Porträt Fang Fang (方方)

Fang Fang
Fang Fang | ©Fang Fang

Ihren zweimonatigen Aufenthalt in Dresden 2009 verarbeitete die Schriftstellerin in ihrem neuen Roman Ameisen auf Messersschneide.

Die Schriftstellerin Fang Fang, geboren 1955, studierte chinesische Literatur an der Universität Wuhan. In den 1970er Jahren begann sie, Gedichte und Romane zu veröffentlichen. Ihre 1987 erschienene Erzählung Die Aussicht stieß in China auf gewaltige Resonanz und wird als Debütwerk des chinesischen Neorealismus gesehen. Mittlerweile hat die Autorin über sechzig Romane und Prosasammlungen veröffentlicht. Seit 2007 ist Fang Fang Vorsitzende des Schriftstellerverbands der Provinz Hubei. 2008 wurde auf ihre Initiative der aus Schriftstellerinnen und Hobbyautorinnen bestehende Club der Lesefreundinnen ins Leben gerufen, dem sie als Beraterin zur Seite steht.

2009 nahm Fang Fang im Rahmen von Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung an einem Autorenaustausch teil und folgte der Einladung nach Dresden. Aus ihrem zweimonatigen Aufenthalt in Deutschland ging ihr aktueller Roman hervor: Ameisen auf Messersschneide.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich schreibe an einem Roman über den chinesischen Nordfeldzug.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Das muss im Jahr 2003 gewesen sein. Martha, eine ältere Dame aus Deutschland, kam damals nach Wuhan, um das Haus wieder zu finden, in dem sie früher gelebt hatte. Freunde baten mich, ihr bei der Suche zu helfen. Sie war die erste Deutsche, die ich kennenlernte. Das war wohl der Anfang meiner Bekanntschaft mit Deutschland.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Von einer Beeinflussung würde ich eigentlich nicht reden. Allerdings hat mich der Aufenthalt in Deutschland zu dem Roman Die Ameise auf der Messerklinge inspiriert, nämlich zu der Geschichte, wie ein Deutscher versucht, einem chinesischen Maler zu helfen. Meine Zeit in Deutschland hat mir sehr dabei geholfen, diesen Roman zu vollenden.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Zum einen mein Besuch bei Martha in München. Im stolzen Alter von 89 Jahren setzte sie sich noch selbst ans Steuer, machte mit mir eine Spritztour und führte mich zum Essen aus. Ihre sprühende Vitalität und ihre Lebensfreude haben mich tief beeindruckt. Außerdem die Besichtigung des ehemaligen Wohnhauses von Johann Sebastian Bach.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Der Besuch der Gläsernen Manufaktur von VW Phaeton in Dresden. Am Tag der Besichtigung gingen die Arbeiter in Urlaub und die Fließbänder standen still. Das hatte das Personal am Ticketschalter allerdings mit keiner Silbe erwähnt, und nun bekamen wir Besucher lediglich stillgelegte Fließbänder zu sehen. Dann wollte man uns weismachen, die Maschinen zu besichtigen käme auf das Gleiche heraus. Dabei macht das meiner Meinung nach sehr wohl einen Unterschied. Das wäre gerade so, als würde man in den Zoo gehen, um einen Tiger zu sehen, und die Zooverwaltung würde einem in Ermangelung des echten Tigers einen ausgestopften vor die Nase setzen und dann auch noch behaupten, dieses Präparat sei identisch mit einem Tiger. Wie kann dies dasselbe sein? Ich fühlte mich also betrogen und brach die Besichtigung unter Protest ab. Da wird immer davon geredet, dass die Deutschen soviel Wert auf Redlichkeit legen. Die Autofabrik von VW Phaeton hat mich jedoch gelehrt, dass auch bei den Deutschen Ehrlichkeit nichts mehr gilt. Auf jeden Fall hat dieser Vorfall bei mir diesen Eindruck hinterlassen.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Deutsche Würstchen sind sehr lecker.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Dass fast jeder Deutsche ein Notizbuch zur Hand hat. Das zeigt, wie gewissenhaft die Deutschen zur Sache gehen.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Architektur und Musik.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Dazu besteht wohl kaum die Möglichkeit. Ich bin erwachsen und für solche Spielereien nicht zu haben.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Zum einen den Umweltschutz, in Deutschland tut man tatsächlich viel zum Schutz der Umwelt. Zweitens den Denkmalschutz alter Gebäude.