Porträt Yu Yamei (于雅媚)

Yu Yamei
Yu Yamei | © Yu Yamei

Warum sich die mehrfach ausgezeichnete Violinistin bereits 1992 in Bayern ganz zu Hause fühlte…

Yu Yamei wurde 1975 in Tianjin geboren und begann mit fünf Jahren Geige zu spielen. Nach einem Musikstudium am Central Conservatory of Music in Peking holte Professor Gottfried Schneider sie zunächst nach München. 1998 legte sie in Berlin bei Professor Christoph Poppen ihr Konzertexamen ab. Vom 1996 bis 2001 war sie erste Konzertmeisterin an der Komischen Oper Berlin, danach holte Zubin Mehta sie in gleicher Position an die Bayerische Staatsoper in München. Yu Yamei trat unter Dirigenten wie Yehudi Menuhin, Yakov Kreizberg, Ivor Bolton, Kent Nagano und Sebastian Weigle als Solistin auf. Auch gastierte sie bei vielen internationalen Festivals, wie dem Beethovenfest Bonn, dem Rheingau Musik Festival, dem Ravinia Festival in Highland Park/Illinois, USA, sowie der Schubertiade in Schwarzenberg.

Yamei Yu errang wichtige Preise bei internationalen Wettbewerben, so beim Violinwettbewerb Tibor Varga in Sion/Schweiz, beim Louis-Spohr-Wettbewerb in Freiburg im Breisgau, beim Violinwettbewerb Leopold Mozart in Augsburg und nicht zuletzt beim renommierten ARD-Musikwettbewerb in München.

Ihre CD-Einspielungen wurden unter anderem mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ 2007 und dem ECHO Klassik-Preis 2008 ausgezeichnet.

Seit 2005 ist Yamei Yu festes Mitglied des renommierten Klavierensembles Trio Parnassus. Sie lebt in Düsseldorf und unterrichtet dort als Professorin für Violine an der Robert Schumann Hochschule.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit der Kammermusik des schwedischen Komponisten Allan Pettersson, die viel zu wenig bekannt ist. Pettersson würde im September 2011 seinen 100. Geburtstag feiern, und aus diesem Anlass ist kürzlich eine CD-Aufnahme mit mir bei dem Label MDG erschienen.

2) Wo und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Als ich 1992 zum Studium nach München kam und überall meinen Namen hörte: „Ja mei...“

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Das Studium in Deutschland und die gesamte klassische Musik und Kultur des deutschsprachigen Raums ist natürlich enorm wichtig. Bereits vor meiner Ankunft in Deutschland lernte ich, wie viele bedeutende Künstler aus diesem Teil der Welt kommen. Als Musiker kommt man an Bach, Beethoven, Brahms, Schumann, Mendelssohn etc. nicht vorbei...

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Spareribs und Radler im Biergarten in München.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Ein nur bayrisch sprechender Fahrkartenkontrolleur ganz am Anfang meines Studiums.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Schweinebraten mit dunkler Biersoße und Knödeln.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Die deutsche Literatur insgesamt.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Ich würde gern zusammen mit Felix Mendelssohn Herrn Goethe für einen Tag besuchen und ihm das berühmte Oktett vorspielen.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Dass man dort die Straßenverkehrsregeln beachtet und dadurch bei Orchestertourneen in China die Kollegen weniger kreischen müssen.