Fokus: Öffentlicher Raum Kunst in der Arena

Park Fiction

Anders als im Museum ist Kunst im öffentlichen Raum niemals wirklich autonom. Während dieser Mangel einst als Möglichkeit zur Demokratisierung von Hochkultur galt, funktioniert Kunst heute zunehmend als bloßer Standortfaktor.
 

Da ein Besuch von hochkulturellen Institutionen aufgrund unterschiedlichster Vorbehalte für breite Bevölkerungsschichten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eher selten war, begannen westdeutsche Kulturpolitiker, Ausstellungen Bildender Kunst auch außerhalb der Museen zu veranstalten. Dort, im öffentlichen Raum, bot sich nicht nur genügend Platz für großformatige Skulpturen, es gab darüberhinaus auch die Möglichkeit, einem größeren Personenkreis den Kontakt mit Kunst zu ermöglichen und etwaige Hemmschwellen abzubauen.

Kunst für alle!

Innerhalb der letzten sechzig Jahre hat sich der Diskurs der „Kunst im öffentlichen Raum“ weiter entwickelt. So wurden die Skulpturen beispielsweise ortsspezifisch an bauliche und soziale Kontexte angepasst. Auch die Idee einer Öffentlichkeit, beziehungsweise von „öffentlichem Raum“ veränderte sich und zum dem Ende der 1960er Jahre begannen Künstler damit, sich unter anderem in Form von Aktionen oder Zeitschriften kritisch in gesellschaftliche Diskussionen und Prozesse einzubringen.

Daneben gab es auch Versuche der Inanspruchnahme von Kunst seitens des Staates. Mit sogenannten „Kunst-am-Bau“ Programmen wollte man beispielsweise die zunehmend als eintönig wahrgenommene Architektur menschenfreundlicher gestalten, ohne jedoch die wahren Probleme einer Stadtplanung anzugehen, die primär rational und effizient sein sollte. Auch durch partizipatorisch-alltagsorientierte Ansätze versuchte man mit Hilfe von Kunst und Kulturarbeit gesellschaftliche Probleme wie Segregation und Vereinzelung zu lösen.

Kunst für alle?

Im Kontext einer verstärkten Ökonomisierung der verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche seit den 1980er Jahren kommt es auch beim „öffentlichen Raum“ zu einer Fokussierung auf dessen Tauschwert seitens einer zunehmend unternehmerisch agierenden Stadt. In Kooperation mit privatwirtschaftlichen Investoren im Rahmen sog. Public-Private-Partnerships gilt es, eine möglichst hohe Rendite durch gezielte Vermarktung innerstädtischer Areale an Touristen und gutausgebildete Arbeitskräfte zu erzielen.

Im globalen Kampf um diese auch als qualifizierte Öffentlichkeit bezeichnete kaufkräftige Klientel greifen Städte und Regionen auf verschiedene individuelle Standortfaktoren zurück. Hier spielt auch die Kunst eine Rolle, da sie wie kein anderer Baustein im Marketing-Mix der Städte für das stark nachgefragte Image von Kreativität und Vitalität steht.

In der Folge kommt es daher zu einer Vielzahl von Kunstprojekten, die sich eher im Bereich der Eventkultur verorten lassen und bei der unter anderem weltweit bekannte Kunststars wie Olafur Eliasson oder Anish Kapoor mit ihren spezifischen künstlerischen Trademarks farbenfrohe Spektakel produzieren um damit eine entsprechende Aufmerksamkeit für den jeweiligen Standort zu generieren.

Stadt für alle!

Parallel zu einer eher affirmativen künstlerischen Praxis gibt es aber auch Künstler, die sich einer zunehmenden Instrumentalisierung der Kunst durch die Interessen der Wirtschaft kritisch entgegen stellen.

Gruppen wie Park Fiction in Hamburg beziehen sich mit ihren Arbeiten auf eine Idee von öffentlichem Raum, der primär nutzwertorientiert ist. Er bietet Möglichkeiten zur Gestaltung und Aneignung und funktioniert als durchmischter, bisweilen auch chaotischer Ort des Zusammenkommens sowie der Meinungsbildung und -äußerung.

Neben Künstlern gibt es auch andere Gruppen und Initiativen, die sich vermehrt in Recht-auf-Stadt Netzwerken zusammenschließen und sich mit Aktionen gegen Prozesse der Verdrängung und Aufwertung urbaner Areale zur Wehr setzen. Sie kämpfen für ihre Überzeugung, dass man die Gestaltung des Öffentlichen Raumes nicht den Stadtplanern überlassen darf, sondern auch Ideen und Ansprüche von Nutzern und Bewohnern berücksichtigt.

Unterstützung für diesen Ansatz gibt es von Soziologen und Stadtforschern, für die Interaktion und Kommunikation zwischen heterogenen Teilöffentlichkeiten mit den damit verbundenen Konflikten und Kompromissen integrale Bestandteile einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft darstellen. Gerade im Rahmen alltäglicher Kämpfe erlangt der Einzelne soziale Kompetenzen wie Solidarität, Toleranz und Durchsetzungsvermögen für eigene Interessen, die für ein handlungsfähiges Subjekt konstitutiv sind.

Künstler sollten es sich also gut überlegen, ob sie den Schritt in die Arena des öffentlichen Raumes wagen wollen, denn neben der verstärkten Sichtbarkeit gilt es, die spezifischen gesellschaftlichen Kontexte zu berücksichtigen, die dort bei der Beurteilung und Qualität von Kunst eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen.