Kampala Die Straße als Leinwand

Kampala ist berühmt für seine sieben Hügel. Jeder dieser Hügel ist mit einem öffentlich zugänglichen Denkmal bebaut. Es wäre daher ein wichtiger Schritt, wenn die öffentlichen Behörden den Künstlern des Landes, die versuchen, aus etablierten Institutionen auszubrechen und ihre künstlerische Arbeit auf die Straße zu verlegen, etwas weniger misstrauisch und kritisch gegenüberstehen würden.

Solange eine Menschenansammlung in einer informellen kulturellen Einrichtung oder Veranstaltung mit Argwohn betrachtet wird, bleibt dies jedoch ein Wunschgedanke. Polizeivorschriften und die Notwendigkeit von Genehmigungen stehen für Künstler zu allererst auf der Tagesordnung, wenn sie den öffentlichen Raum außerhalb der Mauern von Veranstaltungsräumen und Kunstgalerien nutzen wollen. Schön wäre es, wenn Künstler, die von der Polizei nach Belieben durch spontane Absperrungen von städtischen Plätzen mit einem Maulkorb zum Schweigen gebracht werden können, nicht als eine Art verlängerter Arm der Opposition betrachtet würden. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Dem jährlich stattfindenden LaBa Arts Festival ist es beispielsweise trotz der gegenwärtigen Lage gelungen, die Unterstützung des Stadtrats zu erhalten. Dadurch ist es einfacher, administrative Hürden zu umgehen und die Kunst aus beengten Räumlichkeiten hinaus „ins Freie“ zu bringen. Das LaBa-Festival begann zunächst als Protest-(und Parodie-)bewegung, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die ausgeprägten Straßenschäden zu lenken, die sogenannten potholes (Schlaglöcher). Künstler füllten diese Schlaglöcher mit Erde, übermalten sie und schufen so eine „Galerie“, auf der man buchstäblich spazieren gehen konnte. 

Seitdem die städtischen Behörden begonnen haben, die Stadt zu verschönern und die für die Metropole typischen Schichten aus Staub und Dreck unter einer neuen Teerschicht zu begraben, hat sich dieses Festival in eine Art Straßengalerie verwandelt. Künstler stellen hier ihre Werke auf Fußwegen aus, während Models auf den geteerten Straßen wie über einen Laufsteg stolzieren und Street Couture oder Prêt-à-Porter Designs präsentieren. Auf beiden Seiten der Bukoto Street wetteifern Musiker auf zwei Bühnen um die Aufmerksamkeit der Zuhörer – auf der einen spielen sie für Liebhaber volkstümlicher Klänge und auf der anderen für Hip-Hop-begeisterte youngster. 

Es ist eine großartige Ausstellung unserer Kunst, ganz im Gegensatz zu den Galerien und Kulturzentren, in die nur geladene Gäste oder Kunstliebhaber kommen“, erklärt der bekannte Künstler Hoods Jjuuko. Dessen Arbeiten sind auf dem Festival ausgestellt. Sie thematisieren die chaotische Seite der Stadt Kampala; die uneinheitliche architektonische Landschaft, die Taschendiebe oder auch Autofahrer, welche eine Einbahnstraße nicht beachten usw. 
Dagegen ist der Künstler Philip Buyi an der angenehmeren Seite des städtischen Lebens von Kampala interessiert und präsentiert mit seinem Label Kkoolo Mode aus recyceltem Material. Das nach einer Krähe benannte Label bzw. der Designer (und Tänzer) ist der richtige Ansprechpartner für jeden, der nach phantasievollen Designs sucht; von europäisch-mittelalterlich beeinflussten Kreationen bis hin zu zeitgenössischen Afro-Prints. 

Cathy Nakaweesa hingegen betrachtet diese außergewöhnliche Nutzung des städtischen Raums von Kampala an diesem Tag lieber von der philosophischen Seite. Für sie bieten Events wie das LaBa-Festival eine besondere herausfordernde Gelegenheit. „Und genau das ist die Aufgabe von Kunst; Dinge zu ändern und zu verbessern bzw. zu verschlechtern, so dass man herausfinden kann, was besser ist“, erklärt sie. 

In der Absicht, die Kunst aus ihrer Gefangenschaft zu befreien, verzaubert sie zusammen mit ihrer lebhaften Tanzgruppe das Straßenpublikum mit einfallsreichen Choreographien begleitet von einer Mischung aus pulsierenden Afro-House Hits.

Im Theater befinden sich Künstler und Zuschauer, getrennt durch Bühne und Zuschauerraum, in ziemlich großer Entfernung voneinander, was eine größere Herausforderung für die Verbindung zwischen den beiden darstellt. „Hier auf der Straße befinden wir uns direkt vor unserem Publikum“, erklärt Nakaweesa, „trotzdem ist es unser besonderer Wunsch, den Zugang zu „no-go“ Veranstaltungsorten – wie z.B. Kololo Airstrip, zu bekommen“. Damit ist ein großes Gebiet in der Stadt gemeint, das zur Zeit einer Einrichtung gehört, die offensichtlich aus Angst um den Verlust von Macht hinter jeder künstlerischen Bewegung subversive Aktionen der Opposition vermutet. Andererseits findet dort noch immer die skurrile, prätentiöse Kampala Fashion Week statt. Hiermit versucht man, den „Machthabern“ die Dinge etwas mit Honig zu versüßen.