​„Snake“, der Performance Künstler

Raoul Zobel Tejeutsa alias Snake, geboren im Jahr 1990, begann als mehrfacher Preisträger von HipHop-Wettbewerben seine bemerkenswerte künstlerische Karriere als Tänzer und Performance Künstler mit seinen Choreografien „Violence urbaine“ (urbane Gewalt) und „Au-delà de l’humain“ (Jenseits des Menschlichen). Diese Kreationen präsentierte er bereits unter dem Namen Zora Snake in ver-schiedenen Stadtvierteln von Jaunde.

An diesem 26. Juni hat sich die Kreuzung „Carrefour Mobil Omnisport“ in Jaunde in eine Theaterbühne verwandelt. Die Zuschauer, von denen die meisten keine Kunstkenner sind, drängen sich um die Veranstaltung, die ihnen auf der Straße dargeboten wird. An diesem Ort präsentiert „Snake“ seit nun fast zwanzig Minuten sein Stück Violence Urbaine, eine Performance, die von intellektuellen und körperlichen Verletzungen handelt, die Künstler erleiden und tief in sich tragen. Das normalerweise rege Treiben an diesem Ort scheint dabei in einen Stillstand geraten zu sein.

Die an einen zuvor verfassten Text angelehnte Choreographie des Stückes erzeugt Anspannung und Irritation bei einem Publikum, das  an eine eher konforme Ästhetik gewöhnt ist. Schockierend sind die verwendeten Requisiten: Eine Säge (da eine Kettensäge nicht verfügbar war), 30 Liter (künstliches) Blut in einer Schüssel, die auf einem weißen Teppich steht, welcher wiederum für die ursprüngliche Reinheit des Künstlers steht. Fünf Liter Blut stehen jeweils für ein Körperteil, für Kopf und Rumpf. Das Blut soll zudem auf die Härte des Widerstands bis zum letzten Atemzug verweisen. Für den Künstler sind diese Requisiten die „kämperischen Mittel“, mit denen er sich für bessere menschliche Bedingungen einsetzt und dazu auffordert, sich aus der erstarrten Regierungssituation herauszubewegen.

Anlässlich des 5. Jahrestages der Gründung des Kulturzentrums Othni im März 2015 hat „Snake“ außerdem auf der Kreuzung „Carrefour Lycée bilingue“ von Jaunde seine Choreografie „Au-delà de l’humain“ vorgestellt. Dieses Stück thematisiert seine Vorstellung vom „zweiten Ich“ jedes Individuums, vom „Talent“, das in jedem von uns enthalten ist und unsere Art zu Sehen, uns zu bewegen und unsere ganz persönliche Wesensart charakterisiert. Auf der Suche nach diesem „zweiten Ich“ geht Snake bis an die Grenzen des Möglichen. 

Seine Vorstellung von Raum ist für „Snake“ eng mit der besonderen Funktion von Kreuzungen (carrefours) verbunden. Er hat diesen Ort ständiger Bewegung, in dem die Zeit greifbar zu werden scheint, bewusst als konstruktiven Bestandteil seiner Performances ausgewählt. Die Kreuzung symbolisiert für ihn die oberste Instanz seines künstlerischen Engagements für die freihe Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit. Hier kann er das kollektive Bewusstsein beeinflussen und es bietet sich die Gelegenheit zum direkten Kontakt gerade mit dem Publikum, das von gewöhnlichen künstlerischen Veran-staltungen und den Orten, an denen diese stattfinden, meistens ausgeschlossen bleibt.

Mit seinen Tanzvorstellungen, die stark vom Hip-Hop beeinflusst sind, zieht „Snake“ ein ständig wachsendes Publikum und das Interesse von Kunstkritikern an. 

Neue Herausforderungen sind für ihn schon in Aussicht: Im Dezember dieses Jahres wird „Snake“ seine Kreationen im Goethe-Institut Kamerun und auf dem Festival Mantsina sur scène (Kongo) vorstellen.