“, als Künstler auf einer nie endenden inneren Suche nach Identität. Er arbeitet in den Bereichen Theater, Film, Literatur und in der Musikbranche, in der er sich hauptsächlich engagiert. Diese verschiedenen Welten bilden in Wirklichkeit ein einziges Universum. Er und seine Gruppe Les Nomads präsentieren ein gemischtes Programm aus Afro-Jazz, Liedern der Volkgruppen der Serer und Mandinka(1). Das Ergebnis sind  ausdrucksstarke Songtexte und eine gewisse von den Lehren der alten Weisen des Volks der Dogon inspirierten Spiritualität der Musik. 

Diese rhythmische Vielfalt ist auch bei Takeifa (Familie Keita rückwärts gesprochen bzw. geschrieben) zu finden. Die Mitglieder dieser Gruppe verbindet eine Musikmischung aus Rock, afrikanischen Klängen, Pop und Jazz. Ihr erstes im Jahr 2008 veröffentlichtes Album, Diaspora fand bei vielen Musikliebhabern besonderen Anklang. Dieser Erfolg setzte sich außerdem fort mit Get free, ihrem zweiten Album mit Liedern in Wolof, Französisch, Englisch und Spanisch und Texten über Liebe, Lebensfreude und Hoffnung. 

Die Musiker der Gruppe Sahad & The Natalpatchwork stammen aus vier verschiedenen afrikanischen Ländern. Vor diesem multikulturellen Hintergrund erscheint es ganz natürlich, dass sich ihre Musik aus verschiedenen Rhythmen und Sounds, von Afrobeat über senegalesische Musik,Soul, Funk, bis hin zu Folk zusammensetzt. Sahad selbst bezeichnet diese Mischung als Afro-Jazz.

Mit einer an die großen afro-amerikanischen Divas erinnernden Blues-Melodie, mit Klängen gemischt aus Rock, Soul oder Jazz und einer angenehm weichen, kräftigen und in ihren Bann ziehenden Stimme eroberte die talentvolle Rokhaya Loum alias Kya ihr Publikum.

Die seit 2009 bekannte Sängerin Daba Makourejah singt auf Englisch, Französisch, Wolof und Spanisch, begleitet von Rhythmen des Reggae, Jazz und Folk. Sie hat eine sehr charakteristische und weiche Stimme. Die frühere Hip-Hop Tänzerin ist außerdem Bassistin, Gitarristin und hat ein ausgesprochenes Talent dafür, stark spirituell geprägte Songtexte zu schreiben. 

Musik ist für Moustapha Naham eine angeborene Leidenschaft. Der aus Podor, im Norden Senegals, stammende Musiker begann seine Karriere mit der Interpretation von Liedern, die er im Radio hörte. Für seine Leidenschaft schwänzte er sogar die Schule. Immer begleitet von seiner Gitarre arbeitet er gegenwärtig zusammen mit Baaba Maals regionalem Orchester von Kolda. 

Ihre musikalisch-künstlerische Identität verdankt die Sängerin Marema Fall ihrer multikulturellen Herkunft, ihrem Vater aus Mauretanien und ihrer Mutter aus Senegal. Geprägt wurde sie vor allem von den Klängen der Akkustikgitarre und der Stimme Tracy Chapmans, die sie schon während ihrer Kindheit im Kreise ihrer Familie kennengelernt hatte, aber auch von senegalesischen Volksmusikern. 

Ramatoulaye Ndiaye alias Shula ist seit 1996 für ihre von der Akkustikgitarre begleitete Musik bekannt. Die Themen, die ihr wichtig sind, verarbeitet sie in ihren Liedern: Die Lebensbedingungen von Kindern (Tuut Tank), das Thema Frieden (Jàmmi reew) und außerdem Problematiken wie die schulische Ausbildung von Mädchen (Jangum Jigeen). 



1) Die Serer sind neben den Wolof und Pulaar die größte Volkgruppe in Senegal. Die Mandinka gehören einer Ethnie an, die sich selbst als genetische und kulturelle Nachfahren des frühen Königreichs Mali sehen. Das Königreich kontrollierte den Transsaharahandel zwischen dem Magrheb und Westafrika.