Ausstellung in Berlin Grauer Alltag DDR?

An Ausstellungsobjekten mangelt es dem neuen Museum nicht
An Ausstellungsobjekten mangelt es dem neuen Museum nicht | Foto: Juliane Wiedemeier

Eine neue Ausstellung verhaspelt sich beim Versuch, den Alltag in der DDR zeigen. 

Die Straßen in der DDR waren grau. Die Häuser waren grau. Die Autos waren grau. Nur die Kleidung, die gab es manchmal auch in bunt, sie war allerdings kaum zu bekommen. So steht es zumindest auf dem kleinen Erklärtäfelchen: „Modische Kleidung kann im grauen Straßenbild ein Zeichen setzen und ist vielen Menschen wichtig. Das Angebot in den Geschäften ist jedoch mangelhaft.“

Erst seit zehn Minuten stehe ich im frisch eröffneten Museum Alltag in der DDR in der Kulturbrauerei im Ost-Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Und schon frage ich mich, wie dieser ostdeutsche Staat eigentlich länger als zwei Jahre bestehen konnte? Essen? Dafür musste man stundenlang anstehen. Wohnen? In einem Film erklärt eine Frau, wie sie vom Wohnungsamt eine Unterkunft zugeteilt bekam, die weder Strom- noch Wasserleitungen hatte. Arbeiten? War kaum möglich, weil aufgrund von Lieferengpässen in den Fabriken kaum Material zu verarbeiten war.

So erklärt es zumindest die Ausstellung. Auf wenig Raum, aber mit vielen Original-Exponaten und allem, was die moderne Museums-Technik so her gibt, hat die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptsitz in Bonn sie auf die Beine gestellt. An Geld hat es dafür nicht gemangelt, das sieht man sofort. Aber an etwas anderem. Die Ausstellung nimmt zwar für sich in Anspruch, den Alltag in der DDR darzustellen. Doch selbst ich als gebürtige Westdeutsche werde den Eindruck nicht los, dass hier andere Wessis inszeniert haben, wie sie sich den Alltag in der DDR vorstellen.

Nämlich, indem die Existenz eines Alltags völlig abgestritten wird. Alles sei politisch und vom Sozialismus durchdrungen gewesen, steht als Erklärung an jedem zweiten Objekt. Nichts sei privat gewesen, nicht mal Fernsehen oder Urlaub. „Selbst Kleingartenidyll muss organisiert sein“, wird mir zu einer liebevoll im Ausstellungsraum rekonstruierten Datsche erklärt. Als Begründung dafür muss herhalten, dass die Kleingärtner in einem Verband zusammengeschlossen waren.

Als wären die Kleingärtner im Westen nicht bis heute in Verbänden organisiert und als hätten sie keine Vorschriften, wie viele Obstbäume jemand pflanzen und wie viel Fläche des Gartens von Rasen eingenommen werden darf.

An diesem Punkt wird es albern.

Nun ist es nicht so, als ob ich nicht wüsste, dass die sozialistische Ideologie durchaus bis ins Privatleben vordrang. Dass Kinder in den Schulen indoktriniert wurden, die Presse zensiert und jeder Andersdenkende überwacht. Doch irgend etwas an diesem Museum stimmt trotzdem nicht.

Am Ausgang liegt ein Gästebuch. „Der Westen erklärt mir die DDR. Vielen Dank!“, hat dort jemand vermerkt. Ein anderer, aus dem thüringischen Meiningen, erklärt mit vielen Worten, dass es auch in der DDR Momente der Privatheit und des Glücks gegeben habe, etwa mit seinen Kindern oder Freunden. Die Passage wurde durchgestrichen, „Stasi-Mann“ hat jemand daneben geschrieben.

Um es pathetisch zu sagen: Die Mauer durch Berlin ist zwar vor fast 25 Jahren gefallen. Aber die Mauer in den Köpfen geht direkt durch diese Ausstellung.