Christian Etongo Der Hexenmeister der Art Performance

Als ausgesprochen produktiver Künstler widmet sich Christian Etongo als Hauptvertreter der Art Performance in Kamerun ausschließlich dieser künstlerischen Ausdrucksform. Die Grundlage seines Konzepts bildet ein geheimnisvolles Ritual und sein besonderes Markenzeichen ist eine Art Voodoo-Puppe. Der 43-Jährige versucht sich mit seinen Ideen eine internationale Karriere aufzubauen.

Seine insgesamt dreißig Choreografien, die in einer Art Entdeckungsreihe inhaltlich miteinander verbunden sind, führt Christian Etongo am liebsten auf der Straße auf. Diese wird zu einer Art Bühne und ersetzt für ihn die fehlenden Auftrittsmöglichkeiten des Landes. Außerdem bieten ihm die Straßenaufführungen die Gelegenheit zum direkten Kontakt mit dem Publikum – offenbar jedoch nicht immer ohne negative Folgen: Im April 2014 wurde er während der Rencontres Internationales des Arts Visuels de Yaoundé (RAVY)  in Essos, einem Stadtviertel von Jaunde, während der Präsentation seines Stücks Urban Jungle für einen mit Steinen beworfenen Dieb gehalten. Passanten hielten ihn für tot. Es kam zu einem polizeilichen Eingriff und er wurde festgenommen. 

Christian Etongo begann seine Karriere als Performance Künstler 1998. Nach 17 Jahren und zahlreichen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die er überwinden musste, hat er sich zu einem erfahrenen Künstler entwickelt. Mit dem geheimnisvollen Ritual, welches seit 2011 als Basis Arbeit dient, gelingt es ihm auf der Bühne, die Grenze zwischen der für uns real sichtbaren und der unsichtbaren, spirituellen Welt zu durchbrechen. Den kulturellen Hintergrund dazu bilden einige Rituale der Beti von Kamerun: Der tsô, eine Versöhnungs- und Reinigungszeremonie, und der esani, ein Totentanz. Zu seinem Equipment gehören eine  Puppe, die Simba genannt wird, ein chasse-mouche (eine Art Fliegenwedel…) sowie ein rotes Messgewand, welches nicht Tod, sondern Leben symbolisieren soll. Mit diesen Elementen, so erklärt er, vollziehe er seine rituellen Transgressionen: „Diese Elemente helfen mir, mich in den jeweiligen mentalen und spirituellen Zustand zu versetzen“. 

Die Art Performance bietet nach Christian Etongo eine besondere Möglichkeit, bestehende Grenzen in Frage zu stellen und zu überwinden. Auf der Bühne tötet er ein Huhn und isst die Leber roh, beschmiert sich mit Schweineblut, geht auf allen Vieren über Glasscherben…; Extreme und nicht wirklich begründete Aktionen lehnt er allerdings ab. Er verlässt sich mit seinen Improvisationen ganz auf seinen Instinkt. Manchmal, wenn er von einem besonderen Augenblick während einer Vorstellung besonders begeistert ist und mitgerissen wird, kann es auch passieren, dass er den festgelegten Ablauf seiner Vorstellung ändert und ganz spontan über das geplante Programm hinausgeht. 

In der Art Performance hat Christian Etongo, der als multidisziplinärer Künstler begonnen hatte, eine Form gefunden, die alle von ihm praktizierten Künste in sich vereint: Tanz, Theater, Malerei, Raumgestaltung, Literatur usw. Sein Werk ist stark von seiner persönlichen sehr bewegenden Geschichte beeinflusst: Abgesehen von familiären Problemen, wie einem verrückt gewordenen Onkel, wandert er mit 21 Jahren aus und wird dann wieder nach Kamerun abgeschoben. Misere, Hoffnungslosigkeit und die ständige Frage nach dem Sinn des Lebens begleiten ihn durch sein Leben.

Seine Werke lassen sich als sehr introspektiv bezeichnen und stellen aber zugleich eine Gesellschaftssatire dar. Die von ihm präsentierten künstlerischen Darbietungen sind eine Kampfansage an Konformismus und erstarrte Zeremonien.“, wie Serge Olivier Fokoua, Förderer der RAVY, hervorhebt. „Sein Blick auf die Art Performance ist sehr ungewöhnlich und avantgardistisch. Ihm ist es gelungen, eine vor allem visuelle und ganz persönliche, künstlerische Identität zu entwickeln, geprägt von einem ausgesprochen klaren und kontextuell gut fundierten Diskurs.“, fügt der Künstler Landry Mbassi ergänzend hinzu.

Christian Etongo ist inzwischen ein sehr bekannter und allgemein anerkannter Künstler. Eine nigerianische Künstlerin, Odun Orimolade, arbeitet an einer Dissertation über seine Kreationen. Er selbst glaubt, dass er bisher nur die erste Etappe seiner Ziele erreicht hat. Das nächste Ziel sind Einladungen zu Auftritten auf Theaterbühnen, in Galerien und in anerkannten Institutionen. In der Zwischenzeit träumt er davon, sein Kulturzentrum Kulturotek, das im August 2014 geschlossen wurde, wieder zu öffnen und seine Tätigkeit im Bereich der Ausbildung fortzusetzen. Hier hat er schon mit Künstlern wie Raoul Zobel alias Snake und Joël Kouemo erfolgreich gearbeitet.