Korbflechterei Flechtkunst auch bei schlechtem Wetter

Unter freiem Himmel zeigen die Kunsthandwerker von Mvog-Mbi ihr handwerkliches Können, und sie versuchen gleichzeitig, ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Auf diesem Gelände werden das ganze Jahr über Korbwaren hergestellt. Unter freiem Himmel arbeiten hier im Stadtteil Mvog-Mbi, nicht weit entfernt von Hauptpost in der kamerunischen Hauptstadt Jaunde, um die dreißig Korbflechter für ihren täglichen Broterwerb und kümmern sich wenig um gerade herrschende Wetterbedingungen.

Jules Atangana, einer der Ältesten von ihnen, ist seit Jahren daran gewöhnt, seine Mahlzeiten im Freien einzunehmen. „Wir haben gar keine andere Wahl. Alle unsere Anträge an die Regierung, uns Behausungen zu bauen, sind bisher unerfüllt geblieben“. Seit über 40 Jahren nutzt er seine Fingerfertigkeit zur Herstellung von Sitzgarnituren, Regalen, anderen Möbeln und dekorativen Gegenständen aus Rattan oder Maraca. Der Sechzigjährige hat wie die meisten seiner Kollegen keine spezielle Ausbildung als Korbflechter gemacht. „Uns geht diese Arbeit ganz natürlich von der Hand.“ sagt er mit Stolz, „Wir sind geborene Korbflechter, auch wenn wir manchmal letztendlich einer anderen Beschäftigung nachgehen müssen.“ 

Die Korbflechterei ist für Herrn Atangana eine Leidenschaft und er ist stolz darauf, dass die von ihm hergestellten Stühle und Regale in vielen der Wohnungen der Hauptstadt und auch außerhalb zu finden sind. Die Handwerker haben sich auf beiden Seiten der Hauptstraße, kurz vor der Kreuzung von Mvog-Mbi, über ein recht großes Gelände ausgebreitet. Von geschickten Händen geflochtene Möbel, Regale, Hüte und Dekorationsgegenstände ziehen die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Hier finden alle, ob Erwachsene, Junge oder Alte, ihren Platz und jeder kommt je nach Belieben, um das für ihn ansprechendste Modell zu finden.

Gelegenheitskunsthandwerker

Alexi Owono, 16 Jahre alt, ist hier, weil er nichts anderes gefunden hat. „Ich versuche mit dieser Arbeit nur zu überleben. Durchschnittlich verdiene ich am Tag um die 5000,- Fcfa“, erklärt er. Vor vier Jahren verlor er seinen Job in der Industriezone von Logbaba in Duala und arbeitet aus Not und nicht aus Leidenschaft in diesem Bereich. Diese Arbeit ermögliche ihm zwar eine gewisse Unabhängigkeit, so Alexi Owono, aber zugleich empfinde er auch eine damit verbundene Unsicherheit. Das verwendete Material sei fast immer selten zu bekommen und teuer. „Zwischen 2010 und 2013“, so beklagt er sich, „hat sich der Preis verdreifacht“. Rattan und Maraca, das Rohmaterial für die Herstellung von Korbwaren, kommen zum großen Teil aus dem Gebiet des Sangha, einem Regenwaldgebiet im Süd-Osten Kameruns, des Kongo, Gabuns und Äquatorialguineas. Die hohen Transportkosten sind der Grund für die häufigen Preiserhöhungen. Aber die Produkte lassen sich nicht immer leicht verkaufen. Für Wohnzimmersessel werden teilweise um die 15.000,- FCFA verlangt, für ein Regal 1.500,- FCFA. Aber unsere Kunden gehören nicht zu den Reichsten und da wir aufgrund von Platzmangel unsere Produkte schnell verkaufen müssen, sind wir meistens gezwungen, die gebotenen Preise zu akzeptieren. 

Über Nacht müssen die Korbflechter ihr Material unter freiem Himmel aufbewahren und es zum Schutz gegen den Regen mit Planen abdecken. Ihre Arbeitstage enden meistens gegen 18 Uhr, aber wenn dringende Aufträge zu erledigen sind, wird auch bis in die Nacht hinein gearbeitet.