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Fokus: Sex! Sex? Sex …
Sex und Gesellschaft

Aufmacher_Editorial
Foto/Courtesy: Renhang (任航)

Sex spielt sich schon lange nicht mehr nur in den Schlafzimmern der Nation ab, sondern begegnet uns heute fast überall. Darüber geredet wird aber trotzdem nur selten. Warum eigentlich? Wir widmen uns mit diesem Fokus dem wohl spannendsten Thema überhaupt.

Sex spielt sich schon lange nicht mehr nur in den Schlafzimmern der Nation ab, sondern begegnet uns heute fast überall. Darüber geredet wird aber trotzdem nur selten. Warum eigentlich? Wir widmen uns mit diesem Fokus dem wohl spannendsten Thema überhaupt.Dabei besitzt Sex in Deutschland bereits längst nicht mehr eine so starke gesellschaftliche Sprengkraft wie zu Zeiten der 1968er Generation. Dies meint zumindest Volkmar Sigusch, der weltweit den Begriff der „neosexuellen Revolution“ prägte, während der sich ihm zufolge ein sachlicher Sexualdiskurs etablierte. Dieser löste ehemalige Tabus auf und schaffte mehr und mehr Akzeptanz für zuvor als pervers empfundene Sexualpraktiken. So wurde der Weg für neue, als Neosexualitäten bezeichnete Formen der Sexualität, geebnet.

Von einer „Revolution“ mag Chinas prominentester Sexualwissenschaftler Pan Suiming (潘绥铭) nicht sprechen, wenn er den sexuellen Wandel der letzten drei Jahrzehnte in China beschreibt. Das heißt jedoch nicht, dass es keine grundlegenden Veränderungen in Chinas Sexualität gegeben hätte. Eine Ursache: Während der letzten Jahre zieht sich der Staat immer mehr aus dem Privaten zurück. Trotz geltender Verbote von Pornographie, Prostitution und selbst Gruppensex, sind die Zeiten vorbei, in denen die staatliche Sexualmoral mit Polizeigewalt in den Schlafzimmern durchgesetzt wurde. Die gleichzeitige Ausdehnung des Sexuellen in nahezu alle Gesellschaftsbereiche schafft derweil neue Freiräume für mehr Diversität.

Diesen Eindruck gewann auch Liz Tung, als sie drei von Chinas etwa 200.000 Sex-Shops besuchte. Während als Apotheken getarnte Erotikläden schon zu Beginn der 1990er Jahre chinesische Städte eroberten, bringen seit wenigen Jahren junge Entrepreneure frischen Wind in die Branche und sprechen mit gewieften Werbekampagnen, neuen Verkaufskanälen und innovativen Produkten neue Käuferschichten an.

Manche der Innovationen, die in Sex-Shops in China und anderswo schon jetzt über die Ladentheke gehen, könnten unser Verständnis von Sexualität grundlegend verändern. Bei Cybersex-Spielzeugen sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: der „Kissenger“, mit dem sich Küsse via Internet austauschen lassen, ist bloß der Beginn auf dem Weg zu ganz neuen sexuellen Erlebnissen. Der Journalist Benjamin Dürr warnt jedoch, dass mit neuen Technologien auch die Möglichkeiten sexueller Ausbeutung zunehmen werden.

Derartige Technologien werden Sex in Zukunft zudem noch leichter konsumierbar machen, als er ohnehin schon ist und könnten eine vollständige Entkopplung von Liebe und Sex herbeiführen. Chip Tsao, Journalist und Filmemacher aus Hongkong, sieht solche Tendenzen mit Sorge und warnt davor auf seine Weise: In seinem neuen Film „Enthralled“ haben Sex-Szenen selten ein Happy End.

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