2. Platz für Kamerun bei der IDO vom 15 – 28. Juli 2018 in Freiburg

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Herzlichen Glückwunsch, Eya’a Souga!
Zum ersten Mal in der Geschichte der Internationalen Deutsch-Olympiade hat ein Teilnehmer aus Kamerun bzw. aus Afrika-Subsahara den zweiten Platz in der Kategorie A2 gewonnen!
Und das, obwohl Eya’a Souga als Schüler des naturwissenschaftlichen Zweigs des Lycée de Mefou nahe Yaoundé in seiner Schullaufbahn nur zwei Jahre Deutsch gelernt hat. Dies aber vor Jahren an einer PASCH-Schule in Westkamerun, wo seine Passion für die deutsche Sprache neben seinem Faible für Computerwissenschaften begann.
„Das ist wirklich ein wahnsinniger Erfolg“, urteilt die Begleitlehrerin, Frau Meyo, „angesichts der Tatsache, dass viele Teilnehmer/innen aus anderen Weltregionen unter viel besseren Bedingungen lernen und ihnen das Prüfungsformat viel vertrauter ist.“
„Ich wollte gewinnen.“, sagt Eya’a Souga nach seiner Rückkehr, „aber als ich in Freiburg ankam und sah, was alles von uns erwartet wurde, habe ich mich selbst stark unter Druck gesetzt und war sehr nervös“. Er lächelt schüchtern und fügt leise hinzu: „Aber den zweiten Platz habe ich immerhin geschafft.“
Dabei war das Programm der Olympiade, an der 140 Schüler/innen aus 73 Ländern teilnahmen, für die beiden Teilnehmer aus Kamerun alles andere als einfach. In kurzer Zeit Wandzeitungen erstellen, ein Thema eigenständig präsentieren und in einer Gruppe Bildergeschichten bearbeiten, sind Aufgaben, die sie aus dem kamerunischen Schulsystem nicht gewohnt sind und die in Klassen bis zu 120 Schüler/innen mit wenig Material und Hilfsmitteln auch schwer zu organisieren sind.
Auf Eya’a Souga und Dountio, den zweiten Teilnehmer aus Kamerun, der an der Lycée de Mendong in Yaoundé zur Schule geht, hat der Aufenthalt in Deutschland und die Erfahrungen auf der IDO einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dountio ist ganz aufgekratzt, als er von Freiburg erzählt: „Das erste Mal raus aus Kamerun, mein erster Flug, so viele Fahrräder in Freiburg, Jugendliche aus aller Welt treffen, der Europapark, Tretboot fahren auf dem Titi-See, die Konzerte – alles, einfach alles war toll.“ Die Begleitlehrerin nickt und fragt: „Und gab es nichts, was euch nicht gefallen hat?“ – „Nein, gar nichts.“, antwortet Dountio wie aus der Pistole geschossen. – „Doch“, meint Eya’a Souga entschieden, „das Essen“. „Also ich fand’s gut.“, erwidert Dountio vergnügt, zögert kurz – die Begleitlehrerin steht nebenan – und plaudert dann mit einem verschmitzten Lächeln aus dem Nähkästchen: „Das deutsche Bier hat mir auch geschmeckt – das musste ich unbedingt probieren, natürlich nicht in der Jugendherberge, sondern draußen. „Und“, Dountio gerät ins Schwärmen, „wie habe ich die Freiheit genossen. Ohne Aufsicht rausgehen, sich mit Gott und der Welt treffen, in der Stadt stromern.“ - Worte, die die Begleitlehrerin, Frau Meyo, etwas nervös werden und sie entschuldigend sagen lassen: „Wir waren getrennt untergebracht.“, woraufhin ihre beiden Schüler breit zu grienen beginnen.
Beide Schüler haben viele Freunde in aller Welt gewonnen und auch Frau Meyo schwärmt vom Programm für die Begleitlehrer und der Möglichkeit, so viele Kolleg/innen aus aller Welt zu treffen.
Als die Sprache auf den Länderabend kommt, brechen alle drei in Gelächter aus. „Wir konnten uns ja gar nicht absprechen“, prustet Frau Meyo. „Ja“, pflichtet Dountio ihr bei, „alles lief à la camerounais: also vollkommen anders als geplant“. Eya’a Souga nickt zunächst zustimmend, beginnt aber empört zu schnauben, als er sich daran erinnert, dass die Begleitlehrerin vorgeschlagen hatte, einen traditionellen Tanz aufzuführen. „Wie aus der Klamottenkiste von vor hundert Jahren.“, entfährt es Eya’a Souga, „so eine Schnapsidee – da müssen die Leute doch denken, dass wir ziemlich zurückgeblieben sind!“ Also legte er Musik von „Tenor“ auf, einem angesagten kamerunischen Rap-Star. Und Dountio, der sich auf der Bühne partout nicht mehr an den abgesprochenen Programmpunkt erinnern konnte, nutzte die Gunst der Stunde und fing mit den Worten: „Wir tanzen gerne in Kamerun.“, an zu rappen. – Der Abend war „chaud“, sind sich alle drei einig, genauso wie der ganze Aufenthalt.

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