Berlinale-Blogger 2015 Berlinale und die Schönheit des Zufalls

Berlinale Palast
© Berlinale

Die Berlinale ist ein bisschen wie eine Reise voller Begegnungen, ein globales Zusammenkommen gespickt mit Überraschungen und Möglichkeiten.

Filmfestivals waren schon immer ein Ort der Begegnung. Es war ebenfalls auf einem Filmfest als der Gewinner des diesjährigen Goldenen Ehrenbären, Wim Wenders, auf den legendären Filmemacher Hou Hsiao-hsien (侯孝贤) aus Taiwan traf. Das war in Tokio im Jahr 1989, dem Jahr von Hou Hsiao-hsiens A City of Sadness and Wim Wenders Notebook on Cities and Clothes. Wenders Nähe zu Taiwan besteht seitdem fort. Im Jahr 2008 wurde er sogar Produzent des Films Au Revoir Taipei, eine außergewöhnliche Filmsinfonie des amerikanisch-taiwanischen Filmemachers Arvin Chen. Für den Film ging Wenders in Taipei auf Drehortsuche, ganz aus der Perspektive eines Flaneurs und Kartenzeichners. Das ist das Wunderbare an Filmfestivals, sie ermöglichen diese wertvollen und dauerhaften Bündnisse, aus denen große Filmkunst entstehen kann.

Auf der Berlinale 2015 habe ich die anderen Blogger des Goethe Instituts getroffen, eine bunte Truppe aus verschiedenen Gegenden der Welt. Unter ihnen befand sich Jessica Peiyu Wu, deren Reise zur Berlinale vom Goethe-Institut in Hong Kong gesponsert wurde. Sie fühlte sich inspiriert von Berlins Liebe für Filmkunst und von der Direktheit des Publikums. Im Verlauf des üblichen Party-Hoppings fand ich mich irgendwann auf einem gemeinsamen Foto mit Samantha Fuller, der Regisseurin von A Fuller Life wieder, gab einem deutschen Kurator, der vom Goethe-Institut Taipei zu einem Workshop eingeladen war, Reisetipps, unterhielt mich mit einem Programmierer aus dem koreanischen Busan über die „Nuss-Affäre“ und tauschte Festivaltipps aus mit der glamourösen Schauspielerin Camila Márdila aus The Second Mother, dem Gewinner des Panorama Publikumpreises 2015. Auf der Korea-Party stieß ich außerdem auf das Team von Paradise in Service, dessen Regisseur wortwörtlich vor mich zurückwich sobald er die Worte „Filmkritikerin“ aus meinem Mund hörte.

Die Berlinale ist eine Menge Dinge gleichzeitig. Es geht um den Farbcode der vergebenen Armbändchen, um Festivaltaschen (wobei die diesjährige Edition eher für den Strand im Sommer statt für das Kino im Winter geeignet scheint), um schickes Schwarz und um adrenalingefüllte Spannung. Doch noch viel wichtiger – es ist eine Feier des Kinos, ein Treffpunkt und Marktplatz. Trotz des anhaltenden Schlafmangels habe ich jede Sekunde dieser elektrisierenden Berlinale-Woche geliebt, mit all ihrer Unvorhersehbarkeit und ihren Abenteuern.