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Fokus: Kunstkriterien
Kunstkriterien – Was ist gute Kunst?

Eine Ausstellungshalle in dem Museum für Gegenwart, Hamburger Bahnhof, Berlin
Foto: Berndt Kühler

Egal ob in China oder in Deutschland – Kunst begegnet uns heute jeden Tag und überall. Immer mehr Kunstwerke gehen auf weite Reisen und werden auf internationalen Ausstellungen wie der Kunst-Biennale in Venedig von Menschen aus aller Welt betrachtet. Wir gehen der Frage nach, wie man in China und Deutschland über Qualität in der Kunst diskutiert.

Von Hanno Rauterberg

Darüber, was gute Kunst ist, lässt sich trefflich streiten. Im Rückblick auf vergangene Epochen urteilt es sich aus sicherer Distanz meist leichter. Wenige Auserwählte gehen in den Kanon ein, die Mehrheit wird vergessen, Einzelne bisweilen wiederentdeckt.

Gegenstand hitziger Debatten aber bleibt die zeitgenössische Kunst. Die Kriterien, die zur Begründung von Urteilen über Kunst herangezogen werden, etwa die Innovativität, die Komplexität oder die ästhetische Qualität eines Werkes, stehen in einer langen Tradition der ästhetischen Debatte und verweisen implizit auf den Stellenwert, der Kunst in einer Gesellschaft zugeschrieben wird: Kritischer Spiegel zu sein, Experimentierfeld für das Entstehen von Neuem, Reflexionsfläche oder Medium zum Anstoßen sozialer Prozesse. Doch Kunst ist heute auch ein Investitionsobjekt, dessen Wert durch Trends, Erwartungen und Spekulation festgesetzt wird. Die Summen, die dabei bezahlt werden, erreichen dabei immer schwindelerregendere Höhen. Wie zuletzt am 15. Mai, als das New Yorker Auktionshaus Christie’s in einer Auktion von zeitgenössischer Kunst 495 Millionen US Dollar umsetzte. Allein das Werk Number 19 von Jackson Pollock brachte dabei 58,3 Millionen Dollar ein. Liegen einem Markt, der derartige Werte generiert die gleichen Maßstäbe zugrunde, die in anderen Bereichen der Kunstwelt gelten, oder gelten hier andere Spielregeln? Inwiefern wirken die scheinbar immer mächtiger werdenden Marktmechanismen auf die Entstehungsprozesse von Kunst zurück?

Im Fokusthema „Was ist gute Kunst?“ nähern wir uns der Frage, was heute unter guter Kunst verstanden wird und warum. Unter den Beiträgen finden sich chinesische und deutsche Stimmen, die alle in der Kunstwelt zu Hause sind und doch ganz verschiedene Perspektiven einbringen: der Kurator des chinesischen Pavillons auf der Kunst-Biennale in Venedig, Wang Chunchen; der deutsche Kunstkritiker Hanno Rauterberg und andere Kunsthistoriker, Sammler und Journalisten. Dabei ergründen wir auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kunstkriterien in Deutschland und China. Inwieweit kommen unterschiedliche ästhetische Traditionen, Verständnisse der gesellschaftlichen Funktion von Kunst oder gegenwärtige Entwicklungen des Kunstmarktes zum Tragen?

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