Cinéma Numérique Ambulant Cameroun Kino in Tignere

An zwei Abenden hat das CNA (Cinéma Numérique Ambulant Cameroun) mit seinen Projektionen die Bewohner von Tignère verzaubert und ihnen Gelegenheit zur Entdeckung anderer Regionen und Bewohner von Kamerun gegeben.

Bei ihrer Rückkehr in die Unterkunft am 23. Juni sind die Mitarbeiter des CNA wie schon des Öfteren zuvor bei anderen Gelegenheiten mit der Vorführung nicht ganz zu frieden. Zwar freuen sie sich, diese Etappe ihrer Tournee endlich abschließen zu können, aber sie bedauern zugleich, dass sie die Erwartungen der Bewohner von Tignère nicht vollständig erfüllt haben. Außerdem hält in dieser Nacht ein Regenschauer an, nachdem schon Stunden zuvor große Gewitterwolken aufkamen und den Mond bedeckten. Der zweite Filmabend des Besuchs des CNA in Tignère neigt sich dem Ende zu.

Der zweite Abend? Ganz genau – denn der erste Filmabend am 22. konnte nicht stattfinden. Und das aufgrund des Regens, der zusammen mit einem Tornado und Blitzen einbrach, so dass die Mitarbeiter von CNA unverrichteter Dinge in ihre Unterkunft zurückkehren mussten. Wegen dieses Unwetters an diesem ersten Abend, welches den Generator zur Stromversorgung der schon aufgebauten Geräte beschädigt hatte, mussten sich Ange, Valérie und Stéphane vom CNA am nächsten Tag bei einem Heimwerker der Stadt um die Reparatur kümmern. Und selbst am folgenden Filmabend bereitete der Generator einige Probleme. Davon ließ sich jedoch Stéphane, der schon seit der Gründung des CNA im Jahr 2012 dabei ist, zum Glück nicht entmutigen. Er schaffte es, den Schaden wieder zu beheben, so dass die Vorstellung im letzten Moment doch noch stattfinden konnte. 

An diesem Abend durften sich die Einwohner von Tignère also über die Filme freuen, die auf dem Programm standen. Mit Begeisterung, großem Eifer und Entdeckungslust versammelten sich vor allem die in großer Zahl erschienenen Kinder vor der mobilen Leinwand. Gezeigt wurden Kurzfilme und Spielfilme sowie Dokumentationen, die Valérie mit Erklärungen einiger nicht leicht verständlicher Filmszenen kurz vorstellte. Am Ende jeder Projektion gab er den Zuschauern dann noch die Gelegenheit, Fragen zu stellen oder ihre Meinungen über den Film zu äußern. Dies stellte sich allerdings als nicht so einfach heraus, denn die Themen der Filme beinhalteten ganz offenbar noch sehr verbreitete Tabus: 
Früh- bzw. Zwangsehe, Beschneidung, Polygamie, Rebellion der Frauen etc. Andererseits kommentierten während der Vorführung insbesondere die jüngeren Zuschauer bestimmte Szenen mit einer ausgesprochenen Lebhaftigkeit und nahmen an bestimmten Stellen lautstark die Fortsetzung des Films oder den Ausgang einer Handlung vorweg. Diese Kinoliebhaber seufzten erschreckt oder lachten vor Freude über den Ausgang der verschiedenen im Szenario vorgeschriebenen Handlungen.

Zwei gemeinsam verbrachte Filmnächte also mit einer mehr oder weniger zufriedenstellenden Beteiligung der Einwohner von Tignère. War die Anzahl der Teilnehmer eher gering, so war es jedoch bemerkenswert, dass der Landrat von Tignère sowie andere Verwaltungsbeamte des Ortes erschienen waren, um dieses „Cinéma pour tous“ (Kino für alle) zu unterstützen. Das Projekt ist Teil des Programms C2D-Culture, das in Zusammenarbeit mit dem kamerunischen Kulturministerium entwickelt wurde. Das Ziel, so die Präsidentin des CNA Kamerun, Stéphanie Dongmo, sei „(…) es allen Teilen der Bevölkerung zu ermöglichen, sich Filme anzuschauen, vor allem den Menschen, die bisher keinen Zugang zum Kino gehabt haben (…) Insgesamt sollen mit diesem Programm, das am 30. Januar in Jaunde gestartet wurde, 100 Filmprojektionen in den vier verschiedenen Regionen Centre, Littoral, Adamaoua und Sud-Ouest in Kamerun stattfinden“ (Interview in der Kulturzeitung Mosaïques, Nr. 015, 2015). Die nächste Station nach Tignère ist Tibati in der Region Adamaua.