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Porträt
Florian Gallenberger

Florian Gallenberger
Florian Gallenberger | © Majestic / Bothor

Am 2. April 2009 läuft John Rabe von Florian Gallenberger in den deutschen Kinos an, ab Mai ist Filmstart in China. Was würde der Regisseur nach fast 2 Jahren Drehzeit in China wohl gerne auf Deutschland übertragen?

Florian Gallenberger, Jahrgang 1972, kann sich 2009 mit der Verarbeitung historischer Ereignisse um einen Helden wider Willen in seinem Film John Rabe der öffentlichen Aufmerksamkeit sicher sein. Für den Film wurde er bereits jetzt als "Bester Regisseur" für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Bereits während seines Studiums an der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film hatte Florian Gallenberger in den 90er Jahren zusammen mit Wim Wenders die Dokumentation Die Gebrüder Skladanowsky gedreht, die in Montreal mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Es folgten weitere Filmprojekte, wie z.B. Quiero Ser im Jahr 1999 – ein Film über Straßenkinder in Mexiko, für den er 2001 den Kurzfilm-Oscar erhielt. 2004 drehte er seinen ersten längeren Spielfilm Schatten der Zeit, der den Bayerischen Filmpreis für den "besten Erstlingsfilm" und die "beste Kamera" gewann sowie als bester Film beim "International Festival of Love Films" in Mons, Belgien, ausgezeichnet wurde.

Sein aktueller Film John Rabe wurde erstmals im Februar 2009 in der Nebenreihe "Berlinale Special" bei den 59. Internationalen Filmfestspielen von Berlin gezeigt. Gedreht wurde John Rabe in Shanghai und Nanjing. Die Geschichte basiert auf der wahren Geschichte des einstigen deutschen Siemens-Filialleiters John Rabe, gespielt von Ulrich Tukur, der auch als "Schindler Chinas" bezeichnet wird: Indem er während des "Massakers von Nanjing" sein Firmengelände zur Sicherheitszone für chinesische Zivilisten erklärte, hatte Rabe 1937 über 250.000 Menschen vor den japanischen Soldaten gerettet. Aus diesem Grund ist John Rabe heute noch einer der meistgeschätzten Deutschen in China.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich habe die letzten 4 Jahre an meinem Film John Rabe gearbeitet und hierzu fast 2 Jahre in China verbracht, wo der Film gedreht wurde.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

Unser Produzent Mischa Hofmann machte mich auf die Tagebücher von "John Rabe" aufmerksam. Nach deren Lektüre willigte ich sofort ein, daraus einen Filmstoff zu entwickeln und reiste zur Recherche nach China.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

China ist ein ganzer Kosmos. Ein Land mit einerseits unglaublicher Tradition und andererseits ebenso starken Umbrüchen, die sich in der Gegenwart gerade vollziehen. Die zu sehen schenkt einem auch einen neuen Blick auf Deutschland, einem Land, das ganz anders strukturiert ist.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Die gemeinsame Arbeit am Film. Unser Team beim Dreh bestand aus 350 Menschen, davon 300 chinesische Mitarbeiter. Aber dass wir alle an einem Strang gezogen haben, alle für denselben Film gekämpft haben, das hat uns sehr stark verbunden. Dieser Zusammenhalt über Länder und Sprachgrenzen hinweg war wunderbar!

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Filmarbeiten sind immer mit viel Kampf und Anstrengung verbunden, das ist nicht chinaspezifisch. Das größte Problem für uns war der riesige Wintereinbruch im Januar 2008, aber daraus kann man wohl niemandem einen Vorwurf machen...

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Viele! Ich liebe die Peking-Ente, aber nur, wenn sie wirklich gut, also sehr knusprig ist und schön serviert wird. Auch die kleinen Dumplings liebe ich, besonders die, die auch ein wenig mit Suppe gefüllt sind.

7) Was ist für Sie "typisch chinesisch"?

Eine Art der Kommunikation, die der deutschen Art ziemlich entgegensteht. Also Dinge nicht direkt anspricht, sondern jeden das Gesicht wahren lässt und so die Dinge eher kodiert vermittelt. Das muss man als Ausländer erst mal respektieren lernen...

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Das I Ging - das Buch der Wandlungen, das ich eine enorm spannende Lektüre finde, wenn man es nicht als Hokuspokus betreibt.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Ich möchte grundsätzlich mit niemandem tauschen.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Ich habe bei den Recherchen unter Menschen, die unter einfachsten Bedingungen leben, eine enorme Gastfreundschaft erlebt, die ich mir in Deutschland so nicht vorstellen kann, aber die sehr wünschenswert wäre.

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