Berlinale-Blogger 2017 Mehr als nur Fussball: „Stonehead“

Steinkopf
Filmstill © 3C Films Co., Ltd. | „Steinkopf“

In einem Film aus der Sektion „Generation Kplus” wird ein Fußball zum Hoffnungssymbol, Wunschobjekt und zur Bürde für die „zurückgelassenen Kinder” auf dem Land.  

In der Kategorie „Brutale Darstellung einer Kindheitsodyssee“ kann es der Debutfilm Stonehead des chinesischen Regisseurs Zhao Xiang locker mit dem Klassiker Wo ist das Haus meines Freundes vom iranischen Regisseur und Drehbuchautor Abbas Kiarostamis aufnehmen. In Stonehead wird das soziale Phänomen von Chinas „zurückgelassenen Kindern“ (留守儿童) durch die Augen eines zehnjährigen Jungen – Spitzname „Steinkopf“ – betrachtet und somit in fast dokumentarischer Weise dargestellt. Während ein Großteil der Dorfbewohner in die großen Städte ziehen, um ihre Familien finanziell besser unterstützen zu können, bleiben viele der Kinder mit ihren Großeltern in den Dörfern zurück. Sie sehen ihre Eltern, wenn überhaupt, nur noch einmal im Jahr.

Nachdem der Musterschüler „Steinkopf“ von einem Regierungsbeamten einen Fußball als Preis für seine schulischen Leistungen bekommt, tut er alles, um den Ball zu beschützen, denn er möchte ihn seinem Vater bei dessen nächsten Besuch zeigen. Doch die Belohnung wird schnell zur Bürde, nicht zuletzt weil der Vater nur in Form einer blechernen Stimme weit entfernt am anderen Ende der Telefonleitung existiert. Lügen oder bei der Wahrheit bleiben? Sich selbst schützen oder den besten Freund? Sich gegen die anderen verbünden oder nicht? Während seiner Odyssee auf der Suche nach einem Ersatz für den Fußball tauchen diese schwierigen moralischen Fragen immer wieder auf, ob in der Welt der Jungen, in der das Recht des Stärkeren gilt, in der Erwachsenenwelt mit ihrer Heuchelei und falschem Stolz, in den unterdrückten Gefühlen der zurückgelassenen Kinder, oder angesichts der riesigen Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Es bleibt unklar, wie die Geschichte von Steinkopf und seinen Klassenkameraden ausgeht. Das Spiel der Kinder könnte kaum natürlicher sein, in den Augen sehe ich das heranreifende Begreifen der Welt um sie herum, unterdrücktes Leid und mehr Widerstandsfähigkeit, als man es in ihrem Alter erwarten würde. Für mich ist dies ein zarter Film, gewidmet der unausgesprochenen Liebe, der tiefen Verbindung zwischen Eltern und Kind, die der Entfernung trotzt. Der Regisseur blickt auf diejenigen, die zurückgelassen wurden, aber alles tun, um die Dinge beisammenzuhalten.