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Porträt
Markus Heinsdorff

Heinsdorff
Heinsdorff | © ML

Vor 11 Jahren hatte der Künstler seine erste Ausstellung in China, Thema war Marco Polo. Heute beschäftigen ihn Fragen der Verbindung von Kunst, Natur und Technik. Seine Pavillons aus Bambus und Stoff sind Markenzeichen der Deutschlandpromenade. Zuletzt in Kanton, im Juni 2009 in Shenyang.

Der 1954 in Bayern geborene Installations- und Objektkünstler Markus Heinsdorff hat für die Deutschlandpromenade der Veranstaltungsserie Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung 14 Pavillons entworfen. Das Hauptmaterial ist Bambus, ein Werkstoff, der den Künstler seit seinen ersten reisen nach Asien fasziniert. Die Fassaden der Pavillons sind mit transparenten Stoffbahnen oder Bronzegewebe bespannt, so verströmen sie bei Dunkelheit ein geradezu märchenhaftes Leuchten. Zu sehen waren die Werke bisher in Nanjing, Chongqing und Guangzhou.

Markus Heinsdorff entwirft auch sonst vor allem Kunst im öffentlichen Raum - in Deutschland und China, aber auch in Thailand, Indonesien und Südamerika. In den vergangenen zwei Jahren gab er außerdem an den Architekturfakultäten der Southeast University in Nanjing und der Chongqing University als Gastprofessor Seminare zu Kunst, Architektur und nachhaltigem Bauen.

Für das Deutsch-chinesische Kulturnetz beantwortete der Künstler die „10 Fragen an…“ im November 2008 in Guangzhou. Wer die Bambuspavillons mit eigenen Augen anschauen möchte, hat dazu bei der nächsten Station der Deutschlandpromenade im Juni 2009 in Shenyang Gelegenheit.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Durch die Deutschland-Promenade habe ich mich intensiv mit dem Thema Umwelt beschäftigt und versuche dazu als Künstler eine eigenständige Position zu beziehen. Ich habe vorher schon Arbeiten dazu entwickelt, meistens in Zusammenhang mit Wind und Wasser und mit den Elementen. Jetzt im Kontext der Architektur und ganz konkret mit dem Entwurf und Bau der Pavillons für die Promenade verdichtet sich dieser für mich immer schon interessante Ansatz noch einmal zu einer ganz neuen Intensität. Mein Interesse gilt also dem Zusammenspiel der Dimensionen Natur, Technik und Raum in Verbindung mit Umwelt und Nachhaltigkeit. Mich beschäftigt vor allem die Frage, wie man für diese Ideen mittels verschiedener Materialien künstlerisch einen neuen Ausdruck schaffen kann.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

Vor 11 Jahren habe ich die erste Ausstellung in China gemacht. Ohne staatliche Unterstützung bin ich zusammen mit einem Partner nach Hangzhou gereist und habe im Provinzmuseum in Hangzhou eine Ausstellung über die Reise Marco Polos nach China realisiert. Sie hieß Windows: Marco Polos Traum. Dafür habe ich acht große Kästen gebaut, jeder Kasten hatte ein Thema aus der Reise. Die Installation war speziell auf China ausgerichtet, mit riesigen, auf die Kisten geschriebenen chinesischen Zeichen. Spannend war, dass im Museum, in dem ich vorher nie gewesen war, dort außer unseren Schränken auch 1000 Jahre alte Kaiserschränke standen, die ebenfalls beschriftet waren. Das war eigentlich wieder ein schönes Beispiel dafür, dass man nichts wirklich Neues erfinden kann.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

China beeinflusst meine Werke eher als mein Leben: Seitdem ich den ersten Fuß nach Asien gesetzt habe, versuche ich, asiatische Ausdrucksformen in meine künstlerische Arbeit zu integrieren – ganz bewusst. Das reizt mich sehr, wobei ich dabei weniger konkrete Vorstellungen im Kopf habe als vielmehr eine Atmosphäre, die sich stark von unserer westlichen unterscheidet, zumindest in Bezug auf die Kunst.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Es gab viele sehr schöne. Einmal war ich in Jingdezhen, der berühmten Porzellanstadt, und machte eine Fotodokumentation über die Stadt und ihre Keramik. In den Kaolin-Bergen, aus den der Rohstoff für die Porzellanherstellung stammt, gab es ein Dorf, das mehrere hundert Jahre, wenn nicht tausend Jahre alt war. Da stand die Zeit still, es gab kein Strom und auch sonst nicht, was das Auge irgendwie mit der Moderne in Verbindung bringen konnte. Das war ungeheuer beeindruckend und faszinierend. Eine unvergleichliche Landschaft ohne Strommasten, dafür mit hunderten von Wasserbüffeln und Ochsenkarren, archaisch wie in einem alten Meistergemälde.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Der Smog in den Städten ist am unerfreulichsten, steht man im Taxi in Peking eine Stunde im Stau, ist man schon fast krank. Manchmal auch der Lärm, doch den kann ich noch in meine Arbeiten integrieren, wie zum Beispiel in meiner Fotoausstellung zu bayrischen Königshäusern, wo ich alle Geräuschquellen zusammenlaufen lasse.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Kleine Hühnerstückchen in Chili, das ist Sichuan-Küche, glaube ich. Und noch lieber vegetarisch, Aubergine süß-sauer und Bohnen in Chili ungeheuer gut.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Der Chinese (lacht). Drachenbilder und bestimmte Kleidung mit chinesischen Symbolen, auch Kalligraphien, Rollbilder und Porzellan.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die Handwerkskunst, also alles, was man heute in den großen Museen sehen kann.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Ich würde gerne mit einem Chinesen aus irgendeiner historischen Epoche tauschen, um den Alltag damals kennen zu lernen. Er sollte weder bettelarm noch steinreich sein.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Zum einen das Essen, es gibt fantastische Speisen. Außerdem dieses fast mediterrane Leben wie in Chongqing, abends entspannt auf der Straße zu sitzen… Und bestimmte Formen der Freizeit, das Schreiben mit Wasser auf dem Straßenpflaster – das gefällt mir sehr.

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