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Porträt
Ma Shuqing (马树青)

Ma Shuqing
Ma Shuqing | Foto: ML

Ma Shuqing ist einer von 16 Künstlern, die ab 28. Juni 2012 in der Ausstellung China Germany: Abstract Painting Today in Dortmund zu sehen sein werden.

Der Maler Ma Shuqing, geboren 1956 in Tianjin, studierte von 1972 bis 1976 an der Tianjin Academy of Arts and Crafts. Nach dem Abschluss wurde er von der Hochschule angestellt und arbeitete in den dortigen Ateliers.

1989 ging er zum Studium der freien Malerei bei Prof. Tröger und Prof. Jerry Zeniuk an die Kunsthochschule München. Nach dem Abschluss 1995 lebte Ma Shuqing in Frankreich, 2003 ging er zurück nach Peking, wo er seitdem lebt und arbeitet.

Ma Shuqings Werke – seit seinem Studium in München vor allem abstrakte Malerei – waren in vielen Ausstellungen zu sehen, darunter immer wieder in China, in Deutschland und Frankreich, aber auch in Schweden und in der Schweiz. 2009 stellte er beispielsweise zusammen mit der Künstlerin und Fotografin Wang Xiaohui (王小慧), die ebenfalls aus Tianjin stammt und in München lebt, in Shanghai aus.

Im Sommer 2012 nimmt Ma Shuqing als einer von 16 Künstlern an der Ausstellung China Germany: Abstract Painting Today in Dortmund teil. Die Ausstellung läuft vom 28. Juni bis 28. September 2012.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit der Ausstellung In Time – 2012 Chinese Oil Painting Biennale. Weil die Ausstellung relativ umfangreich ist, war die Vorbereitungszeit sehr lang. Etwa 30 Künstler sind vom 15.-28. Juni 2012 gemeinsam im National Art Museum of China in Peking zu sehen.

Beim Malen hatte ich eigentlich gar nicht damit gerechnet, an dieser Ausstellung teilnehmen zu können, weil die Konkurrenz sehr groß war. Trotzdem habe ich fast zwei Jahre gemalt. Schließlich fanden die Kuratoren meine Arbeiten jedoch sehr passend und so sind sie nun dort zu sehen.

Eine weitere Ausstellung, eine Gemeinschaftsschau von abstrakt arbeitenden deutschen und chinesischen Künstlern, beginnt am 28. Juni 2012 in Dortmund.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Das war vor etwa 30 Jahren, als ich in Peking eine Ausstellung mit deutscher Kunst sah. Es wurde deutscher Expressionismus gezeigt, darunter auch einige Werke des Blauen Reiters. Ausstellungen mit Kunst aus Deutschland hatte es in China zuvor kaum gegeben. Als ich als Kind und Jugendlicher das Malen lernte, war ich in erster Linie von Russland beeinflusst. Dann kam ich also das erste Mal in Berührung mit den Werken deutscher Künstler und es eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Zwar konnte ich die Unterschiede zwischen den einzelnen Künstlern noch nicht einschätzen, aber mir persönlich gefielen die Künstler aus Deutschland und ich wünschte mir, die deutsche Kunst genauer kennenzulernen. Als ich nach meinem Abschluss an der Kunstakademie übernommen worden war, bekam ich über die Empfehlung eines Freundes die Gelegenheit, an der Kunstakademie in München fünf weitere Jahre zu studieren. Ausgerechnet in München, wo der Blaue Reiter seinen Hauptsitz hatte – ich fühlte mich gleich zu Hause.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Obwohl ich nicht mehr ganz jung war, als ich aus China wegging, hatte ich meine Denk- und Arbeitsweise noch nicht wirklich gefunden. So war es für mich sehr prägend, Kunst nach dem deutschen System zu lernen, ich habe dabei sehr viel verstanden. Wenn ich früher deutsche Kunstausstellungen besucht hatte, war ich einfach nur berührt, wusste aber nicht, was es mit den Bildern auf sich hatte. Erst durch mein Studium verstand ich, wie die deutschen Künstler angefangen und wie sie sich Schritt für Schritt entwickelt haben. Ich denke, das hat mir in meinem Leben sehr geholfen.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Die Stille, wenn man in Parks oder auf Friedhöfen spazieren geht. In China war und ist es kaum möglich, alleine in Ruhe spazieren zu gehen.

Außerdem haben mir sehr viele Leute geholfen, sogar Menschen, die ich gar nicht kannte. Zum Beispiel fand ich einmal auf der Straße einen Kühlschrank, den irgendjemand herausgestellt hatte. Er war blitzblank geputzt und trug die Aufschrift „zu verschenken“. Ich wollte den Kühlschrank gleich mitnehmen, konnte ihn aber nicht von der Stelle bewegen. Da kam ein Mercedesfahrer vorbei und bot mir seine Hilfe an. Ich lehnte zuerst ab und bemühte mich weiter, alleine zurechtzukommen, aber ich schaffte es einfach nicht. Der Fahrer kam noch einmal zurück und meinte, er würde mir doch besser helfen. Er packte den Kühlschrank in sein Auto und transportierte ihn zu mir nach Hause. Für mich ist das eine sehr schöne Erinnerung.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Als ich gerade voller Vorfreude in Deutschland angekommen war, bekam ich erst einmal eine „kalte Dusche“: Es war Ostern, meine deutschen Vermieter waren im Urlaub und hatten Strom und Wasser abgestellt. Dabei hatten sie ja gewusst, dass ich komme, das war schon sehr seltsam. Ich konnte mir also nichts zu essen kochen und zehrte ein paar Tage von einer halben Flasche Saft. Glücklicherweise kam dann ein sehr netter deutscher Nachbar etwas früher zurück und lud mich zum Essen ein.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Leberkässemmeln.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Ordnung und Sauberkeit. Diesen Eindruck hat wohl jeder, das ist tatsächlich typisch für Deutschland.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Da ich mich vor allem für Malerei interessiere, hat mich natürlich die deutsche Malerei am stärksten beeindruckt. Auch ein paar Filme sind mir sehr wichtig, zum Beispiel die von Fassbinder.
 

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Ich würde gerne für einen Tag mit einem deutschen Bauern tauschen. In China stehe ich durch den künstlerischen Schaffensprozess immer unter Stress und das Künstlerleben in Deutschland kenne ich auch schon, deshalb würde ich gerne einmal ganz entspannt das Leben eines normalen Bauern leben, ein bisschen Bier trinken und ein paar Kartoffeln essen.
 

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Das ist bereits passiert. Ruhe und Unabhängigkeit sind mir heute viel wichtiger als in der Zeit vor meinem Deutschlandaufenthalt. Zu Verabredungen komme ich nie zu spät. Das hat wohl alles mit Deutschland zu tun.

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