Möbel der Serie Hartz IV Designermöbel zum Selberbauen

Möbel der Serie Hartz IV
Foto: Daniela Kleint

Designermöbel nicht teuer kaufen, sondern für wenig Geld selber bauen, das geht mit den kostenlosen Bauplänen eines Berliner Architekten.

Wer sein Wohnzimmer mit Designermöbeln ausstatten möchte, der muss normalerweise tief in die Tasche greifen. Oder man besorgt sich einen Bauplan von Le Van Bo und greift selbst zu Säge und Hobel. Für nur 24 Euro kann man sich so einen Sessel, für 30 Euro einen großen Esstisch bauen. Den Bauplan dafür kann man sich kostenlos im Internet herunterladen. „Hartz-IV-Möbel“ hat der Berliner Architekt seine Möbelreihe genannt, die stilistisch vom Bauhaus inspiriert ist und ihren Namen dem umgangssprachlichen Begriff für die Sozialhilfe in Deutschland verdankt.

Le Van Bo:

Angefangen hat alles im Februar 2009 mit einem Kurs an der Volkshochschule. Ich bin zwar Architekt, aber beim Bauen habe ich zwei linke Hände. Indem ich einen Stuhl nach meinem eigenen Bauplan herstellte, wollte ich meine Verlobte beeindrucken. Der Stuhl gelang ganz gut, und nachdem ich ein Bild davon ins Internet gestellt hatte, ließen die Anfragen nach Bauplänen nicht lange auf sich warten. So entstand die Idee mit den Hartz-IV-Möbeln.

Für mich geht es nicht nur um die Möglichkeit, Möbel für wenig Geld zu bauen. Ich will auch Menschen erreichen, die verzweifelt sind und in einer Krise stecken. Selbst etwas mit den Händen zu schaffen, kann ihnen neuen Mut geben. Vor diesem Hintergrund wollte ich die Möbel nach einer Sorge bzw. einem Stichwort benennen, das Leute im Internet googeln, damit die Möbel schnell gefunden werden. „Depression Furniture“ fand ich als Namen nicht so gut, so sind es „Hartz-IV-Möbel“ geworden.

Die Faulen erreiche ich mit meinem Projekt nicht, dafür aber diejenigen, die wenig Geld, aber einen hohen Anspruch haben. Das geht von der alleinerziehenden Mutter über Rentner bis hin zu Existenzgründern. Ich weiß auch von Ergotherapeuten, die die Möbel gemeinsam mit psychisch Kranken während der Therapie bauen.

Über 10.000 Baupläne habe ich mittlerweile verschickt. Bevor man einen Plan bekommt, muss man ein paar Fragen beantworten, etwa zu seiner Motivation. Man bezahlt also mit Offenheit statt mit Euros. Im Sommer 2012 erscheint zudem ein Buch. Geschrieben habe ich es gemeinsam mit der Community, die sich rund um das Projekt mittlerweile gebildet hat. Darin geht es nicht nur um die Idee und die Baupläne, sondern auch um die Geschichte der Menschen, die die Möbel nachbauen.“