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Portrait
Shi Ke (史可)

Shi Ke
© www.icpress.cn

Ihr erster Auslandsaufenthalt führte Shi Ke nach Deutschland. Seit diesem ersten Kontakt vor beinahe zwanzig Jahren hat Deutschland die bekannte chinesische Schauspielerin nicht mehr los gelassen.

Shi Ke wurde 1967 im Kreis Zhicheng in der Provinz Hubei geboren. 1985 schaffte sie die Aufnahmeprüfung für die Schauspielklasse der Pekinger Central Academy of Drama und zählte fortan zu den „Fünf goldenen Blumen“ der Schauspiel-Generation ´85. In China ist sie eine der bekanntesten Schauspielerinnen der letzten zwanzig Jahre. Schon während ihrer Schauspielausbildung bestritt Shi Ke ihre ersten Auftritte. Bis heute hat sie an zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Darüber hinaus konnte sie sich als Bühnendarstellerin und Moderatorin einen Namen machen und verfügt auch über gesangliche Qualitäten. Für The sun on the roof of the world (1991) erhielt sie die Edelstein-Trophäe für die beste weibliche Hauptrolle. 1994 wurde sie durch die Fernsehserie Lust und Laune《过把瘾》für die Beijing Youth Daily zur beliebtesten Schauspielerin. Mit dem Film Red Beads (1994) wurde sie auf dem internationalen Filmfest in Rotterdam ausgezeichnet. Außerdem inszenierte sie in eigener Regie das Theaterstück Illumination of Madonna《那当娜的灵光》.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich probe für ein Theaterstück, das den Umzug des Fernsehsenders CCTV in das neue Gebäude zum Anlass hat. Autor und Regisseur ist der Taiwanese Stan Lai. Das Stück beschäftigt sich mit der dreißigjährigen Geschichte des Senders CCTV. Das grobe Konzept der Geschichte steht bereits: Es geht um vier Ehepaare und einen Fernseher. Der Titel des Stücks steht jedoch noch nicht fest. Das Schauspiel soll im September auf die Bühne kommen.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Meine erste Auslandsreise begann in Deutschland, weil eine gute Freundin von mir dort lebt. 1991 besuchte ich sie, und ihr Mann machte mit uns mit dem Auto eine Rundreise durch Deutschland. In der darauf folgenden Zeit habe ich sie jedes Jahr gemeinsam mit Freunden besucht. Damals war die Diskrepanz zwischen China und dem Ausland noch sehr groß, man hatte wirklich das Gefühl, in eine andere Welt zu fahren. Dieses Gefühl ist heute nicht mehr so überwältigend. Meine Freunde ziehen mich bis heute noch ab und zu damit auf, wie erstaunt ich bei meiner ersten Deutschlandreise war.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Tatsächlich gibt es da starke Einflüsse. An Deutschland hat mich am meisten die Ordnung und Gewissenhaftigkeit beeindruckt. Die Deutschen sind wirklich sehr sorgfältig. Mein Mann ist zwar Schweizer, aber ich finde in diesem Punkt sind die Schweizer den Deutschen durchaus ähnlich. Mein Mann hält seine Bürounterlagen immer systematisch geordnet, und wenn er etwas braucht, hat er es sofort zur Hand. Dieser Ordnungssinn ging mir ursprünglich ab, aber inzwischen habe ich mir das von ihm abgeschaut und halte meine Sachen ebenfalls in Ordnung. Ich organisiere mein Leben besser, kaufe nicht einfach irgendetwas, sondern achte auf Güte und Qualität der Dinge. Anderes hat sich unterschwellig auf mein Leben ausgewirkt. Beispielsweise bügelt meine Freundin, die schon lange Jahre in Deutschland lebt, ihre gesamte Kleidung, ja sogar die Putzlappen. Irgendwann hat es mich auch erwischt, egal wie sehr im Stress oder wie müde ich bin, ich ziehe keine ungebügelten Sachen mehr an.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Auf einem Ausflug nach Neuschwanstein entdeckte ich Vögel, die ganz nah bei uns auf dem Boden hockten. Auch als wir hin und her gingen, ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen, so als wären wir gar nicht da. Ich fand das sehr erstaunlich, denn ich hatte so eine Szene zuvor noch nie beobachtet. Als ich klein war, dachten die Chinesen, wenn sie ein Tier sahen, unmittelbar daran, wie man es am schmackhaftesten auf den Tisch bringen könnte. Die Deutschen betrachten Tiere hingegen als eigenständige Lebewesen. Sie leben in Harmonie mit der Tierwelt, das hat mich tief beeindruckt.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Ich kann von keiner unguten Erfahrung berichten. Nur einmal kam es zu einer etwas peinlichen Situation. Bei unseren ersten Auslandsaufenthalten wollten wir alles kennen lernen. Also besuchten wir auch ein FKK-Schwimmbad. Da Kommilitonen, Freunde und der Mann meiner Freundin dabei waren, waren wir gehemmt und stiegen mit Badeanzügen in den Pool. Sofort hörten alle im Becken zu schwimmen auf und richteten ihre Blicke auf uns, als ob sie gleich protestieren wollten. Wir sind dann nur kurz geschwommen und haben bald das Weite gesucht.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Das Sauerkraut, das man als Beilage zu Würstchen isst, schmeckt mir sehr gut.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Das deutsche Bier finde ich am typischsten.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Deutschland hat viele Denker hervorgebracht. In allen Bereichen der Kultur gibt es herausragende Figuren. Zum Beispiel Fassbinder und Brecht beim Theater. Die Deutschen sind im Westen in allen geistigen Disziplinen führend. Die geistig-philosophischen Errungenschaften imponieren mir am meisten.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne für einen Tag tauschen?

Mit dem Model Claudia Schiffer. Mir würde es gefallen, einen Tag an ihrer Stelle zu leben. Sie hat Barbie-Maße.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Eben ihre Ordnung. In China halten sich viele Menschen nicht an die Ordnung. Zum Beispiel bewegen sich Autofahrer und Fußgänger auf den Straßen, wie es ihnen gerade in den Kram passt. Diese Undiszipliniertheit lässt einen den Eindruck gewinnen, dass das eine sehr chaotische Gesellschaft ist.

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