Medien China in den deutschen Medien

China in der Deutschen Presse
Foto: Frank Bugge

Ob Presse, Fernsehen oder Radio: deutsche Medien berichten nahezu täglich über China. Dass sie auch die Schattenseiten der chinesischen Gesellschaft beleuchten, entspricht dem deutschen Verständnis von Medienvielfalt und Pressefreiheit.

Am 16. April 2008 erschien in der „tageszeitung“ (taz) ein Artikel des Sinologen Thomas Heberer. Darin kritisierte Heberer die China-Berichterstattung der westlichen – und insbesondere der deutschen – Medien. Die deutschen Medien, so seine These, entwürfen nur einseitige Bilder von China: So habe man in den 1990er Jahren Chinas wirtschaftlichen Aufstieg idealisiert – um nur wenige Jahre später ein „negatives Zerrbild“ von China zu entwerfen: Das Thema „Tibet“ habe zu diesem Negativbild noch zusätzlich beigetragen. Ähnlich kritisch äußerte sich etwa zwei Monate später der Chinakorrespondent Christoph Hein in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Auch Hein beklagte die seiner Ansicht nach vorherrschende Tendenz, China für die globalen Probleme unseres Planeten verantwortlich zu machen: für die Plünderung natürlicher Ressourcen ebenso wie für Menschenrechtsverletzungen und die Unterstützung afrikanischer Diktatoren. Aber: Trifft die von Heberer und Hein geäußerte Kritik wirklich zu? Und: Handelt es sich wirklich darum, China im Vorfeld der Olympischen Spiele „schlechtzuschreiben“, wie auch einige Chinesen in Deutschland mutmaßen?

China-Themen in deutschen Medien

Die Tatsache, dass die beiden hier zitierten Artikel in großen überregionalen deutschen Zeitungen erschienen sind, widerlegt bereits die These von der Medienverschwörung gegen China. Eher trifft zu: Noch nie wurde das deutsche Medienpublikum über so zahlreiche Aspekte chinesischer Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft informiert wie heutzutage. Ob über erfolgreiche chinesische Unternehmer, Chinas Wanderarbeiter, chinesische Bürgerinitiativen, eine Erfolgsshow auf CCTV, die Tradition der „Wushu“-Kampfkünste, Chinas Außenpolitik in Afrika, Chinas Geschichte, Bildende Künstler und Philosophen – die Liste der China-Themen, die allein in den Monaten Juni, Juli 2008 in Deutschland gesendet oder per Zeitung und Zeitschrift publiziert wurden, ist beeindruckend. Noch in den 1980er Jahren wurde China in der deutschen Öffentlichkeit vorwiegend als "Dritte Welt-Entwicklungsland" betrachtet, dessen Entwicklung man aus der Perspektive eines Landes der „ersten Welt“ mehr oder weniger wohlwollend beurteilte. Diese Perspektive hat sich grundlegend gewandelt. In der Berichterstattung deutscher Medien nimmt China längst den gleichen Rang ein, wie etwa die USA, Polen oder Frankreich - was aber auch bedeutet: China wird ernst genommen. Eine "wohlwollende" Sicht "des Westens" etwa auf bestimmte politische Erscheinungen in China, die mit dem Verweis auf eine angebliche "Unterentwicklung" des Landes gerechtfertigt werden, gibt es nicht mehr. Die Innen- und Außenpolitik Chinas wird in ähnlicher Weise beobachtet wie diejenige anderer Nationen. Und da die Medien in Deutschland keiner politischen Zensur durch die Behörden unterliegen, werden zu denselben Themen sehr unterschiedliche Einschätzungen, Meinungen und Kommentare veröffentlicht.

Wie berichten deutsche Medien?

Auf welche Weise deutsche Medien berichten, ist dabei von zahlreichen Faktoren abhängig: vom jeweiligen Publikum, von Marketing-Erwägungen, aber auch von den Meinungen und Einschätzungen innerhalb eines Redaktionsteams. Und nicht zuletzt ist eine differenzierte, sachliche China-Berichterstattung auch davon abhängig, ob der betreffende deutsche Journalist in China selbst frei recherchieren kann…

Aus diesen Faktoren formt sich das publizistische Chinabild in Deutschland: ein Chinabild mit höchst unterschiedlichen Facetten, das auf Pauschalurteile zunehmend verzichtet und stattdessen den Blick auf einzelne Phänomene richtet: auf moderne Architektur in China, auf einzelne Intellektuelle, auf die chinesische Küche. Dieser Facettenreichtum schließt freilich auch den kritischen Blick mit ein. Es wäre jedoch verfehlt, daraus auf eine politisch motivierte „Verschwörung gegen China“ schließen zu wollen. Dass beispielsweise manche außenpolitischen Aktionen des US-Präsidenten Bush in vielen deutschen Tageszeitungen sehr kritisch beäugt werden, bedeutet keineswegs, dass diese Redaktionen die Vereinigten Staaten pauschal publizistisch angreifen wollten. Dasselbe gilt auch für die China-Berichterstattung. Dass letztere von Zeit zu Zeit auch in Deutschland diskutiert wird, belegt, dass eine freie Presse auch über ihre eigene Berichterstattung nachzudenken bereit ist. Aus der Vielfalt der medial vermittelten Chinabilder muss sich der deutsche Mediennutzer selbst das heraussuchen, was ihn interessiert. Es wäre zu wünschen, dass die Vielzahl der China-Perspektiven noch intensivere Gespräche zwischen Deutschen und Chinesen anregen mögen.