Serge Maboma Kamerun ist eine Talentschmiede für Musiker

Serge Maboma
Serge Maboma | Foto: Edith Kouekam

Den Musikern aus Westafrika ist es gelungen, ihren Musikstil so zu vermarkten, dass man jedem Land „seinen“ Musikstil zuordnen kann.

Wo sehen Sie heute, in künstlerischer Hinsicht,  kamerunische Musik-Produktionen im Vergleich zu europäischen Produktionen?

Ich muss sagen, dass kamerunische Produktionen es leider immer noch nicht schaffen, in Europa erfolgreich vermarktet zu werden, da die technischen Voraussetzungen fehlen. Betrachtet man die Kriterien von heute, dann sind unsere Studios immer noch nicht auf dem neuesten Stand. Doch man muss anerkennen, dass heutzutage immer mehr Akteure versuchen, sich entsprechend auszurüsten und das Material zu bekommen, das es erlaubt, technisch auf der Höhe zu sein. Wir müssen auch die Art von Musik, die wir machen, verändern, da ich den Eindruck habe, dass sich unsere Musik schlecht exportieren lässt. Und wir haben nicht immer künstlerisch überzeugende Ansatzpunkte, die es uns erlauben, auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig zu sein. Unsere Musik darf nicht nur für unser Land sein, sondern soll weiterreichen, damit uns auch die Menschen außerhalb verstehen und sich mit ihr identifizieren können.

Arbeitete Macase schon zusammen mit europäischen Künstlern? Wenn ja, inwiefern?

Wir haben bislang sehr selten mit europäischen Künstlern zusammengearbeitet. Jedoch arbeiten wir viel mit kamerunischen Künstlern aus der sogenannten „Diaspora“ zusammen, wie Manu Dibango, André Manga, Vincent Nguini, Jack Djieyim oder Kaisa Doumbé. Alle sind gleichermaßen „Botschafter“ der kamerunischen Musik, die in Europa und den USA beheimatet sind. Wenn sie wieder hierher zurückkommen, dann arbeiten sie mit Vergnügen mit unserer Gruppe Macase zusammen. Denn wir versuchen, immer besser zu werden, um den Anforderungen der internationalen Szene gerecht zu werden. Wir würden gern öfter mit europäischen Künstlern arbeiten, aber diese Möglichkeit haben wir bisher noch nicht gehabt.

Was ist der Unterschied zwischen Macase in ihren Anfangsjahren und Macase von heute?

Der Unterschied zwischen der alten Gruppe Macase und der von heute ist, dass wir damals eine Gruppe von jungen Leuten waren, als wir mit der Musik anfingen. Wir haben uns alle gemeinsam in der Zusammenarbeit entwickelt, wir waren mit Enthusiasmus dabei, und wir setzten große Hoffnungen in das Projekt, das wir auf den Weg gebracht haben. Heute spielen in der Gruppe Macase viel erfahrenere Musiker, die mit großem musikalischem Können ausgestattet sind. Ich denke aber, dass die Arbeit, die wir vorher mit der alten Gruppe Macase realisiert haben, uns heute als gute Grundlage dient. Denn die Musiker, die in der aktuellen Gruppe sind, gehörten schon zu Zeiten der alten Macase-Gruppe zu unserem Freundeskreis. Sie kannten also schon die Arbeit der Gruppe, bevor sie zur ihr stießen. Ihre Erfahrung haben sie sich erworben, indem sie auch andere Musikstile praktiziert haben und das auf verschiedenen Bühnen. Damit sind sie eine große Bereicherung für die Gruppe. Ich muss sagen, dass die heutige Macase-Gruppe eine Weiterentwicklung der früheren Macase ist.

Macase besteht aus sieben Band-Mitgliedern. Das verlangt viel Feingefühl im Umgang miteinander. Was sind die Vor- und Nachteile einer solch großen Gruppe?

Ich denke, dass es eine Stärke ist, wenn sie sieben Künstler haben, die eine Linie verfolgen. Es entsteht eine unglaubliche Energie in der Zusammenarbeit mit Menschen, die die gleiche Ambition für die Gruppe haben. Die Tatsache, dass wir sieben in einer Gruppe sind, ist für uns heute ein sehr großer Vorteil, weil diese sieben Personen sehr kritisch sind und immer das Bestmögliche erreichen wollen. Das Ergebnis einer Arbeit von Macase ist von sieben Personen „geprüft“, die in der Musik zu Hause sind und die einen sehr kritischen Blick haben. Ich sehe daher vor allem die Vorteile einer größeren Gruppe. Sie stellen alle unterschiedliche Persönlichkeiten dar und ich kann Ihnen wirklich versichern, dass sie alle einen wunderbaren Charakter haben und immer wissen, was sie wollen. Der künstlerische Kompromiss, den wir finden, ist für uns alle immer sehr bereichernd, da wir stets versuchen, gegenseitig voneinander zu lernen.

Die Mehrheit der Experten ist sich einig: Kamerun ist eine Talentschmiede für Musiker. Was fehlt der kamerunischen Musik, um international noch erfolgreicher zu sein?

Meiner Meinung nach haben wir ein strukturelles und ein technisches Problem. Die Musiker, die Instrumentalisten und die Sänger arbeiten sehr viel und haben einen großen Ehrgeiz. Die größten Schwächen liegen in den professionellen Gegebenheiten und Infrastrukturen. Im Management und der Betreuung, in der Werbung und in der Interessenvertretung der kamerunischen Musik allgemein. Das Wichtigste ist heutzutage, kamerunische Musiker im Rahmen eines gemeinsamen Projekts zu vereinen, das wir dann als Marke präsentieren können. Den Musikern aus Westafrika ist es gelungen, ihren Musikstil so zu vermarkten, dass man jedem Land „seinen“ Musikstil zuordnen kann. Die Kameruner hingegen agieren wenig abgestimmt und zu wenig zielorientiert. Wenn es stimmt, dass die Musiker viel arbeiten, dann ist es heute umso dringender, Strukturen zu schaffen, die das Fundament für eine Professionalisierung der kamerunischen Musik bilden. Wir brauchen für unsere Musik und für unsere Konzerte zum Beispiel bessere Distributions-Strukturen, damit wir genauso konkurrenzfähig wie andere Musikszenen der Welt werden. Das ist es, was uns aktuell fehlt. Es sind die professionellen Voraussetzungen um das eigentliche Feld der Musik herum, die die Musik weiterbringen. Denn die Vertreter, die sich in Kamerun „Manager“ und „Produzenten“ von Künstlern nennen, bedienen sich der Musik, anstatt ihr zu dienen. Und das fällt dann häufig auf die Musiker selbst zurück. Denn man schickt „Manager“ los, um Verhandlungen für die Gruppe zu führen, aber sie denken letztlich mehr an sich selbst als an die Gruppe. Sie stellen sich mehr in den Vordergrund, als der Künstler es selbst tut. Das ist es, was uns heute Probleme bereitet.