Gesellschaft und Medien Der Mauerfall aus chinesischer Sicht

Vor dem Reichstag am Tag der Deutschen Einheit in Berlin 3.10.1990
Vor dem Reichstag am Tag der Deutschen Einheit in Berlin 3.10.1990 | © Bundesregierung/Foto: Christian Stutterheim

Der Historiker Li Wei (李维) von der Peking Universität über die Reaktionen der chinesischen Regierung auf die „Umwälzungen in Osteuropa“ und die deutsche Wiedervereinigung.

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Dieses Ereignis markierte das Ende der sich in Ost und West gegenüberstehenden Blöcke, das Ende der deutschen Teilung nach dem Krieg. Im fernen Osten beobachtete China aufmerksam, wie sich die Situation entwickelte. Dabei unterzog die chinesische Regierung ihre Einordnung der Vorfälle angefangen bei den „Umwälzungen in Osteuropa “ bis zur „Deutschen Wiedervereinigung“ einer raschen Revision. 

„Dong`ou jubian - Umwälzungen in Osteuropa“, lautete die Formulierung in den amtlichen chinesischen Medien. Dem Wortlaut nach hieß das, dass es in den sozialistischen Staaten Osteuropas zu einer gewaltigen und dramatischen Veränderung der politischen Situation gekommen war. Dies war eine ziemlich vorsichtige und vage Formulierung, denn tatsächlich bezog sie sich auf den Zusammenbruch der sozialistischen Regime in Osteuropa, darauf, dass aus sozialistischen Systemen kapitalistische wurden. Der Fall der Berliner Mauer als das entscheidende Ereignis innerhalb dieser „Umwälzungen in Osteuropa“ besaß für die damalige chinesische Regierung eine stark ideologische Konnotation und hohe politische Brisanz. Zudem stand er in engem Zusammenhang mit Chinas innenpolitischer Lage.

1989 war sowohl für China als auch für die Welt ein unruhiges Jahr. Im Januar war es in Tschechien zu umfangreichen Demonstrationen gekommen. Im Mai wurden in Bulgarien die Grenzen geöffnet und zahlreiche Muslime emigrierten in die Türkei. Im Juni gewann die Solidarność in Polen die Wahlen. Im August und Oktober kam es in Tschechien erneut zu Großdemonstrationen. Im November fiel die Berliner Mauer. Im Dezember kam es in Rumänien zu Unruhen, in deren Verlauf Ceausescu, Staatspräsident und Vorsitzender der Kommunistischen Partei, auf der Flucht festgenommen und hingerichtet wurde. Bis zum Sommer 1990 bröckelten die kommunistischen Regime in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, der DDR und Rumänien nach und nach ab. Auch in China gab es zwischen Frühling und Sommer 1989 politische Unruhen. Ausgehend von Peking kam es in vielen chinesischen Großstädten zu umfangreichen Protesten. Zahlreiche Studenten, Arbeiter und Bürger gingen auf die Straße, verlangten von der Regierung, gegen die Korruption einzuschreiten und forderten mehr Demokratie und Menschenrechte. In Peking hielten die demonstrierenden Massen über viele Wochen den Platz des Himmlischen Friedens besetzt und errichteten vor Ort eine Statue, die „Göttin der Demokratie“. Schließlich entsandte die Regierung Truppen in die Stadt, welche den „konterrevolutionären Unruhen, die auf den Umsturz des sozialistischen Systems abzielten“ am 4. Juni ein Ende setzten. Aus Sicht der chinesischen Regierung befanden sich China und die sozialistischen Staaten Osteuropas allgemein in einer politischen Krise, „die sozialistische Weltbewegung hatte einen Tiefpunkt erreicht“. Der Fall der Berliner Mauer verstärkte diese Krise zweifelsohne noch.

Aus Sicht der chinesischen Führung gehörten China und Ostdeutschland gleichermaßen dem sozialistischen Lager an und verfügten über ein identisches Gesellschaftssystem. Ausgehend von der gemeinsamen Ideologie sowie den eigenen innenpolitischen Erfordernissen nahm China gegenüber der SED-Regierung der DDR eine von Verständnis und Mitgefühl geprägte Haltung ein. Was die chinesische Regierung nicht sehen wollte, war der Zusammenbruch des sozialistischen Regimes in Ostdeutschland.

China und die DDR pflegten seit langem diplomatische Beziehungen. 1949 hatte die Kommunistische Partei (KPCh) das chinesische Festland vereint und am 1. Oktober die Volksrepublik China ausgerufen. Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet. Bereits am 27. Oktober nahmen die beiden Länder diplomatische Beziehungen auf. Da DDR-Staatschef Ulbricht in den 60er Jahren seine Politik eng an Chruschtschow anlehnte, kühlte das Verhältnis der beiden Länder zwischenzeitlich ab, fand aber in den 80er Jahren wieder zur Normalität zurück. 1986 besuchte Honecker als Generalsekretär der SED die Volksrepublik. 1987 stattete Zhao Ziyang (赵紫阳), zu jener Zeit Generalsekretär der KPCh und chinesischer Ministerpräsident, der Deutschen Demokratischen Republik einen Gegenbesuch ab. Nach den „Geschehnissen vom 4. Juni“ bekundete die ostdeutsche Regierung ihre Unterstützung der drastischen Maßnahmen Pekings zur Niederschlagung des „Aufruhrs“. Anfang Oktober 1989 besuchte der stellvertretende Ministerpräsident Yao Yilin (姚依林) mit einer Delegation aus Parteikadern und Regierungsvertretern Ostdeutschland, um an den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR-Staatsgründung teilzunehmen. Beide Seiten bestätigten sich gegenseitig die Erfolge beim vierzigjährigen Aufbau des Sozialismus, und bekräftigten ihre Entschlossenheit, am sozialistischen Weg festzuhalten.

Bis Mitte November 1989 standen beide Länder politisch und kulturell in einem regen Austausch. Alles lief in geordneten Bahnen. Die amtlichen Medien in China berichteten wie in der Vergangenheit auch über die Gesellschaft und das Leben in Ostdeutschland. So konnte man Ende August lesen, dass der Deutsche Journalistenverband am sogenannten „Tag der Solidarität“ auf dem Alexanderplatz in Berlin einen Wohltätigkeitsbasar organisiert hatte, dessen Einnahmen in die Entwicklungshilfe fließen sollten. Noch mehr deutete der Kulturaustausch auf die innenpolitische Stabilität in beiden Ländern und die Harmonie ihrer Beziehungen hin. Anfang September etwa schickte das Peking Hotel Spitzenköche und Servicekräfte nach Ostberlin, um dort das „Peking-Restaurant“ zu eröffnen. Um den 40. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen China und der DDR zu feiern, veranstaltete die Ost-Berliner Stadtregierung vom 7. Bis zum 25. September „Peking-Wochen“. Anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der DDR fanden Anfang Oktober im „Pekinger Kulturpalast der Nationalitäten“ DDR-Filmwochen statt. Noch am 13. November, als die Berliner Mauer bereits gefallen war, trat eine Gesang- und Tanztruppe der Nationalen Volksarmee der DDR in China auf.

Die chinesische Regierung hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Lage in Ostdeutschland innerhalb kürzester Zeit so dramatisch verändern könnte, und die Berliner Mauer in nur einer Nacht fallen würde. Am 9. November beschloss die Führung der DDR, dass DDR-Bürger unmittelbar über die Grenze dürften, um in die Bundesrepublik zu reisen. Durch die Berichterstattung der offiziellen chinesischen Medien sah man auch in China die Bilder von den ostdeutschen Bürgern, die sich an den Wachposten der innerdeutschen Grenze und zwischen Ost- und Westberlin sowie in den Polizeirevieren der DDR drängten, um die Ausreise zu beantragen. Im Auto oder zu Fuß strömten die Menschen über die Grenze und drängten in die Straßen und Gassen von Westberlin. Nach ersten Statistiken waren bereits Zehntausende in Westberlin eingetroffen. Am 17. November 1989 gab Ministerpräsident Li Peng (李鹏), der sich auf Staatsbesuch in Brasilien befand, eine Pressekonferenz. Als er zu der aktuellen Situation in der DDR und den osteuropäischen Ländern befragt wurde, antwortete Li Peng, in einigen osteuropäischen Staaten mit sozialistischem System, einschließlich der DDR, sei es in letzter Zeit zu „erstaunlichen“ Veränderungen gekommen. Das Adjektiv „erstaunlich“, das er an dieser Stelle verwendete, bezog sich nicht allein auf das Tempo, mit dem sich die Dinge entwickelt hatten, sondern auch darauf, wie schwerwiegend die Vorfälle an sich waren.

Für die chinesische Regierung bedeutete der Fall der Berliner Mauer zwar, dass das sozialistische Regime Ostdeutschlands in einer ernsthaften Krise steckte, keineswegs jedoch, dass sich die politische Macht aufgelöst hatte, beziehungsweise auflösen würde. Die Führung Chinas erwartete, dass man in Ostdeutschland die Krise überwinden, und auch zukünftig den sozialistischen Weg beschreiten würde.

Würde sich die sozialistische Herrschaft in Ostdeutschland halten können, würde auch die Regierung der KPCh international größere Unterstützung finden, um dem Druck aus dem Westen standzuhalten. In den Augen der chinesischen Führung sahen sich die sozialistischen Regime in China und Osteuropa gemeinsam der Gefahr ausgesetzt, dass ihre Staatsmacht durch äußere Kräfte gestürzt würde. Am 9. Juni hielt Deng Xiaoping (邓小平) als Vorsitzender der Zentralen Militärkommission vor den Führungskadern der Truppen, die den Ausnahmezustand während der Tian’anmen-Proteste durchgesetzt hatten, eine Rede, in der er hervorhob: „Zu diesen Turbulenzen musste es früher oder später kommen. Das liegt an der internationalen Großwetterlage sowie an Chinas eigener Kleinwetterlage, sie mussten kommen, und waren durch menschliche Willenskraft nicht abzuwenden...“ Mit „Großwetterlage“ waren die subversiven Anfechtungen der sozialistischen Staatsregime durch die westlichen Länder gemeint. Li Peng sagte am 9. September bei einem Empfang ausländischer Gäste: „China will zwar den Kontakt zum Westen, aber es wird sich auch vor äußerer Subversion hüten.“ Anfang Oktober sagten ostdeutsche Führungskader beim Treffen mit jener Delegation aus chinesischen Partei- und Regierungsvertretern, dass auch wenn die Entspannungspolitik nicht umkehrbar sei, so doch die imperialistischen Kräfte „niemals ihre Absicht aufgeben werden, uns zu zerstören.“ Sie seien gerade jetzt dabei, eine Offensive gegen den Sozialismus in Gang zu setzen, wobei die DDR in der Schusslinie stände. Ostdeutschland bekräftigte außerdem sein Verständnis und seine Unterstützung dafür, dass China die konterrevolutionäre Revolte zum Abebben gebracht habe. Die chinesische Seite wiederum bekundete Verständnis für die momentanen Schwierigkeiten in Ostdeutschland. In einer Situation, in der die chinesische Regierung nach den „Vorfällen des 4. Juni“ dem Druck der internationalen Gemeinschaft ausgesetzt war, half die Solidarität Ostdeutschlands, diesen Druck zu mildern. 

Für China war die Fortdauer des ostdeutschen Regimes nicht allein hinsichtlich der internationalen Solidarität von Bedeutung. Gelänge es der ostdeutschen Regierung, den Sozialismus durch Reformen zu retten, hätte dies noch mehr Chinesen davon überzeugen können, dass die von Deng Xiaoping implementierte Politik richtig sei. Und hätte zweifellos dazu beigetragen, die innenpolitische Stabilität Chinas zu wahren. In den fast dreißig Jahren nach der Staatsgründung im Jahr 1949 hatte das Land durchweg unter dem Einfluss einer extrem linken Politik gestanden. Dieser ultralinke Kurs hatte in der von Mao Zedong (毛泽东) entfesselten Kulturrevolution seinen Höhepunkt ereicht. Als Mao 1976 starb und die Kulturrevolution zu Ende ging, stand Chinas Wirtschaft vor dem Zusammenbruch. 1978 nahm China Abstand von seiner linksradikalen Politik und begann Deng Xiaopings Kurs von der „Reform und Öffnung“ umzusetzen. In nicht einmal zehn Jahren kam es in China zu enormen positiven Veränderungen. Das Volk konnte sich wieder satt essen und hatte Fleisch auf den Rippen. Gleichzeitig öffnete sich für die chinesische Bevölkerung der Blick auf die Außenwelt, und sie sah, wie krass ihr materieller Lebensstandard im Vergleich zu dem in westlichen Industrieländern abfiel. Die Politik Deng Xiaopings lässt sich sowohl als ein Festhalten am Sozialismus, wie auch an der Reform- und Öffnungspolitik umreißen. Nach dem 4. Juni 1989 kam noch eine weitere Maxime hinzu: Unruhen werden in keiner Weise toleriert, alles hat sich der Stabilität zu beugen. 

Ausgehend von diesen drei politischen Glaubenssätzen Deng Xiaopings, stellten die amtlichen Medien in China das Verhalten der ostdeutschen Regierung in der Krise als „positiv“ heraus. Bezüglich Punkt eins, dem Festhalten am sozialistischen Weg, berichteten sie Anfang November über eine Rede des SED-Generalsekretärs Egon Krenz. Dieser habe darauf hingewiesen, dass an der sozialistischen Zukunft der DDR kein Zweifel bestehen könne, und dass man die Führungsrolle der SED-Regierung nicht unterschätzen dürfe. Die SED sei am besten in der Lage, Konzepte zu finden, um die Probleme zu lösen, welche beim Fortschreiten des Sozialismus zu Tage träten. Die Wende, die in allen gesellschaftlichen Bereichen der DDR eingesetzt habe, bedeute mitnichten die Abkehr vom Sozialismus, sondern dessen Stärkung. Nachdem am 9. November die Berliner Mauer gefallen war, berichtete man auf chinesischer Seite einerseits über den Strom der Ostdeutschen in den Westen, andererseits auch darüber, dass die SED ihr Festhalten an der marxistisch-leninistischen Weltsicht betonte. Anfang Dezember verkündete die Parteizentrale der SED ihren geschlossenen Rücktritt, und richtete einen provisorischer Arbeitsausschuss der Partei ein. Dieser äußerte, man wolle den Sonderparteitag gewissenhaft vorbereiten, damit es auf ihm gelinge, in Deutschland einen „neuartigen Sozialismus“ aufzubauen. Kurzum, China machte durch diese Berichte deutlich, dass, auch wenn die Mauer nun gefallen war, der Sozialismus der DDR nicht in Frage gestellt werden dürfe, und dass die DDR nicht in ihrem Entschluss wanke, den sozialistischen Weg zu gehen.

In Punkt zwei, der Frage der Reformen, stellte die chinesische Seite in ihren Berichten die Auffassung der SED über den Zusammenhang von Reform und Sozialismus einerseits sowie Reform und Stabilität andererseits heraus. Die SED bekunde immer wieder, Reformen seien notwendig, um einen noch schönerer Sozialismus zu verwirklichen. Die Reformen bedeuteten nicht, dass man den Sozialismus zurückschrauben wolle, sondern dass man den Sozialismus mehr und besser betreiben wolle. Reformen seien notwenig und an der Zeit, betone die SED weiter, aber sie dürften nicht die nationale Stabilität zerstören. In Punkt drei, der Intoleranz gegenüber Unruhen, lag der Fokus der chinesischen Berichte darauf, dass die DDR-Regierung keinerlei Unruhen zulasse. Im Dezember 1989 war unter anderem in Dresden und Rostock in einigen Dienststellen die Arbeit zum Erliegen gekommen, nachdem die Ämter gestürmt und besetzt worden waren. Modrow mahnte, die DDR toleriere es absolut nicht, dass in irgendeiner Weise gegen Recht und Ordnung verstoßen werde. Man müsse für die Sicherheit von Leben und Vermögen des Volkes garantieren, müsse die Waffen in die Hände zuverlässiger Personen geben, und werde nicht dulden, dass wichtige staatliche Behörden angegriffen würden. All diese Berichte trugen wesentlich dazu dabei, die innerchinesische Propaganda „gegen den friedlichen Wandel im Westen“ zu intensivieren, die gesellschaftliche Lage in China zu stabilisieren und die „proletarische Diktatur“ der Kommunistischen Partei Chinas zu konsolidieren.

Auch wenn der chinesischen Regierung sehr wohl bewusst war, dass sich die Beibehaltung des sozialistischen Kurses in Ostdeutschland positiv auf die Stabilisierung der politischen Verhältnisse im eigenen Land auswirken würde, hielt sich China an seinen Grundsatz der „Nichtintervention“. „China mischt sich prinzipiell nicht in die Innenpolitik fremder Länder ein“, erklärte Ministerpräsident Li Peng eine Woche nach dem Fall der Berliner Mauer. Auch wies er ausdrücklich darauf hin, dass China sich aus den internen Angelegenheiten der Parteien heraushalte, mit welchen die KPCh Kontakte und freundschaftliche Beziehungen pflegte. Dies sei einer der Grundsätze Chinas. Tatsächlich war dies nicht nur Chinas Haltung gegenüber der ostdeutschen Regierung, sondern auch angesichts der Umwälzungen in Osteuropa. Als es im Dezember 1989 zu Unruhen in Rumänien kam, in deren Verlauf Ceausescu heimlich exekutiert wurde, erklärte das chinesische Außenministerium auf einer Pressekonferenz: „China vertritt seit jeher die Auffassung, dass die Vorfälle, welche sich derzeit in einigen Staaten Osteuropas ereignen, deren innere Angelegenheiten sind. China mischt sich nicht in die Innenpolitik anderer Länder ein. Wir sind überzeugt, dass das rumänische Volk in der Lage ist, seine eigenen Belange zu regeln.“ Aber nicht nur das, selbst in ideologischer Hinsicht räumte sich die chinesische Führung relativ großzügigen Handlungsspielraum ein. So hatte die Regierung von Anfang an betont, Deng Xiaoping würde einen „Sozialismus chinesischer Prägung“ implementieren. Der chinesische Sozialismus habe sein eigenes Schicksal und folge seiner eigenen Verlaufskurve. Das Schicksal der kommunistischen Parteien in Ostdeutschland und Osteuropa habe keine Macht über das Schicksal der KPCh. In diesem Sinne äußerte sich am 17. November auch Li Peng: „Die Entscheidung Chinas für ein sozialistisches System ist aus historischen Gründen und aufgrund der nationalen Bedingungen die korrekte Wahl. China wird sein nationales System nicht aufgrund der europäischen Vorkommnisse ändern.“ Das Prinzip der „Nichteinmischung“ in der Außenpolitik, die Betonung der „chinesischen Prägung“ in punkto sozialistische Ideologie und die Abgrenzung des eigenen politischen Schicksals von dem der DDR halfen der chinesischen Führung, sich rasch mit dem zu Recht zu finden, was der „Berliner Mauerfall“ ins Rollen bringen sollte. Flugs lenkte sie ihren Blick und ihre Aufmerksamkeit von den „Umwälzungen in Osteuropa“ auf die „Deutsche Wiedervereinigung“.

Für die chinesische Regierung bedeutete die „Deutsche Wiedervereinigung“, dass die deutsche Nation nach fast einem halben Jahrhundert der Trennung im Anschluss an den zweiten Weltkrieg wieder einen geeinten Staat bilden, und sich die geopolitische Lage somit einschneidend verändern würde. In den zwei Jahrzehnten, die zwischen 1989 und 2009 liegen, ist die ideologische Bedeutung, welche sich für die chinesische Regierung mit der Frage der „Deutschen Wiedervereinigung“ verband, allmählich verblasst. Es waren die Entwicklungen in China sowie die veränderte internationale Lage, welche zu diesem Wandel beigetragen haben.

Noch am Ende desselben Monats, in dem die Berliner Mauer fiel, brachte Bundeskanzler Helmut Kohl sein „Zehn-Punkte-Programm“ auf den Tisch. Dieses erweckte bei der chinesischen Regierung den Eindruck, die Wiedervereinigung würde aller Wahrscheinlichkeit nach darauf hinauslaufen, dass Westdeutschland die DDR einfach „schlucken“ und das sozialistische Ostdeutschland verschwinden würde. Während die chinesische Berichterstattung die Kritik Ostdeutschlands an dem „Zehn-Punkte-Programm“ unterstützte, hieß es aus Ostdeutschland, die Wiedervereinigung stehe nicht auf der Tagesordnung. Ausgangspunkt der deutsch-deutschen Beziehungen seien gegenseitige Achtung sowie die Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität, Gleichberechtigung und beiderseitiger Nutzen. Weder werde sich die DDR an irgendjemanden verkaufen, noch werde sie mit irgendeinem Land fusionieren. Diese Haltung änderte sich im Februar 1990, als die DDR-Regierung ihrerseits unter Modrow das Konzept "Für Deutschland, einig Vaterland" vorlegte. Am 9. Februar äußerte das chinesische Außenministerium auf einer Pressekonferenz, man verstehe den Wunsch des deutschen Volkes nach nationaler Einigung. Von chinesischer Seite hieß es, man habe sowohl das Programm Kohls als auch die Pläne Modrows zur Kenntnis genommen, und hoffe, beide Seiten würden von der Wiedervereinigung profitieren. In China schlugen die Meldungen zur deutschen Wiedervereinigung nun einen neutraleren Ton an, und ab Mitte Mai 1990 fiel die Berichterstattung zur Wiedervereinigung in den amtlichen Medien zu Gunsten der Bundesrepublik Deutschland aus. Wurde die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung rekapituliert, schrieb man der Bundesrepublik eine aktive und positive Rolle zu: Historisch habe sie durch die „Neue Ostpolitik“, die Grundlagenverträge sowie eine Reihe von Abkommen zur Entwicklung der deutsch-deutschen Beziehungen beigetragen, den Kontakt und Austausch zwischen den Menschen zu beiden Seiten der Grenze vertieft, und so ein gemeinsames Nationalgefühl aufrecht erhalten. Im Gegensatz dazu wurde die Rolle der DDR als passiv und negativ abgestempelt: Sie habe auf dem Unterschied zwischen der sogenannten „sozialistischen deutschen Nation“ und der „kapitalistischen deutschen Nation“ und auf der ideologischen Abgrenzung von Westdeutschland beharrt, und so einer Annäherung der Menschen beider deutschen Staaten im Wege gestanden. Am Abend des 2. Oktober 1990 verkündete Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Ansprache: „Deutschland, unser Vaterland, ist wieder vereint.“ Um Mitternacht läutete die Glocke im Schöneberger Rathaus zu Berlin die Wiedervereinigung ein, und auf dem Reichstag wurde die schwarz-rot-goldene Flagge gehisst. Die Einigung der zwei deutschen Staaten war vollzogen. Die chinesische Regierung reagierte prompt und positiv. Am 3. Oktober sagte der chinesische Außenminister Wu Xueqian (吴学谦) bei einem Treffen mit Hanspeter Hellbeck, dem deutschen Botschafter in China: „Die Regierung und das Volk Chinas verstehen, unterstützen und nehmen Anteil an dem Wunsch des deutschen Volkes, sich wieder zu vereinigen. Wir respektieren die Entscheidung des deutschen Volkes und begrüßen, dass es in Deutschland endlich zu einer friedlichen Wiedervereinigung gekommen ist.“ Wu meinte außerdem, China habe in der Vergangenheit gute Beziehungen zu beiden deutschen Staaten gehabt. Man hoffe, das wiedervereinigte Deutschland werde basierend auf den Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz in Zukunft die bereits bestehenden.

In der Frage der Wiedervereinigung hatte die chinesische Regierung ihre ideologischen Einwände schnell ad acta gelegt. Sie tat dies vor allem aus folgenden Gründen: Erstens war die DDR bereits gescheitert. Ostdeutschland besaß keine Glaubwürdigkeit mehr, den Leuten plausibel zu machen, dass der Sozialismus überlegen sei, beziehungsweise, dass es richtig sei, den Sozialismus durch Reformen zu verbessern. Wenn man schon unbedingt in ideologischer Hinsicht über Ostdeutschland sprechen wollte, dann nur zu dem Zweck, „Lehren aus dem Sozialismus zu ziehen“. 

Zweitens wäre es für die chinesische Innenpolitik sowie für die Wahrung der nationalen Einheit und Unversehrtheit nicht von Vorteil gewesen, in der Frage der deutsch-deutschen Wiedervereinigung die Ideologie hervorzuheben. Die Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 hatte nicht nur bedeutet, dass China ein sozialistisches System einführte, sie symbolisierte darüber hinaus die erneute Einigung Chinas. Nach dem Sturz der Qing-Dynastie im Jahr 1911 war China im Kriegschaos der sich bekämpfenden Warlords versunken. Vor 1949 hatte die Chinesische Nationalpartei Kuomintang (KMT) unter der Führung Chiang Kai-sheks (蒋介石) de facto nur die südöstlichen Küstenregionen Chinas kontrolliert, während die anderen Provinzen weiterhin von den Kriegsherren beherrscht wurden. 1949 war es der Kommunistischen Partei erneut gelungen ein einheitliches Regime zu etablieren, das im Westen bis in die Provinz Xinjiang, im Osten bis an die Küste, im Norden bis in den Kreis Mohe an der russischen Grenze und im Süden bis zu den Inseln des Südchinesischen Meeres reichte. Die Kuomintang zog sich daraufhin nach Taiwan zurück. Bis heute erkennt Taiwan die Volksrepublik nicht als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas an und unterhält weltweit zu wenigen Ländern diplomatische Beziehungen. Die KP-Regierung träumt seit jeher davon, die „große Aufgabe der Wiedervereinigung des Vaterlandes“ zu vollenden. Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte Deng Xiaoping die Idee „Ein Land zwei Systeme“ (Yi guo liang zhi) formuliert, um so von England und Portugal die Souveränität über Hongkong und Macao zurückzuerhalten. Der Grundgedanke war dabei Folgender: Unter der Prämisse, dass es nur ein China gäbe, würde das Kernland am sozialistischen System festhalten; Hongkong, Macao und Taiwan indessen würden über einen langen Zeitraum das in ihnen geltende kapitalistische System unverändert beibehalten können. Mittels dieses ideologisch verwässerten und flexiblen Konzepts von „Ein Land, zwei Systeme“ holte China in den 1990er Jahren Hongkong und Macao erfolgreich zurück, und kam auf seinem Weg zu einem friedlich vereinten Vaterland einen großen Schritt voran.

Auf die von Deng Xiaoping vorgelegte Strategie „Ein Land, zwei Systeme“ antwortete Taiwan mit „Ein Land, ein gutes System“ (Yi guo liang zhi), und wehrte sich so gegen Deng Xiaopings Konzept und seinen Plan einer Einigung unter einem im Kern sozialistischen System. Die Zeichen“两” und “良”, in denen sich die beiden Devisen unterscheiden (Anm. d. Übers.), werden im Chinesischen gleichermaßen „liang“ ausgesprochen. Die Silben der Schriftzeichen lauten also gleich, sie werden nur etwas anders betont. Das “liang” in der taiwanesischen Devise bedeutet „gut“, und mit einem „guten System“ sind hier die „Drei Prinzipien des Volkes“ sowie der Kapitalismus gemeint. Mit dem „schlechten System“ war hingegen der Sozialismus auf dem chinesischen Festland impliziert. Aus der Sicht von Taiwans Kuomintang lieferte die Wiedervereinigung der zwei deutschen Staaten im Oktober 1990 den schlagenden historischen Beweis: Das kapitalistische Westdeutschland hatte das sozialistische Ostdeutschland unter seiner Flagge vereint; das „gute System“ hatte über das „schlechte System“ triumphiert; das „gute System“ hatte endgültig den Sieg davon getragen. Am Tag nach der Wiedervereinigung äußerten sich hochrangige Politiker Taiwans auf einer Kabinettssitzung des Exekutiv-Yuan: „Die deutsche Wiedervereinigung liefert den Beweis: Das schlechte System wird immer im guten System aufgehen, und das schlechte System muss die Ratio des guten Systems akzeptieren.“

Die offiziellen Stellen des chinesischen Festlands wiesen diesen Standpunkt zurück, verzichteten aber darauf, deswegen eine größere ideologische Offensive zu starten, denn erbitterte ideologische Wortgefechte hätten nur die politische Atmosphäre zu beiden Seiten der Taiwanstraße in Mitleidenschaft gezogen und die Gegensätze zwischen dem Festland und Taiwan vertieft. Taiwan äußerte außerdem das Postulat „Ein Land, zwei Regierungen“ (Yi guo liang fu), welches das Festland vor allem aus völkerrechtlicher Perspektive anfocht. Während es in Taiwan Leute gab, die das Beispiel von West- und Ostdeutschland vor der Wiedervereinigung anführten, um darzulegen, dass „ein Land“ „zwei Regierungen“ besitzen könne, hielt man dies auf dem Festland für unzulässig. Erstens gestaltete sich aus Sicht der KPCh die Situation Chinas im Vergleich mit West- und Ostdeutschland ganz anders, beide waren nicht miteinander zu vergleichen. Zweitens waren West- und Ostdeutschland vor der Wiedervereinigung tatsächlich zwei souveräne Staaten. Die Kuomintang-Regierung indessen habe, nachdem sie auf dem Festland gestürzt worden war, die Provinz Taiwan besetzt. De facto sei sie nicht mehr als eine Lokalbehörde und besitze keinerlei Berechtigung, China zu repräsentieren. Zudem sei es auch nach internationalem Recht nicht erlaubt, dass ein Land zugleich durch zwei Regierungen vertreten würde. Dabei existierte, ungeachtet des „Ein Land, zwei Systeme“ der KPCh oder des „Ein Land, eine gute Regierung“ bzw. „Ein Land, zwei Regierungen“ der KMT, eine grundlegende politische Prämisse, nämlich der zwischen dem Festland und Taiwan bestehende Konsens über das „Ein-China-Prinzip“.

Dies änderte sich in den 1990er Jahren. Damals bekamen in Taiwan separatistische Kräfte Aufwind, und Li Denghui (李登辉) ersann die „Zwei-Staaten-Theorie“ (Liang guo lun) zu „Ein China, ein Taiwan“ (Yi ge Zhongguo yi ge Taiwan). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kam in Taiwan die Demokratische Fortschrittspartei (DPP) ans Ruder. Chen Shuibian (陈水扁) betonte, es gäbe an beiden Küsten je „Eine Seite, ein Land“ (Yi bian yi guo), und keines sei dem anderen untergeordnet. Sodann versuchte er durch einen Volksentscheid die Unabhängigkeit Taiwans zu legalisieren. Das Festland formulierte daraufhin seine politische Schmerzgrenze: „Solange Taiwan das Ein-China-Prinzip anerkennt, kann über alles geredet werden.“ Für die chinesische Regierung verlor sich der ideologische Beigeschmack in punkto Taiwan-Frage immer mehr. In dem Maße, in dem für die chinesische Führung der Faktor einer ideologischen Auseinandersetzung bei der deutschen Wiedervereinigung allmählich in den Hintergrund trat, rückten die Aspekte der nationalen Geschlossenheit und staatlichen Einigung immer mehr in den Vordergrund.

Dass die chinesische Regierung die ideologischen Differenzen so rasch bei Seite schob und die deutsche Wiedervereinigung bald befürwortete, lag außerdem in ihrer Hoffnung begründet, ein wiedervereinigtes Deutschland werde die separatistischen Kräfte innerhalb Chinas nicht unterstützen. Ende der 1950er Jahre war der Dalai Lama von Tibet ins ausländische Exil gegangen und beansprucht seitdem die Herrschaft über Tibet. Vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Oktober 1990 bemühte sich die Bundesrepublik Deutschland in einem fort auf internationaler Ebene um Unterstützung. Um sich die Zusage Chinas als ständigem Mitglied im VN-Sicherheitsrat zu sichern, hatte die Bundesregierung in der Vergangenheit Kontakte zur Exilregierung des Dalai Lama abgelehnt und Tibet als einen Teil Chinas anerkannt. Im Dezember 1989 etwa hatte Kohl den Dalai Lama in Bonn nicht empfangen. Die Bundesregierung erklärte dies damit, dass eine Audienz mit dem Dalai Lama einer Anerkennung seines Herrschaftsanspruchs gleichkäme. Dies würde den diplomatischen Grundsätzen zwischen Deutschland und China zuwider laufen. Aber sie sollte ihre Haltung schon am Tag nach der deutschen Wiedervereinigung ändern. Am 4. Oktober 1990 empfing der damalige Bundespräsident von Weizsäcker den Dalai Lama in seinem Amtssitz in Berlin. Diesbezüglich legte das chinesische Außenministerium am 6. Oktober bei Botschafter Hellbeck Protest ein. Man war der Ansicht, Deutschland habe damit den Dalai Lama in seinem Werben für tibetische Unabhängigkeit öffentlich unterstützt und sich in die chinesische Innenpolitik eingemischt. Obwohl die chinesische Regierung ihrem Wunsch Ausdruck verlieh, mit dem wiedervereinten Deutschland pragmatische Beziehungen zu beiderseitigem Vorteil zu entwickeln, überschattete die Tibetfrage von Anfang an die deutsch-chinesischen Beziehungen.

Dass man die ideologische Bedeutung des Mauerfalls herunterspielte, sollte der chinesischen Führung schließlich dabei behilflich sein, sich aus der diplomatischen Klemme zu befreien, in welcher sie sich seit den „Geschehnissen vom 4. Juni“ befand. Nach den „Geschehnissen vom 4. Juni“ war die chinesische Regierung politisch isoliert und wurde wirtschaftlich sanktioniert. Peking bemühte sich, die Situation zu verbessern, und hoffte auf eine Normalisierung seiner Beziehungen zu den westlichen Staaten, denn diese waren für die weitere Durchführung des Reform- und Öffnungskurses unerlässlich. Durch den Fall der Berliner Mauer bot sich China eine Gelegenheit. Für China markierte der Fall der Mauer das Ende des Kalten Krieges in Europa. Er bedeutete, dass die USA und die Sowjetunion von Konfrontation und Hegemonialstreben zu Dialog und Zusammenarbeit übergehen und sich sämtliche internationalen politischen Kräfte und Staatenblöcke neu formieren würden. Diese Situation der raschen Veränderungen bot China zweifellos die Chance, sich aus seinem diplomatischen Debakel herauszubewegen. Am 1. November 1993 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft; die Europäische Union war gegründet. Sie symbolisierte den Übergang der Europäischen Gemeinschaft von einem ökonomischen Rechtsgebilde zu einem politischen Gebilde. Ab Mitte der 1990er Jahre schickte China sich an, aktiv auf den Trend der weltweiten Multipolarisierung und wirtschaftlichen Globalisierung zu reagieren. Aus Sicht der chinesischen Regierung bedeutete der Berliner Mauerfall, dass das wiedervereinte Deutschland und das verbündete Europa zukünftig auf internationaler Bühne eine wichtige Rolle spielen würden. Bis zur Jahrtausendwende hatte China mit Deutschland, der EU und den meisten Ländern der Welt umfassende und vielschichtige diplomatische Beziehungen aufgenommen. Im Vergleich zu einem Jahrzehnt zuvor stand man nun auf dem Parkett der Diplomatie weitaus besser da.

Es ist zwanzig Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel. In diesen zurückliegenden zwei Jahrzehnten haben in China immense Veränderungen stattgefunden. Vor zwei Jahrzehnten rollten in erster Linie Dienstwagen über Chinas Straßen, der VW Santana war der fahrbare Untersatz für Parteifunktionäre und wurde zum Symbol der Macht. Heute, zwanzig Jahre später, sieht man auf Chinas Straßen vor allem Privatautos, der Pkw hat mittlerweile die normalen Haushalte erobert. 2009 wurde China zum größten Automobilmarkt der Welt. Die sich rasch entwickelnde Marktwirtschaft hat die chinesische Gesellschaftsstruktur von Grund auf umgekrempelt, wobei auch die Überzeugungen und Vorstellungen der Chinesen einem permanenten Prozess der Erneuerung unterworfen sind. Vor zwanzig Jahren prangerten Chinas amtliche Medien den „westlichen“ Demokratiegedanken an. Zwei Jahrzehnte später wird in den offiziellen Medien Yu Kepings (俞可平) neues Buch „Democracy is a good thing“ vorgestellt. In dem Buch heißt es, Demokratie sei ein universaler Wert der Menschheit, und die Entwicklung der Demokratie sei gut für die Sache der chinesischen Reform und Öffnung. Vor zwanzig Jahren sahen die Chinesen der „Heimkehr“ Hongkongs und Macaos hoffnungsvoll entgegen. Heute sehnen die Chinesen die Vereinigung der Ufer zu beiden Seiten der Taiwanstraße herbei. Im Gedächtnis der Chinesen ist der Mauerfall als ein Ereignis der „Umwälzungen in Osteuropa“ immer weniger und undeutlicher präsent, wohingegen ihnen der Fall der Berliner Mauer als ein Ereignis der „Deutschen Wiedervereinigung“ unvergessen bleibt. Vor zwei Jahrzehnten stürmte das deutsche Volk die Berliner Mauer und ging den Weg der Wiedervereinigung. Die Begeisterung und Freude auf ihren Gesichtern haben wir bis heute vor Augen. Das chinesische Volk hat die Hoffnung, dass es in naher Zukunft wie die deutsche Bevölkerung vor zwanzig Jahren die Freude eines geeinten Vaterlandes erleben kann.