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Re-Design
Re-Design - Retro als Philosophie

I-Pad-Tasche
I-Pad-Tasche | Foto: © Memory

China hat auf dem Gebiet des umweltfreundlichen Designs im Zeitalter der Globalisierung einige avantgardistische Designmarken hervorgebracht, die auf ganz unterschiedliche Weise den Begriff Re-Design interpretieren. Zwei der bekanntesten Beispiele sind die „Reclothing Bank“ und das Label „Memory“.

Von September (九月)

Wenn man über Re-Design (再设计) spricht, muss man Kenya Hara (原研战), einen der berühmtesten Designer erwähnen. Seine Ausstellung im Jahr 2000 mit dem langen Titel Re-Design: The Daily Products of the 21st Century stellte Re-Design als ein neues Design-Konzept vor. Re-Design heißt so viel wie aus den Dingen, die uns täglich umgeben und uns vertraut sind, Neues zu schaffen, ihr Wesen herauszuarbeiten und den alltäglichen Dingen auf diese Weise neues Leben einzuhauchen. Unter dem Slogan des Green Design und der Nachhaltigkeit gehört das Re-Design inzwischen schon zum Ethos des Designers und fand schnelle Verbreitung. Bald schon tauchten auch in China Re-Design-Marken auf, die sich von vertrauten Alltagsgegenständen inspirieren ließen.

Die „Reclothing Bank“ – Alte Sachen in neuer Gestalt

Vielen kennen den Namen Zhang Na (张娜) wegen der Reclothing Bank (再造衣银行). Unter diesem Titel startete sie gemeinsam mit Freunden 2011 ein gemeinnütziges Projekt: Sie sammelten Second Hand-Kleidung, wuschen sie, trennten sie auf, setzten sie neu zusammen und fertig war ein neues Kleidungsstück.

Alles begann damit, dass Zhang Na alte Dinge mochte. Ihrer Ansicht nach braucht der Mensch nicht allzu viel Kleidung. „Es gibt viele alte Sachen, die uns umgeben, sie wegzuschmeissen wäre schade, aber sie aufzuheben, braucht Platz. Die Idee entstand aber nicht der Umwelt zuliebe, sondern aus dem Gedanken heraus, dass sich jeder Mensch hin und wieder gern alte Sachen anschaut, weil sie einen emotionalen Wert besitzen. Erst wenn wir die Geschwindigkeit drosseln und uns auf Vergangenes besinnen, können wir die Gegenwart verstehen oder nach vorn blicken.“ Und lachend fügt sie hinzu: „Das Projekt bringt alte Kleidung wieder in Umlauf, in der Hoffnung, dass die Menschen sie wieder schätzen lernen.“

Zu behaupten in dem Projekt ginge es lediglich um das Prinzip „aus alt mach neu“, verkennt das Besondere daran: Die Reclothing Bank arbeitet mit Xiangzis Charity-Shop Brandnü zusammen. Zhang Na kümmert sich um die Stoffe und Xiangzi (祥子) organisiert die Arbeitskräfte. In der Kooperative haben ehemals arbeitslose Frauen wieder Beschäftigung gefunden. Sie ordnen die Kleidung, trennen auf, waschen, desinfizieren und setzen dann aus Vierecken, Dreiecken oder Streifen neue Stoffe zusammen. Daraus entstehen schließlich Zhang Nas Kleidungsstücke.

Die Reclothing Bank hat mittlerweile zahlreiche Fans gefunden, die die alten Kleider im neuen Glanz erstrahlen lassen.

„Memory“ – Die grosse Weisheit der kleinen Dinge

Wei Minghui (魏明辉) wollte wie viele nach seinem Abschluss an der Kunstfakultät der Qinghua-Uni in Beijing bleiben und einen ganz normalen Job finden. Wenn vor den Olympischen Spielen 2008 nicht gerade die Kampagne zum Verbot von Plastiktüten stattgefunden hätte, dann wäre die Marke "Memory" (内存) vielleicht nie entstanden. Auf Märkten und in Geschäften wurde das inflationäre Verteilen von Plastiktüten untersagt. Stattdessen sollten die nichtbrennbaren und reißfesteren bunten Werbebanner als Ersatzmaterial dienen. Als Wei Minghui eines Abends mit seiner Frau spazieren ging, entdeckte er solche weggeworfenen Banner mit allen möglichen Aufschriften, wie: „Gegrillter Esel“ (驴肉火烧), „XY Sichuan-Restaurant“ (某某川菜), „Sex-Artikel“ (性用品). Seine Frau wollte daraus Umwelttaschen machen, deshalb nahmen sie einige besonders schöne Werbebanner mit. Sie suchen einen Schneider auf und ließen 200 Umweltbeutel für 5 Yuan das Stück nähen.

Am Wochenende dann verkauften sie die Taschen für 18 Yuan das Stück im 798-Kunstbezirk. Sie hätten nicht gedacht, dass das Geschäft so gut läuft. Das brachte Wei Minghui auf die Idee: Er, der schon lange den japanischen Designer Kenya Hara und dessen Konzept des Re-Design sowie die Schweizer Brüder, die ihre Freitag-Taschen aus gebrauchten Lkw-Planen herstellen, bewunderte, gründete die Recycling-Design- Marke Memory. Er entwickelte von Laptop-Taschen über Portemonnaies bis zu Kleidung verschiedene Produkte nach dem Re-Design-Konzept. Nach und nach wurde die Marke bekannt.

Heute werden die Produkte im UCCA-Shop und in Designer-Läden wie BNC (Brand New China) verkauft. Wei Minghui will die Haltung seiner Landsleute, dass Altes gleichbedeutend mit billig und schlecht sei, ändern und unterstreichen, dass alte Dinge umweltfreundlich und von künstlerischem Wert sein können. Er glaubt, dass er mehr tut als nur eine neue Form zu schaffen, denn seine Herangehensweise ist neu. Er benutzt alte Dinge und Materialien, um etwas ganz anderes, Neues daraus zu machen, darin liegt die Stärke der Marke Memory.

Die Verfremdung bekannter Dinge

Kenya Hara hatte für seine Re-Design-Ausstellung extra 32 bekannte japanische Designer eingeladen. Sie sollten für ganz alltägliche Gegenstände wie Toilettenpapier, Streichhölzer oder Teebeutel neue Ideen entwickeln. Unter ihnen war auch Shigeru Ban (坂茂), der 2014 den Pritzker Architecture Prize bekam. Er ist vor allem bekannt dafür, Papier als Baumaterial zu benutzen. In der Ausstellung bestand sein Werk aus Klopapierrollen. Aber sie waren viereckig, also war auch das Abrollen viereckig. Und das mit Absicht, denn wenn man an einer viereckigen Rolle zieht, entsteht ein Widerstand, der die Bewegung erschwert. Damit verwies er indirekt darauf, Ressourcen zu sparen. Ausserdem lassen sich viereckige Rollen besser stapeln, so dass sie platzsparend sind.

Es scheint, als ob es zwischen damals und heute keinen Unterschied gibt. Man muss nur das Design leicht verändern und schon sind die Leute begeistert, wie es Kenya Hara in seinem Buch Designing Design so treffend beschreibt: Das Wesen des Re-Designs läge in der Suche nach dem Ursprung, dabei werde das Bekannte so verfremdet, dass etwas Neues entsteht.

Diese Retro-Philosophie ist die Zukunft des Re-Designs.

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