Porträt Dieu Hao Do – Filmemacher

Dieu Hao Do gemeinsam mit der Schauspielerin Kim Kkobbi
© Tobias Koppe

Das Wandern zwischen Kulturen und Sprachen ist für Dieu Hao Do ein wichtiger Teil der künstlerischen Identität. Für den Nachwuchsregisseur liegt die Zukunft des deutschen Kinos in der Transnationalität.

Als Sohn chinesischer Einwanderer wuchs Dieu Hao Do (杜耀豪) im niedersächsischen Stadthagen auf. Seit 2011 studiert er Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und lässt in seinen Filmen immer wieder deutsche Befindlichkeiten und asiatische Kulturen aufeinandertreffen. Im Januar 2016 feierte sein neuer Kurzfilm At the End of the World beim 37. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken seine Weltpremiere. Im pulsierenden Wirrwarr der Straßenschluchten Hongkongs lernen sich die südkoreanische Touristin Lucianne und der deutsche Tagträumer Oswald kennen und verbringen eine kurze, emotionale Zeit miteinander.

Wie war es, Ihren neuen Film „At the End of the World" mit einem deutschen Tänzer und einer südkoreanischen Schauspielerin in Hongkong zu drehen?

Schon einen meiner ersten Filme, Where the Lights Shine Low (2011), habe ich mit den beiden Hauptdarstellern Kim Kkobbi und Christian Novopavlovski gedreht. Und auch in Der letzte Bus (2014), einem meiner letzten Filme, spielen beide mit. Die Situation war also nicht ganz neu. Für At the End of the World hatte ich nur zwei bis drei Seiten Treatment, der Rest des Films wurde während des Drehs improvisiert. Christian, der den Deutschen Oswald spielt, kenne ich aus Dresdner Zeiten. Wir teilen einen ähnlichen Humor und Entdeckungsgeist, haben viel miteinander erlebt. Deswegen ist die Basis für Improvisationen ganz gut. Kkobbi, die die Südkoreanerin Lucianne darstellt, habe ich das erste Mal in Hongkong getroffen. Sie war dort 2010 beim International Film Festival (HKIFF) als beste Nebendarstellerin nominiert. Kkobbi und Christian repräsentieren bestimmte Dinge, die mich interessieren. Sie sind sozusagen eine Verlängerung von mir: Kkobbi steht für den asiatischen und Christian für den deutschen Teil.

In „At the End of the World" unterhalten sich Lucianne und Oswald auf drei Sprachen. Wie wichtig ist dieses interkulturelle Element für die Entstehung Ihrer Filme?

Ich habe schon immer Neugier für Sprachen empfunden und gemerkt, dass ich damit spielerisch umgehen kann. In meinen Figuren sehe ich das auch. Es ist mein grundlegender Wunsch, mich mit beiden Polen auseinanderzusetzen und sie für mich in eine Form zu bringen. Wenn ich in Asien bin, erfahre ich mehr über Deutschland, und wenn ich in Deutschland bin, mache ich mir viele Gedanken über Asien. Da ist einfach ein ganz starker Zug in Richtung der anderen kulturellen Identität. Viele Aspekte der Kulturen sind sehr unterschiedlich, ja gegensätzlich. Das ist ein spannender Ansatzpunkt, um Filme oder Geschichten zu erzählen. Und Hongkong ist gewissermaßen mein „fernes Zuhause": einerseits durch das Kantonesische, das eine meiner beiden Muttersprachen ist, andererseits durch die Identität der Stadt selbst, mit ihrer Mischung aus westlicher Kultur und chinesischem Einfluss. Hongkong ist eine Stadt, die das sehr schön verbunden hat, aber gleichzeitig mit diesen beiden Polen ringt. So wie es bei mir auch ist.

Welchen Weg werden Sie mit Ihren nächsten Filmen einschlagen? Wo sehen Sie Ihren Platz innerhalb des deutschen Films?

Auch wenn ich in den letzten Jahren einige Dokumentarfilme gemacht habe, wie zum Beispiel Bubenicek (2013) und Hua Hue 1914 (许惠, 2013), will ich mich jetzt auf Spielfilme konzentrieren. Da kann ich mehr gestalten und meine eigenen Geschichten erzählen. Früher habe ich mich nie als Autorenfilmer gesehen. Ich dachte einfach, ich mache Filme. Doch es ist mir mittlerweile sehr wichtig, dass man in meinen Filmen merkt, wer dahintersteckt. Dass man spürt, wer die Entscheidungen trifft, was bestimmte Nuancen in Bildern oder Szenen betrifft. Stilistisch stelle ich mir beim Filmemachen immer konkret die Frage, wie man eine Geschichte erzählen kann. Das ist also eher eine Autorenhaltung. Ich würde aber nie vom „interkulturellen Kino" sprechen, sondern eher vom „transnationalen Kino". Damit kann ich mehr anfangen und das hat in der Filmwissenschaft auch mehr Griff. In Bezug auf Filmemacher wie Fatih Akin, Ang Lee oder Alejandro González Iñárritu beispielsweise wird oft über transnationales Kino gesprochen. Für mich ist das schon in der DNA von Kino drin, dass man sich über Grenzen hinweg über die Menschen Gedanken macht. Diese Auseinandersetzung ist weder an einen kulturellen Raum noch an eine Sprache gebunden. Ich wünsche mir das auch für den deutschen Film. Da steckt noch ganz viel Potential im deutschen Kino drin! Natürlich sind das Entwicklungen, die ein bisschen Zeit brauchen, aber in dieser Generation wird wirklich etwas passieren. Denn es braucht sowohl die Filmemacher, die diese Geschichten erzählen, als auch das Publikum, das sich diese Filme anschaut.