Porträt HD Schrader

HD Schrader
HD Schrader | ©HD Schrader

Im Januar und Februar 2011 zeigt der Bildhauer neue großformatige Arbeiten im Today Art Museum in Peking.

Die Welt des deutschen Bildenden Künstlers HD Schrader ist würfelförmig. Schon seine erste Einzelausstellung 1969 im Bundesministerium für Städtebau und Wohnungswesen in Bonn trug den Titel Quadratreihungen und zeigte Zeichnungen und Reliefs aus Plexiglas. Seitdem drehen sich alle seine Arbeiten um das Thema Kubus; Cubecrack nennt er seine überdimensionalen geometrischen Figuren, mit denen er mittlerweile in zahlreichen deutschen Innenstädten im öffentlichen Raum vertreten ist.

Geboren wurde HD Schrader (eigentlich Hans-Dieter Schrader) 1945 im thüringischen Bad Klosterlausitz. Auf sein Studium in San Francisco und an der Werksschule in Hamburg bis 1969 folgte die Arbeit an seinen Kubusreihungen aus Objekten, Acrylbildern und Zeichnungen. 1972 gründete er mit Guy Vandenbranden und Pierre de Poortere in Antwerpen die Künstlergruppe Internationaler Arbeitskreis für konstruktive Gestaltung (IAFKG) – in den folgenden 14 Jahren nahm er an sieben Symposien der Gruppe teil.

Seit 1986 ist HD Schrader Professor für Typographie an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Design. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehört der ihm 1990 für seine Bürgerinitiative zum Erhalt der Skulptur Kubusbalance verliehene Preis Kultur Aktuell in Schleswig-Holstein sowie der Landesschaupreis Schleswig Holstein, den er im Jahr darauf erhielt.

2005 nahm HD Schrader an Sinnbild in Wuyi teil, einem Symposium deutscher und chinesischer Künstler im Wuyi-Gebirge, Provinz Fujian. Ein Jahr später war er Mitglied der Jury für den Olympic Landscape Sculpture Contest in Peking. Dort eröffnet am 21. Januar 2011 im Today Art Museum die Ausstellung HD Schrader – High Ladder, die bis zum 16. Februar zu sehen sein wird.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit neuen Ideen und Konzepten für meine beiden Einzelausstellungen im Ludwig Museum in Koblenz und im Today Art Museum in Peking. Die Woodwatcher-Animationsfilme, die Batnestinghouses, die große Installation Skyladders, aus 36 rot angestrichenen zehn Meter hohen Bambusleitern und andere Werke sind für diese Kooperationsausstellungen entstanden.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

2005 wurde ich zu einem chinesisch-deutschen Malersymposion in das Naturschutzgebiet Wuyishan eingeladen. Eine wunderbare Landschaft, die Weltnaturerbe und Weltkulturerbe ist. Auf deutscher Seite waren außerdem die Künstler Gotthard Graubner, Jörg Immendorf, Hartwig Ebersbach, Max Uhlig, Jerry Zeniuk u. a. eingeladen. Die chinesischen und deutschen Künstler malten vor Ort. In der Landschaft, im Hotel auf dem Balkon oder in den Räumen der Kunstakademie. Die Arbeiten dieses Symposions wurden danach im Shanghai Art Museum ausgestellt.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Insgesamt bin ich seit 2005 neun Mal in China gewesen. Zwei Reisen habe ich zusammen mit Timm Ulrichs nach Xiamen gemacht. Wir entwickelten und realisierten Konzepte zum Thema „Kunst und Baum“ zusammen mit zwei chinesischen Kollegen in einem Park in Xiamen. Es folgten weitere Einladungen zu Ausstellungen und eine Gastprofessur in Hangzhou zum Thema Art in Public Space an der China Academy of Art.

China war und wird auch weiterhin Herausforderung und Inspiration für mich als Bildender Künstler bleiben.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Die vielen Atelierbesuche und Diskussionen bei chinesischen Künstlerinnen und Künstlern, als ich als Kurator für die Ausstellung Rote Berge – Grünes Wasser in China tätig war. In der dann in der Lübecker Kunsthalle St. Annen gezeigten deutsch-chinesischen Malereiausstellung war eine Auswahl der Bilder zu sehen, die beim Malersymposion in Wuyishan entstanden waren.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Rückblickend gab es für mich als Künstler in China wirklich nur Erfreuliches.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Die Pekinger Pekingente.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Die herausragende Gastfreundschaft. Mit größter Geduld und viel Kreativität wird das Essen für die eingeladenen Gäste aus großen und dicken Speisekarten im Restaurant ausgesucht.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die mehr als 50.000 Zeichen der chinesischen Schrift und die unglaublich vielen unterschiedlichen Stile der berühmten chinesischen Kalligrafen, die ich bei einer großen Ausstellung in Hangzhou bewundern konnte.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Konfuzius?

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Die Art zu essen. Und den grundsätzlichen Respekt der Chinesen vor kulturellen Leistungen z. B. für die Dichtkunst und die Malerei.