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Porträt
Klaus-Dieter Lehmann

Klaus-Dieter Lehmann
Klaus-Dieter Lehmann | © Goethe-Institut

Die Begegnungen mit Schülern und Kunststudenten begeisterten den Präsidenten des Goethe-Instituts bei seinem Besuch in China im Mai 2010 am meisten.

Der diplomierte Physiker und Mathematiker Professor Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, geboren 1940 in Breslau, arbeitete in den 70er Jahren zunächst am Mainzer Max-Planck-Institut, bevor er nach seinem Staatsexamen in Bibliothekswissenschaften ab 1973 Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek in Frankfurt am Main wurde.

Ab 1988 war Lehmann Generaldirektor der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main, die er später erfolgreich mit der Deutschen Bücherei in Leipzig zur Deutschen Nationalbibliothek zusammenführte. 1998 wurde er als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin berufen. In dieser Funktion verantwortete er insbesondere die Wiederherstellung der Museumsinsel. Seit 2002 Vizepräsident des Goethe-Instituts, folgte er 2008 Jutta Limbach auf die Position als Präsident des Goethe-Instituts.

Am 19. Mai 2010 besuchte Klaus-Dieter Lehmann zusammen mit der Delegation von Ex-Bundespräsident Horst Köhler die EXPO 2010 in Shanghai und nahm im „Deutsch-Chinesischen Haus“ an einer Gesprächsrunde zum Thema Kulturdialog „Kooperation statt Selbstdarstellung“ teil. Er unterzeichnete außerdem ein Kooperationsabkommen mit dem Konfuzius-Institut/Hanban, dem chinesischen auswärtigen Sprach- und Kulturinstitut.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit China, und zwar in vielerlei Hinsicht. Zum einen war ich, bevor ich von München nach China geflogen bin, in der chinesischen Oper Die Quelle, die bei der Münchener Biennale aufgeführt wurde. Das war eine ganz moderne, fantasievolle Einstimmung auf China. Außerdem habe ich gelesen, gelesen, gelesen: Romane, und einen dicken Wälzer, When China rules the world, um schon ein wenig eingestimmt zu sein, wenn ich in Peking ankomme.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

2003 war ich in Hongkong, aber das war ein anderer Zusammenhang. 2006 wurde ich in meiner Funktion als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom Kulturministerium eingeladen. Es ging um die Besichtigung und Beratung der vielen Neubauten von Museen in China. Mit zwei Kollegen bin ich mehr als vierzehn Tage durch das Land gereist; das war eine der aufregendsten Reisen überhaupt. Sie fand zudem während der gleichzeitig in Deutschland laufenden Fußballweltmeisterschaft statt. Wir haben neben Museen eine wirklich begeisternde Menge von jungen Chinesen erlebt, die sich Schwarz-Rot-Gold auf ihre Wangen gemalt und für die deutsche Mannschaft gesungen, getanzt und die Daumen gehalten haben. Also das war die erste große Begegnung mit China, informativ und emotional.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Ich habe vor Ort begriffen, dass die Zentren und die Peripherien sich in dieser Welt tatsächlich verändert haben: China mit seinem enormen Wachstum, aber auch mit seinen Problemen – da wird einem bewusst, dass wir die Zukunft nur gestalten können, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Und ich glaube, dass Kultur ein Schlüssel dafür ist.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Die Begegnung mit jungen Leuten, und zwar in zwei Bereichen: einmal in den Pasch-Schulen, wo es sehr anregend war, mit den jungen Leuten in den Klassen zu diskutieren und ihre Begeisterung für und Neugier auf Deutschland zu spüren. Ihre Deutschkenntnisse waren beeindruckend. Und zweitens die jungen Leute, die im Kunstbereich tätig sind. Die Studenten der Kunstakademie in Nanjing hatten zum Zeitpunkt meines Besuches im Kunstmuseum ihre Jahresarbeiten ausgestellt, Malerei, Fotografie, Mode und Design, da konnte man richtige Talente entdecken. Aber das Schönste war die Stimmung, die Offenheit, die Motivation und die Buntheit. Hier wächst eine ganz neue Generation mit sehr, sehr viel freieren Ideen heran, als bislang da waren.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Die ständigen Flugzeugverspätungen bei den innerchinesischen Flügen, ohne wirkliche Information über das Ausmaß der Verspätung, ohne frühzeitige Information über veränderte Gates. Das kann nerven, wenn man einen eng getakteten Zeitplan hat.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Also auf jeden Fall Ente, der chinesische Klassiker. Ich schwanke da zwischen Peking-Ente und Nanjing-Ente. Aber ich glaube, die Peking-Ente ist mir wegen der köstlichen Kruste doch lieber.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Der Zusammenhalt der Familie, das ist mir aufgefallen. Trotz aller Wanderbewegungen, trotz aller Migration hat die Familie eindeutig nach wie vor eine starke Zugkraft.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die Schriftzeichen, die Kalligraphie. Das ist für mich etwas sehr Faszinierendes, obwohl ich’s nicht lesen kann. Aber ein Land, dessen Schrift ein Kunstwerk ist, das ist schon etwas ganz Bedeutendes.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Da ich als Kulturmensch so ziemlich alle Präsentationsformen verantwortet habe, würde ich gern etwas ganz anderes machen – einmal Bauleiter eines der großen Neuerschließungsprojekte zu sein und gleichzeitig auch zeigen, wie man Altes mit Neuem versöhnen kann.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Den runden Tisch. Das ist etwas, was nicht nur zum Essen taugt, sondern auch zum Sprechen und Verhandeln. Den Deutschen sollte der eckige Tisch einmal weggenommen werden, der runde Tisch bringt ganz neue Erfahrungen.

Weitere biografische Informationen 

Professor Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, dem Verdienstorden des Landes Berlin, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und dem Kulturgroschen des Deutschen Kulturrats ausgezeichnet.

Er ist Honorarprofessor an der Universität Frankfurt am Main und der Humboldt-Universität zu Berlin, Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er sitzt im Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und ist Träger der Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2009 ist er zudem Vorsitzender des Verwaltungsrats des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg.

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