Stadtgeschichten: Berlin Berlin: Pop-up-Stores – Verkaufsraum auf Zeit

Blick in einen Verkaufscontainer vor dem Bikini-Haus
Blick in einen Verkaufscontainer vor dem Bikini-Haus | Foto: Bikini Berlin

Einen Laden nur für ein paar Wochen eröffnen, das ist besonders für Modelabels ein beliebter Trend.

Eine kleine Nebenstraße im Norden des Berliner Stadtteils Neukölln. Eingezwängt zwischen Heimatmuseum und Schwimmbad liegt hinter einer Fassade aus grauem Stein eine ehemalige Bankfiliale. Doch heute kann man hier kein Geld abheben, sondern nur welches ausgeben: Für Mützen, Kleider, Hemden oder Gürtel. Denn für kurze Zeit haben 30 kleine Neuköllner Modelabels die Bank zur Boutique erklärt. Zwei Wochen darf nun geshoppt werden, dann ist der ganze Spuk vorbei. So soll es sein, bei diesen Kurzzeitläden, im Jargon Pop-up-Stores oder Temporary Shops genannt.

Dass ihr Angebot nur für begrenzte Zeit gilt, haben sich die Neuköllner bei den ganz großen abgeschaut: Das japanische Label Comme des Garçons soll vor fast zehn Jahren den ersten Laden dieser Art in einer ehemaligen Buchhandlung in Berlin aufgemacht haben. Mittlerweile gehört dieses Konzept besonders bei Modelabels zum guten Ton. Während der Fashion-Week, die zweimal im Jahr in Berlin gastiert, sprießen die improvisierten Verkaufsräume wie Pilze aus dem Boden. In leerstehenden Fabrikhallen, Ladengeschäften oder eben Bankfilialen werden mit ein paar Regalbrettern, Kleiderständern und vor allem Licht und guter Musik Modegeschäfte improvisiert. Mittlerweile hat der Trend zum Pop-up-Store auch andere Branchen erreicht: Im Januar hat etwa der Autokonzern Opel in Berlin-Mitte einen solchen Laden für die Präsentation seines neuesten Kleinwagens eröffnet. Auch der Uhrenhersteller G-Shock oder sogar das Online-Kaufhaus Ebay haben die Idee für sich entdeckt.

„Durch den Eventcharakter, den eine Shoperöffnung für nur zwei Wochen automatisch hat, ist die öffentliche Aufmerksamkeit besonders hoch“, erklärt Daniela Fleig vom Netzwerk Mode & Nähen Neukölln (Nemona), welches den Pop-up-Store mit den 30 kleinen Labels organisiert hat. Da keins von ihnen alleine einen solchen Laden hätte stemmen können, haben sie sich zusammengetan und profitieren davon doppelt. Denn neben der Möglichkeit, sich einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren, können die Designer auch mal gucken, was die anderen eigentlich so machen, welche Produkte sie im Angebot haben, wie sie verkaufen, „Dabei steht nicht der Konkurrenzgedanke im Vordergrund, sondern was sie voneinander lernen können“, meint Fleig.

Eine etwas andere Motivation haben die Macher von Bikini Berlin. Eigentlich sind sie gerade noch dabei, das denkmalgeschützte Bikini-Haus, welches in den 1950er Jahren in der Nähe des Zoologischen Gartens errichtet wurde, zum Einkaufstempel umzubauen. Doch um die Wartezeit bis zur Fertigstellung zu verkürzen, haben sie im Oktober 2012 vor der Baustelle zwei Überseecontainer aufgestellt. Schon jetzt wird in dieser Temporary Shopping Gallery im Wechsel Mode verschiedener Designer verkauft. „Bikini Berlin will damit allen Berlinern und Besuchern der Hauptstadt eine Art exklusive Preview auf das Shoppingerlebnis, das ab Herbst 2013 an diesem Ort geboten wird, präsentieren“, erklärt die Pressesprecherin Sabine Hagn.

Ort, Art und Weise und vor allem die finanziellen Möglichkeiten sind bei Pop-up-Stores also durchaus unterschiedlich. Gemein haben sie die Idee, durch den Eventcharakter eine besonders hohe Aufmerksamkeit zu generieren. Außerdem greifen die Käufer nicht nur zu, weil ihnen ein Teil besonders gut gefällt. Sondern auch, um ein Erinnerungsstück mit nach Hause zu nehmen, als Zeichen, dass sie dabei waren, als eine alte Bankfiliale plötzlich voller Kleiderständer stand.