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Interview mit Xia Ji'an
Wohnungssklaven

„Oh, ich habe noch nie in einer so tollen Wohnung gewohnt!“
„Oh, ich habe noch nie in einer so tollen Wohnung gewohnt!“ | © Xia Ji´an (夏吉安)

Der Buchillustrator und Comiczeichner Xia Ji´an (夏吉安) greift in seinem Comic Wohnungssklaven die aktuellen Probleme des chinesischen Wohnungsmarktes auf.

Von Tanja Reith

Der Buchillustrator und Comiczeichner Xia Ji´an (夏吉安) greift in seinem Comic Wohnungssklaven die aktuellen Probleme des chinesischen Wohnungsmarktes auf.

Können Sie sich zunächst unseren Lesern kurz vorstellen?

Ich bin im Norden Chinas in der Provinz Heilongjiang geboren und habe in einem Verlag in Harbin als Grafiker gearbeitet. Nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass diese Art der festangestellten Arbeit nichts für mich ist und habe wie so viele andere junge Leute beschlossen, nach Peking zu gehen. Durch Freunde habe ich Yu Lu (于路) kennengelernt, der mittlerweile selbst zu einem guten Freund geworden ist und in dessen Studio ich als Comic-Assistent anfing. Das war der Beginn meiner Beschäftigung mit Comics. Diese Zeit war für mich sehr bereichernd und glücklich. Wir haben oft die Nächte durchgemacht und Entwürfe und Comics gezeichnet. Heute beschäftige ich mich mit der Redaktion und Zusammenstellung von neuen Comics und Büchern für Jugendliche sowie mit Buchillustrationen. Seit einigen Jahren drehen sich meine kreativen Projekte um eigene Jugendbücher und Comics in einem Stil, der sowohl aufklärend und natürlich als auch anregend und phantasievoll ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Wohnungssituation und den Wohnungskauf zum Thema Ihres Comics zu machen?

Wohnungen sind seit langem ein viel diskutiertes Thema in der chinesischen Gesellschaft. Durch die rapide wirtschaftliche Entwicklung verändert sich die traditionelle chinesische Lebensweise, die auch durch die Wohnformen bestimmt wurde, sehr stark, und das bedeutet für hunderttausende Familien in China Freude und Sorgen zugleich. Daher werde ich wohl nie alle Wohnungsgeschichten erzählen können.

Wir zeigen hier einen Ausschnitt aus Ihrem Comic Wohnungssklaven. Können Sie uns den Inhalt und die Idee hinter der Geschichte vorstellen?

Anhand der Schwierigkeiten der weiblichen Hauptperson, eine Wohnung zu kaufen, erzähle ich eine Geschichte über das Erwachsenwerden und über das Kämpfen. Gleichzeitig ist es eine Liebesgeschichte über Gefühle und Geld. Verschiedene Charaktere mit ganz verschiedenen Wertvorstellungen, die durch den Wohnungskauf deutlich werden, werden miteinander kombiniert. Das Mädchen kommt mit dem Wunsch, seine Ideale zu verwirklichen, nach Peking. Doch sie wird vom Materialismus ihrer Umgebung beeinflusst und macht sich an das mühselige Geschäft, eine Wohnung zu kaufen. Es ist ein ständiger Kampf. Erst als die Liebe sie verlässt, entdeckt sie plötzlich, dass sie den Traum, mit dem sie nach Peking kam, schon lange vergessen hat. Daher kehrt sie zum Ausgangspunkt zurück und versucht von Neuem, ihren Traum zu suchen. Es hat sich äußerlich nichts verändert, doch das Mädchen selbst ist nicht mehr das Mädchen vom Anfang: Sie sucht nun nicht nur ihren Traum, sondern auch sich selbst.

An welche Zielgruppe richten sich Ihre Comics und speziell der hier veröffentlichte?

Ich hoffe, dass fröhliche und traurige Menschen meine Comics lesen. Fröhliche sind hinterher hoffentlich noch fröhlicher, Traurige finden nach dem Lesen hoffentlich zu etwas mehr Fröhlichkeit. Ich denke, dass vielen Menschen der freie Blick versperrt ist, dass sie nie klar sehen und ihnen nicht einfällt oder sie ignorieren, was sie wirklich wollen. 

Haben Sie den Comic schon anderweitig veröffentlicht?

Dieser Comic ist bisher noch nicht veröffentlicht worden. In der letzten Zeit konnte ich aus einigen praktischen Gründen nicht mehr daran weiterarbeiten. In dieser Zeit haben sich die chinesische Wohnungspolitik und die Situation auf dem Wohnungsmarkt stark verändert. Auch mein eigenes Leben hat sich extrem verändert. Wenn ich später an diesem Comic weiterarbeite, werden garantiert sehr viel neue Geschichten und Emotionen einfließen. 

Sie haben mir erzählt, dass Sie selbst kürzlich eine Wohnung gekauft haben und umgezogen sind. Was für Erfahrungen haben Sie selbst beim Wohnungskauf gemacht?

Meine eigenen Erfahrungen sind voller Ironie: Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass der direkte Vorteil steigender Wohnungspreise sehr viel höher war als der wirtschaftliche Vorteil, den ich aus vielen Jahren kreativer Arbeit hatte. Dies ist auch der Grund, warum in China das Fieber der Wohnungsspekulation nicht abflaut, aber Comics immer noch kein Fieber auslösen. (lacht)

Welche Probleme sehen Sie für die chinesischen Stadtbewohner in Bezug auf Wohnen heute?

Wenn die Wohnungspreise weiter steigen, stehen Wohnungskäufer, die von einem Gehalt leben müssen, unter immer stärkerem wirtschaftlichen Druck. Obwohl in China kürzlich einige neue politische Maßnahmen ergriffen wurden, um das Steigen der Wohnungspreise zu bremsen und diese auch Wirkung zeigen, glauben viele meiner Freunde, dass die Preise weiter steigen werden. Viele Menschen werden daher weiter Wohnungen kaufen wollen in der Hoffnung, davon zu profitieren. Vielleicht werden auch einige, die sich keine Wohnung leisten können, es aufgeben, in großen Städten zu wohnen. 

Xia Ji'an, vielen Dank für das Interview!

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