Stadtgeschichten: Berlin Mundraub: Obst pflücken am Straßenrand

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Screenshot | © mundraub.org

Wo kann man wildes Obst, Beeren oder Kräuter finden und kostenlos ernten? Die Internetseite Mundraub.org gibt Auskunft.

Schön sieht er aus, dieser Kirschbaum am Straßenrand. Doch wenn seine Früchte im Sommer reif sind, fühlt sich niemand verantwortlich, sie auch zu ernten. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die gerne Kirschen pflücken würden, aber von dem Baum gar nichts wissen. Für solche Fälle hat eine Gruppe findiger Berliner nun eine Lösung gefunden: Mundraub.org heißt ihre Internetseite, auf der wild wachsende Früchte auf einer Karte verzeichnet werden und eingesehen werden können. Zum einen wollen die Macher so auf Beeren, Obst oder Kräuter aufmerksam machen, die auch in einer Großstadt wild wachsen. Zum anderen geht es ihnen darum, dass Allgemeingut, wie beispielsweise auf öffentlichen Plätzen wachsendes Obst, auch von der Allgemeinheit genutzt wird. Kai Gildhorn aus Berlin ist eigentlich Ingenieur und hat Mundraub.org mitgegründet.

Kai Gildhorn:

„Auf die Idee mit der Internetseite bin ich vor ein paar Jahren gemeinsam mit Freunden gekommen. Wir haben einen Ausflug aufs Land unternommen und dabei ist uns aufgefallen, wie viele Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen, ohne dass jemand die Früchte pflückt. Auch in Berlin gibt es viele Straßen und öffentliche Parks, deren Obstbäume und Beerensträucher niemand aberntet. Auf unserer Karte, die unter www.mundraub.org im Internet zu finden ist, kann man solche Fundstellen nun eintragen oder selbst gucken, wo man kostenlos Obst ernten kann. Seit 2009 ist die Seite online. Mittlerweile hat sich das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet. Landesweit gibt es mittlerweile über 5.000 Einträge.

Damit wir rechtlich auf der sicheren Seite sind, muss man sich registrieren, bevor man eine neue Fundstelle eintragen kann. Schließlich ist es wichtig, dass niemand die private Obstwiese des Nachbarn, den er vielleicht nicht leiden kann, in der Karte verzeichnet. Allerdings kann man durchaus seinen eigenen Garten eintragen, wenn man etwa für ein paar Wochen im Urlaub ist und jemand die Pflaumen pflücken soll. Man kann einen Eintrag auch jederzeit wieder zurücknehmen.

Ob Obst, das etwa in Berlin an Hauptverkehrsstraßen wächst, belasteter ist als solches aus dem Supermarkt, dazu gibt es bislang keine Studien. Ich kenne aber Plantagen für Bio-Obst, die direkt neben Autobahnen liegen. So schlimm kann es also nicht sein.“